Wenn es nach Jürgen Maurer ginge, gäbe es im Internet weder Geheimnisse noch Privatsphäre. "Wer im Internet ist, hat den Privatraum verlassen und befindet sich quasi im öffentlichen Raum", sagte der Vizepräsident des Bundeskriminalamts (BKA) vergangene Woche auf dem Europäischen Polizeikongress in Berlin. Er glaubt, dass sich Internetkriminalität nur so bekämpfen lässt. Und er ist mit dieser Sicht keineswegs allein.

"Wir fordern die Untersagung einer vollständigen Verschleierung der eigenen Identität mithilfe von technischen Manipulationen", gab Andreas Deuschle, netzpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg, jüngst bekannt.

Dass auch jeder nicht-kriminelle Bürger daran interessiert sein könnte, sich online ein Stück seiner Privatsphäre zu bewahren, scheint nicht in die Gedankenwelt von Maurer und Deuschle zu passen. Dabei ist es schon heute schwierig, sich unerkannt im Netz zu bewegen. Deutsche Nutzer werden zwar weniger vom Staat überwacht, umso stärker dagegen von Unternehmen. Auch dagegen gibt es Mittel und Wege – wenn man weiß, wie die Verfolgung im Netz funktioniert. Ein neues Buch erklärt es.

Mich kriegt ihr nicht – Gebrauchsanweisung zur digitalen Selbstverteidigung heißt das Buch von Steffan Heuer und Pernille Tranberg. Heuer ist US-Korrespondent für das Wirtschaftsmagazin brand eins und hat auch schon für ZEIT ONLINE über Google und Apple geschrieben. Tranberg lebt und arbeitet als Journalistin in Dänemark.

Was Constanze Kurz und Frank Rieger in Die Datenfresser noch weitgehend grundsätzlich beschreiben, erläutern Heuer und Tranberg an vielen konkreten Fällen und Beispielen: Der Kampf von Max Schrems für besseren Datenschutz für Facebook-Nutzer, das heimliche Kopieren kompletter Smartphone-Adressbücher durch das Online-Netzwerk Path, der missglückte Witz zweier Urlauber über Marilyn Monroe auf Twitter – die beiden Autoren erklären umfassend, welche Unternehmen mit welchen technischen Mitteln versuchen, möglichst umfassende Profile über ihre Nutzer zu erstellen – und welche Folgen das haben kann.

Anschaulich erläutern sie Gefahren, die es im Netz durchaus gibt – von Identitätsdiebstahl über Mobbing bis zur heimlichen Überwachung durch Arbeitgeber und Lebenspartner. Im Vordergrund aber steht "die kommerziell motivierte Verfolgung von Bürgern und Verbrauchern" durch Data-Mining, Tracking und Scoring. "Wir hoffen, vom Teenager bis zur Generation meiner Eltern alle anzusprechen, die einen Browser oder mobile Apps benutzen", sagt Heuer.

Schummeln für mehr Datenschutz

Die wichtigste Gegenmaßnahme, die Heuer und Tranberg immer wieder empfehlen, lautet: "Fake it" (so heißt das Buch auch im Original). Soziale Netzwerke wie Facebook und Google plus verlangen zwar den echten Namen von ihren Nutzern, aber wer ein glaubwürdiges Pseudonym wähle und das seinen Freunden mitteile, könne die Plattformen auch nutzen, ohne dass er seine gesamte Identität preisgeben müsse, schreiben die Autoren. Sie wollen keinen Verzicht predigen, dafür mache ihnen das Internet zu viel Spaß. Deshalb zeigen sie Wege zu einem selbstbestimmten Umgang mit der eigenen Identität auf.