Bruce Schneier"Wir leben in einem Überwachungsstaat"

Der Kryptologe und Sicherheitsforscher Bruce Schneier kapituliert: Staatliche Überwacher und Internetfirmen, die uns ausspähen, haben die Oberhand, sagt er im Interview. von 

Bruce Schneier weiß mehr über Verschlüsselung und Computersicherheit als die meisten Menschen auf diesem Planeten. In einem Kommentar für cnn.com schrieb er nun, wie wenig dieses Wissen in Zeiten allgegenwärtiger Überwachung durch Konzerne und Staaten nütze. 

Anhand dreier aktueller Beispiele skizzierte er, dass schon ein einziger Fehler ausreicht, um identifiziert und verfolgt zu werden: Chinesische Hacker, die Petraeus-Geliebte Paula Broadwell sowie der LulzSec-Hacker Hector Monsegur alias "Sabu" hätten allesamt versucht, sich vor Tracking und Überwachung zu schützen. Sie alle scheiterten. Insbesondere staatliche Schnüffler hätten die Oberhand, die Lage sei hoffnungslos, schrieb Schneier.  

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ZEIT ONLINE: Sie wissen, wie man Tracking und Überwachung vermeidet, dennoch kapitulieren Sie. Warum?

Bruce Schneier: Das hat mehrere Gründe. Erstens, weil wir wollen, was uns vorgesetzt wird. Wir sind einverstanden, dass Google uns verfolgt, weil wir Googles Suchergebnisse wollen. Wir sind einverstanden, dass Facebook uns verfolgt, weil wir dort mit unseren Freunden kommunizieren wollen. Zweitens, weil wir nicht wissen, dass wir getrackt werden. Die meisten Menschen haben keine Ahnung, dass sie von rund 100 Unternehmen durchs Netz verfolgt werden. Den meisten Menschen ist auch nicht klar, wer Zugang zu ihren E-Mails hat, und unter welchen rechtlichen Voraussetzungen. Und drittens, weil wir nicht aufmerksam sind. Wir ignorieren schnell, dass Mobiltelefone nichts anderes als Ortungswanzen sind, oder dass Amazon ganz genau weiß, welche Bücher wir lesen.


Bruce Schneier

Bruce Schneier (50) ist einer der bekanntesten Experten für Kryptographie und Computersicherheit in den USA. Er hat mehrere Bücher über Verschlüsselungstechniken geschrieben und einige Methoden selbst mitentwickelt. Er ist Gründer und Chief Security Technology Officer von BT Managed Security Solutions, ehemals Counterpane Internet Security, und bloggt unter Schneier on Security.

ZEIT ONLINE: Gab es einen Auslöser, einen bestimmten Grund, warum Sie plötzlich so pessimistisch sind? 

Schneier: Nicht wirklich. Ich betreibe einen nicht unerheblichen Aufwand, um meine Privatsphäre im Netz zu schützen. Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es keine Rolle spielt, was ich tue. Drei Beispiele bringen das auf den Punkt: Selbst chinesische Hacker konnten aufgespürt werden, die Petraeus-Affäre ist aufgeflogen und mit Hector Monsegur hat das FBI einen der LulzSec-Anführer gefasst.

ZEIT ONLINE: Was ist mit der CryptoParty-Bewegung, dem Anonymisierungsprojekt Tor und allen anderen, die versuchen, den Menschen beizubringen, wie sie sich sicher und anonym im Internet bewegen können – ist das alles sinnlos?

Schneier: Nicht sinnlos, aber es sind halt nur kleine Lösungen für ein großes Problem. Wir werden auf so vielen verschiedenen Wegen überwacht, dass es nicht viel bringt, einen dieser Wege zu umgehen. Der verhaftete LulzSec-Anführer Monsegur hat immer Tor verwendet, bis auf dieses eine Mal, und das war genug, um ihn zu de-anonymisieren. Ich habe die Werkzeuge untersucht, die China, Syrien, der Iran, Ägypten, die USA und andere Staaten benutzen, um ihre Bürger auszuspähen – sie haben die Überhand in diesem Wettrüsten.

ZEIT ONLINE: Wir haben gerade in einer Artikelserie versucht, Anfängern zu zeigen, wie sie Tor, VPN, TrueCrypt und PGP benutzen können. Unsere Leser waren sehr daran interessiert und haben uns mit Fragen und auch Kritik überschwemmt. Und nun sollen wir sie wieder entmutigen? 

Schneier: Nein. Ich verschlüssele meine Festplatte selbst mit PGPDisk. Ich nutze Tor, um anonym zu surfen. Ich nutze VPN, um ins Netzwerk meiner Firma zu kommen. Das sind alles gute Werkzeuge, und ich empfehle sie weiterhin. Aber Sie müssen einfach akzeptieren, dass sie einen gut ausgebildeten und ausgerüsteten, motivierten Gegenspieler nicht davon abhalten können, in Ihre Privatsphäre einzudringen.

ZEIT ONLINE: Sie glauben also weiterhin an Verschlüsselung? Die Cypherpunk-Bewegung um Julian Assange, Jacob Appelbaum, Andy Müller-Maguhn und andere nennt es sogar den einzigen Weg, sich gegen Überwachung zu wehren. 

Schneier: Natürlich glaube ich weiter an Kryptographie, sie ist ein lebenswichtiges Werkzeug. Aber sie ist halt kein Zauberspruch, mit dem Überwachung automatisch abgewehrt wird.

Leserkommentare
  1. ...ähnelt Schneiers CNN-Beitrag einigermaßen deutlich: http://edition.cnn.com/20...

    • va
    • 19. März 2013 12:40 Uhr

    Den Einsatz der Technik wird man nicht unterbinden können. Wir müssen uns damit arrangieren. Nicht alles was man mitteilen möchte über einen Kanal gehen lassen. Statt Facebook sollte man auch das Telefon und e-mail nutzen.

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    • 15thMD
    • 19. März 2013 13:17 Uhr

    Moderne Telefonanschlüsse sind IP-basiert. Wenn man davon absieht, dass das ganze bei Skype auch noch bei Microsoft vobeikommt, besteht überhaupt kein Unterschied zu normaler Telefonie.

    Erklären Sie mir bitte, inwiefern die Email weniger überwachungsanfällig ist als Facebook.
    Der Fall, dass sowohl Sender als auch Empfänger den Schriftverkehr verschlüsseln ist dann doch eher gering. Und am Ende läuft das ganze im schlechtesten Fall nicht nur über Facebooks Server, sondern z.B. sowohl Google als auch Microsoft können mitlesen (im Fall von Kommunikation @gmail.com <--> @outlook.com).

    An Facebook mag ich, dass ich dort mit Pseudonym kommunizieren kann. Das ist bei Email vor allem in Zeiten des Smartphones kaum mehr möglich. Die Mehrzahl wird einen nicht unter dem bei z.B. Google verwendeten Pseudonym im Adressbuch speichern sondern unter dem echten Namen. Und schon ist die schöne Pseudonymität verloren.

    Dann hätten Sie auch nichts dagegen gehabt, wenn die Stasi in Ihrem Privatleben herumgeschnüffelt hätte? Sagen wir durch Telefonüberwachung, Öffnen Ihrer Post und "Abschöpfen" Ihres Freundes- und Bekanntenkreises? Dann sind Sie wohl systemkonform und haben "nichts zu befürchten"?

    Aber wie lange sind Sie noch konform? Schlummert in Ihnen vielleicht eine Krankheit, die Ihren Arbeitgeber oder Ihre Bank in Zukunft davon abhält, wie gewohnt mit Ihnen zusammen zu arbeiten? (Anm. Das ist nur ein Beispiel, ich hoffe, Sie erfreuen sich bester Gesundheit und das bleibt auch so.) Vielleicht wissen die schon davon, allein durch Ihre Googlelei?

    • va
    • 19. März 2013 16:24 Uhr

    aber wir können damit umgehen lernen. Zum Technischen: der Einsatz vieler Informations-Kanäle erschwert die Interpretation. Im Bedarfsfall reden mehr Institutionen mit. Was der einen Institution nicht passt könnte der anderen gefallen. Und man sollte sich immer bewusst sein, dass das was man gerade von sich gibt mitgelesen und mitgehört wird. Wir werden damit leben müssen - die Technik ist da und wird eingesetzt. Es interessiert nicht ob das einem passt oder nicht.

  2. Die Technologie in den falschen Händen und wir können einpacken.
    Wer weiß, was heute schon tatsächlich geschieht,welche Kommunikation von Geheimdiensten wie der NSA abgefangen wird, welche Provider mit welchen Staaten zusammen arbeiten, wer überall in der Welt Profile von Social Media Nutzern anlegt und was mit diesen Daten geschieht.

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    • va
    • 19. März 2013 15:16 Uhr

    Wir müssen uns darauf einstellen!

  3. Google weiß, welche Stichworte ich eingebe. Das kann ich hiermit aller Welt verkünden: Heute morgen habe ich per Google-Maps die geographische Lage eines Restaurants gesucht, in dem ich heute Abend essen werde. Danach habe ich die Lyrics eines Liedes gegoogelt, das im Radio kam. Von mir aus kann Google auch noch wissen, dass ich mir heute Abend ein Schnitzel bestelle. Mit Rahmsoße, ich mag keine Pilze. Paprika sind in Ordnung, vielleicht wirds spontan auch eine rote Soße. Und allen Nicht-Amazon-Mitarbeitern verrate ich hiermit, das ich mir ein Buch von Patrick O'Brian bestellt habe. Ich weiß, ich spiele hier gerade mit dem Feuer und riskiere, morgen eine Werbemail zu bekommen. Das wird meinem Spamfilter hart zusetzen. Aber ich lebe eben gerne am Limit, liebe eben das Risiko und scheue nicht davor zurück, meinen Spamordner in die dreistelligen zu treiben . . . ich Teufelskerl.

    Den virtuellen Verfolgsungswahn mancher Menschen finde ich besorgniserregender als die meisten hier genannten "Überwachungs"instrumente.

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    Zum Problem wird es erst, wenn sich unsere Gesellschaft dahingehend verändert, das einfachste Sachen anstößig sind und sie aufgrund der kapitalistischen Ausbeutung NICHTS mehr machen dürfen ohne Geld zu bezahlen.

    Eine schlimmere Vision wäre es, sollte es irgendwann dazu kommen, dass sich die Staaten um die letzten Ressourcen auf der Welt bekriegen und ein supranationaler "Europastaat" sich gegen die "3." und "2." Welt hermetisch abschottet und eine Ideologie verbreitet, die der von vor 70 Jahren nicht unähnlich ist.

    Medienpropaganda, Aufhetzen gegen "Andere", extreme Repression wegen der ungleichen Vermögensverteilung um Bevölkerungsaufstände zu verhindern und nur ein falsches Wort und sie verschwinden.

    Wir sind da näher dran als Sie vielleicht denken.

    Dieses Argument ist aus mehreren Gründen hinfällig. Erstens je mehr Informationen über sie gewonnen werden können umso eher ist hier handeln vorhersagbar. Schauen sie sich mal den Wahlkampf in dne USA an, Stichwort Microtagging.

    Zweitens, je mehr Informationen über sie gewonnen werden können umso eher sind sie kompromittierbar. Stichwort sexuelle Vorlieben und anderes.

    Drittens, je mehr Informationen über sie gewonnen werden können umso leichter sind sie manipulierbar. Stichwort personalisierte Werbung

    Schlussendlich ist Privatsphäre im Informationszeitalter einer der höchst schützenswerten Güter. Denn nur der gläserne Staat schafft Sicherheit und Rechtsstaat während der gläserne Bürger immer eine Bedrohung unserer Freiheit ist.

    "Die US-Regierung will nicht nur die Namen derer wissen, die regelmäßig Twitter-Nachrichten von Wikileaks verfolgen – aktuell sind das mehr als eine Million Menschen. Twitter soll auch offenlegen, wem Wikileaks-Mitglieder vertrauliche Direktnachrichten schicken. (...) Vor wenigen Wochen erst, bei der Produktvorstellung des neuen Office 365, musste der britische Microsoft-Niederlassungsleiter Gordon Frazer zugeben, dass nicht einmal die Kundendaten auf europäischen Microsoft-Servern vor dem Zugriff der US-Behörden sicher sind: Weil Microsoft ein amerikanisches Unternehmen ist, müsse es Geheimdiensten Zugriff gewähren, selbst auf Großrechner, die im Ausland stehen. Auch Google teilte auf Anfrage der WirtschaftsWoche mit, dass "die US-Regierung auf außerhalb der USA gespeicherte Daten zugreifen kann". Der Konzern habe schon viele solcher Anfragen erhalten. (...) Selbst wenn ein Gericht nachträglich feststellt, dass eine Behörde solche Informationen unrechtmäßig beschafft hat, muss sie diese nicht vernichten. Sie werden gespeichert in einem der größten Datenarchive der Welt. Dieses gigantische Gedächtnis wird von zwei mit schwarzem Glas verspiegelten Büropalästen aus gesteuert. Hier, in Fort Meade im US-Bundesstaat Maryland, residiert die National Security Agency (NSA), der größte und finanziell am besten ausgestattete Nachrichtendienst der USA. "
    http://www.wiwo.de/techno...

    Ihre Argumentation ist alt und leider auch ziemlich falsch. Bei dieser Art von Datenschutz geht es nicht hauptsächlich darum, die Nutzerprofile für vergleichsweise harmlose Werbung zu nutzen.
    Es geht darum, ein Profil von Ihnen zu erstellen, mit Bewegungsmustern, Vorlieben, Vorerkrankungen, Einblick in Ihr Berufsleben etc., das dann z.B. von Versicherungs - oder Kreditgesellschaften genutzt wird.
    Die Schufa hat schon damit experimentiert, die Facebookprofile zu katalogisieren, um genauere Infos zur Kreditwürdigkeit einzelner Menschen zu erhalten.
    Sollten Sie dann einmal wirklich einen Kredit für z.b. eine lebenswichtige OP benötigen, dann greift plötzlich das System dahingehend, dass all Ihre Informationen, die jemals über die Dienste gesammelt wurden, ausgewertet werden können.
    Im schlimmsten Fall wird dann durch Algorithmen über Leben und Tod entschieden und alles nur, weil "mein Spamfilter dann halt noch ein bisschen voller ist..."

    • brazzy
    • 19. März 2013 13:14 Uhr

    Ihr Kommentar ist ganz schön naiv.

    Ja, es ist wahrscheinlich nicht schlimm wenn Google weiss was sie essen. Aber darum geht es auch nicht, sondern um politische Ansichten und Tätigkeiten - und es kann verdammt viel politisch sein. Im Iran wäre das mit dem Schnitzel schon nicht mehr so ganz unkritisch.Haben sie sich irgendwann mal abfällig über Moslems, die katholische Kirche oder die NPD geäussert? Für oder gegen Abtreibung, die Homoehe oder die Evolutionstheorie argumentiert?

    Es gab und gibt Staaten in denen solche Dinge einen in ernsthafte Schwierigkeiten bringen können. Und niemand kann wirklich garantieren dass wir in 20 Jahren nicht in einem solchen Staat leben dem es dann dank Google, Facebook und Co. ein Leichtes sein wird, "Gesinnungsfeinde" ausfindig zu machen.

    Die Masse an Daten ist interessant. So wächst das Wissen über die Menschen und ihre Verhaltensweisen immer weiter an. Irgendwann wird sich so ziemlich alles vorhersagen lassen. Mit Algorithmen und Daten über das Verhalten der Menschen. Das verleiht dann einigen wenigen sehr viel Macht...

    • deDude
    • 19. März 2013 13:23 Uhr

    ... dann wird's einfacher auf ihren Namen glaubhaft ein paar Telefonverträge abzuschließen, ein paar Flatscreens mit den bei Amazon abgeholten Kreditkartendaten zu shoppen, unter ihrem Namen ein Hotelzimmer für eine wilde Partynacht zu buchen und danach mit dem Flieger (die Tickets lasse ich dann bei Ihnen abbuchen) nach Argentinien zu flüchten.

    Es geht viel weniger darum das Google & Co. Ihnen Spammail schicken sondern vielmehr darum warum diese Unternehmen wohl Daten sammeln die für ihre eigenen Dienste ersteinmal wertlos sind. Es gab mal den schönen Begriff der "Datensparsamkeit" was bedeutete man solle nur soviele Daten vorhalten wie unbedingt nötig sind. Braucht Google für seine Suchergebnisse tatsächlich ihre Schuhgröße? Für gewöhnlich wohl eher nicht, trotzdem werden solche Daten einmal eingegeben mit Ihnen verknüpft.

    Das ist an für sich noch kein Problem, Problematisch aber wird es wenn diese Daten mit den Daten anderer Dienste kombiniert werden. Wenn Sie beispielsweise die App für Facebook verwenden stimmen Sie zu das ihr aktueller Standort bzw. der Ihres Handys an Facebook gemeldet wird. Verknüpfen wir jetzt bspw. die Daten zwischen Facebook, Google und Amazon hat man schon ein relativ detailiertes Personenprofil von Ihnen. Wenn diese Daten dann noch in die Hände von Leuten fallen die ihnen keine Spammails schicken, sondern sie persönlich besuchen wollen, bevorzugt wenn sie nicht daheim sind, können Sie sehen wie toll diese Datensammlungen sind.

    Bitte listen Sie uns ALLE Stichworte auf, nach denen Sie jemals bei beliebigen Suchmaschinen gesucht haben. Google weiß nämlich eine Menge mehr als das, was Sie aufführen. Und es geht nicht nur um das, was Google weiß. Es geht um die *Verknüpfung* großer Datenbestände. Sie gehen heute abend essen, und es gibt jemanden, der weiß wohin Sie gehen. Da Sie Ihr Handy vermutlich nicht ausschalten werden, kann man das sogar überprüfen. Sie sind also nicht zu Hause. Was kann da passieren?
    Was die Überwachung durch den Staat angeht, nun, wenn Sie auf Google-Maps schauen, wie detailliert das mittlerweile ist, sind Sie dann der Meinung, das ist das schärfste Material das es gibt? Können Sie sich vorstellen, wie detailliert der Kram ist, den die NASA hat und nicht freigibt? Können Sie sich vorstellen, dass Google mehr weiß als unser Staat? Wirklich? Rundfunkbeitrag nicht zahlen, weil Sie Ihren ständigen Aufenthalt außerhalb Deutschlands haben? Wieso ist dann Ihr Handy das ganze Jahr über in Deutschland? Und das ist geradezu Pillepalle. Es ist viel schlimmer. Und es geht schon längst nicht mehr um Werbung.

    • etc.pp
    • 19. März 2013 15:00 Uhr

    "Den virtuellen Verfolgsungswahn mancher Menschen finde ich besorgniserregender als die meisten hier genannten "Überwachungs"instrumente."

    Stimmt, ist besorgniserregend. Ich bilde mir z.B. ein, jeden Tag von jemandem beschattet zu werden, der aussieht wie Dirk Bach. Der versucht nicht einmal, sich vor mir zu verstecken. Er folgt mir auf Schritt und Tritt, weiß immer, wo ich bin, schreibt auf, was ich kaufe, was ich lese, was ich esse und Nachts steht er am Fenster und glotzt in mein Schlafzimmer hinein. Der Unterschied zu Google ist nur, dass ich mir Google nicht einbilde.

    Auch in der richtigen Welt ist man nicht unsichtbar und kann ausspioniert werden, schon mal von der Stasi gehoert?

    • Nest
    • 19. März 2013 20:29 Uhr

    ...wenn Sie keinerlei Diskretion bedürfen.
    Ein Fakt, den man nicht unterschätzen sollte, ist, dass schon das Bewusstsein, überwacht zu werden, zu Verhaltensänderungen der User führt.
    Das kann eine leichte Befangenheit bei der Internetnutzung bis zur Paranoia zur Folge haben.

    Kreditkartennnummer incl. Pin, eBay Zugangsdaten, Homabanking-Zugangsdaten, selbiges für Facebook, Email und Amazon.
    Nur zu, ist (wie Sie sagten) nicht gefährlich

    Wenn sie sich hundertprozentig sicher sind, dass Sicherheitsbehörden keinen Missbrauch treiben, nie treiben werden und auch vor menschlichen Fehlern gefeit sind, dann darf ich sie zur Rezeption des Films "Brazil" einladen. Möglich das sie ihre Ansichten danach überdenken.

  4. Dass die umfragewerte der Piraten sinken...

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  5. Zum Problem wird es erst, wenn sich unsere Gesellschaft dahingehend verändert, das einfachste Sachen anstößig sind und sie aufgrund der kapitalistischen Ausbeutung NICHTS mehr machen dürfen ohne Geld zu bezahlen.

    Eine schlimmere Vision wäre es, sollte es irgendwann dazu kommen, dass sich die Staaten um die letzten Ressourcen auf der Welt bekriegen und ein supranationaler "Europastaat" sich gegen die "3." und "2." Welt hermetisch abschottet und eine Ideologie verbreitet, die der von vor 70 Jahren nicht unähnlich ist.

    Medienpropaganda, Aufhetzen gegen "Andere", extreme Repression wegen der ungleichen Vermögensverteilung um Bevölkerungsaufstände zu verhindern und nur ein falsches Wort und sie verschwinden.

    Wir sind da näher dran als Sie vielleicht denken.

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    Antwort auf "Ich Teufelskerl"
  6. Dieses Argument ist aus mehreren Gründen hinfällig. Erstens je mehr Informationen über sie gewonnen werden können umso eher ist hier handeln vorhersagbar. Schauen sie sich mal den Wahlkampf in dne USA an, Stichwort Microtagging.

    Zweitens, je mehr Informationen über sie gewonnen werden können umso eher sind sie kompromittierbar. Stichwort sexuelle Vorlieben und anderes.

    Drittens, je mehr Informationen über sie gewonnen werden können umso leichter sind sie manipulierbar. Stichwort personalisierte Werbung

    Schlussendlich ist Privatsphäre im Informationszeitalter einer der höchst schützenswerten Güter. Denn nur der gläserne Staat schafft Sicherheit und Rechtsstaat während der gläserne Bürger immer eine Bedrohung unserer Freiheit ist.

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    • TDU
    • 19. März 2013 14:46 Uhr

    Und zu ergänzen wäre, dass man gar nicht weiss, welche Gesetze noch erlassen werden, und was der Inhalt eines möglichen zu Verbergenden wäre.

    Konkret:Wer nicht die falschen Bücher bestellt, hat auch nichts zu verbergen ergo nichts zu befürchten.

    "Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten!"

    Wenn so war ernst gemeint ist, krieg ich eine Gänsehaut. Das war nämlich eines der Lieblingsargumente der Stasi.

    ein nicht unerhebliches Risiko birgt auch der Umstand, dass Ihre Daten (insbesondere in Zeiten der automatisierten Auswertung) auch immer Anlass zur Fehlinformation / -deutung bieten können.
    Vor diesem Hintergrund sollte auch derjenige der "nichts zu verbergen" tunlichst alles verbergen, denn vor diesem Risiko kann auch er niemals sicher sein!

  7. Ich hatte letztens die selben Gedanken. Als erklärter Gegner des Ausbaus des Überwachungsstaates resigniere ich. Der Grund dafür sind die gleichen Gedankengänge, wie sie hier im Artikel geschildert wurden.

    Wir leben längst in einem Überwachungsstaat. Man kann sich dieser Tatsache nicht mehr entziehen. Das ist in den USA so, dass ist in Deutschland so und am langen Hebel sitzen die Geheimdienste und Konzerne. Das ist auch der Grund, warum sich ein Herr Obama gerne mit den Big Playern der digitalen Welt unter Ausschluss der Öffentlichkeit unterhält.

    Die folgenden Generationen wachsen in einer Welt auf, in der Überwachung allgegenwärtig ist. Sie lernen die Welt als solche kennen, beginnen sie als normal anzusehen. Bürger - und Freiheitsrechte sowie Privatsphäre verlieren an Bedeutung...ja sie geraten in Vergessenheit. Der Widerstand dagegen war gebrochen, bevor er aufgeflammt ist. Nur noch ein kleiner Kern aus Bürgern kennt effektive Schutzmechanismen.

    Nun braucht es einen Hebel, ein Ereignis, eine Krise um Europa zurück in ein dunkles Zeitalter mit diktatorischen Zügen zu stürzen. Wenn die Drohnen ersteinmal, bewaffnet mit Kameras und Geschossen, über unsere Städte kreisen, wird es zu spät sein. Dann wurde eine technische Infrastruktur geschaffen, die man nicht mehr kontrollieren kann, von der man nur zutiefst hoffen kann, dass sie nicht in die falschen Hände gerät.

    Zwei Weltkriege sollten den Menschen eigentlich verdeutlicht haben, wozu Menschen fähig sein können.

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    :z.B. zu NICHT-staatlicher Bespitzelung und Ausspähung.

    Es gibt keine gerechten (Cyber-)Krieg! Eine sozialethische Binsenweisheit. ;)

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