Strafverfolgung : FBI will E-Mails und Chats in Echtzeit überwachen

Die US-Bundespolizei will jede Kommunikation im Internet in Echtzeit mitlesen können. Denn selbst über die Chatfunktion von Games würden kriminelle Absprachen getroffen.

Die US-Bundespolizei FBI dringt einem Medienbericht zufolge auf die Kontrolle von Kommunikationsdiensten wie Gmail, Google Voice oder dem Cloud-Speicherdienst Dropbox in Echtzeit. Damit wolle das FBI auf die schwer kontrollierbare Kommunikation in sozialen Netzwerken und E-Mails reagieren, berichtete das US-Magazin Slate unter Berufung auf den Leiter der FBI-Rechtsabteilung, Andrew Weissmann.

Dieser habe in der vergangenen Woche auf einer Konferenz in Washington, D.C. gesagt, die Ausweitung der Überwachungsmöglichkeiten im Internet sei für seine Behörde eines der wichtigsten Vorhaben in diesem Jahr. Bislang hat das FBI auf Grundlage des Electronic Communications Privacy Act nur Zugriff auf die Archive von E-Mail-Konten.

Weissmann zufolge will das FBI nun aber auch auf Internetkommunikation in Echtzeit zugreifen können, wie sie über E-Mails, Chat-Programme wie Skype oder Cloud-Dienste möglich ist – oder auch "über die Chatfunktion in der Onlineversion von Scrabble", wie Weissmann Slate zufolge sagte. "Diese Kommunikationsformen werden für kriminelle Absprachen genutzt", zitiert ihn das Magazin.

Eine rechtliche Grundlage für eine solche Kontrolle gibt es schon, aber sie reicht dem FBI nicht aus. Zwar sind US-Telekommunikationsdienstleister durch das sogenannte Calea-Gesetz verpflichtet, Hintertüren für Ermittlungsbehörden in ihren Programmen zu installieren. Unternehmen wie Microsoft und Google sehen sich aber nicht als Telekommunikationsdienstleister. Und der Wiretap Act verpflichtet E-Mail- und Chatprovider dazu, den Strafverfolgern bei der Einrichtung von Überwachungstechnik zu helfen – doch das dauert dem FBI zu lange.

Das Ausmaß der bisherigen Überwachung von E-Mail- und anderen Kommunikationsprogrammen machen einige Unternehmen in ihren Transparenz-Berichten bekannt. Microsoft hatte erstmals in diesem Jahr über die Zahl der Behördenanfragen informiert, andere Unternehmen wie Google und Twitter veröffentlichen die Zahl der staatlichen Anfragen nach Nutzerdaten schon länger.

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Kommentare

58 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Kein Problem...

Verantwortungsvolle Terrorplanung findet ab jetzt also in Dialekt statt:
Des wird subba, wei do muas da kombjudda ned nua an jedn dialeggd und Undda-dialeggd kenna, sondan a nu wissn wia si so wos schreim lossd, is ja ned oiwei quis, wia si wos schreibd, gey. Und im bairischn vastehd ma si eh ohne vui redarei. :-)

Was anderes: Fällt online banking (PIN/TAN) eigentlich auch unter "alle Kommunikation"?

PS: Mit besten Grüßen an den Computer: bomb, terror, thread, allah, revenge, kill, oil, bush (mog i ois ned)

technische Umsetzbarkeit....

normalerweise würde ich durchaus zu dem Personenkreis zählen, die die Umsetzbarkeit anzweifeln würden. Wenn man sich allerdings durch die App-Welt einiger Anbieter wühlt, findet man Programme wie Summly. Die Aufgabe dieser Programme liegt natürlich zunächst fern der Aufklärung, aber sie deutet an, wozu Software in der Lage ist.

Wenn ein Programm den Sinn eines Textes erfassen kann und die Essenz in lesbarer Form darzustellen in der Lage ist, das Ganze erdacht von einem damals vielleicht 15-Jährigen, und letztendlich programmiert von einem Team aus max 5 Leuten, dann sollte jedem klar werden, dass man diese Technik mit dem zehnfachen Personalaufwand und vielleicht 2-3 wirklich hellen Köpfen locker so umbauen kann, dass es die Essenz des Textes auch noch hinsichtlich seiner Gefährlichkeit bewertet und als gefährlich eingestufte Schnipsel wiederum Menschen zur Beurteilung vorlegt.

Eine entsprechende Software muss nicht einmal annähernd 100% der Texte richtig analysieren, es wäre schon mehr als ausreichend, wenn sie die zu lesende Textmengen auf 1/1000-tel reduziert (also nicht pro Text sondern über alle Texte), und dabei vielleicht 10-30% aller "gefährlichen" Unterhaltungen enthalten sind. Selbst diese Quote wäre besser als 0%, die man bei fehlender Überwachung hätte.

Bleibt bloß zu hoffen, dass niemand die Macht der drei Säulen derart einschränken will, dass er seine erlangte Macht gegen jedweden Widerstand durchsetzen kann.

Ihre frommen Wünsche in Gottes Ohr!

Der letzte Satz des postings hört sich unglaublich naiv an.
Obwohl es schon längst sotware gibt, die den Inhalt von Texten auf 100 od 200 Wörter komprimiert und dabei den Sinn beibehält, braucht sich das FBI nicht mal die Mühe zu machen.

Es reicht, wenn jemand ein paar Mal Allahu akbar oder subhanallah tippt, und er ist am Haken.

Die US-Justiz schickt bekanntlich "Verdächtige" (ohne Anklage und ohne Prozeß) auch schon mal ins Foltergefängnis Guantanamo.

Nicht mal Bin Laden bekam einen Prozeß. Sie entschieden sich fürs Abknallen.
Angeblich war er zu gefährlich - obwohl er einen Stock zum Gehen brauchte, seit Jahren so nierenkrank war, daß er an der Dialyse hing, und bei einer Körpergröße von 1,90m nur noch 50 Kg auf die Waage brachte.