Abnahme der Daumenabdrücke für einen britischen Ausweis © Christopher Furlong/Getty Images

In Deutschland bekommt nur einen Reisepass, wer dem Staat ein sogenanntes biometrisches Foto und zwei Fingerabdrücke überlässt. Michael Schwarz findet, dass vor allem die letztere Vorgabe gegen die Menschenrechte und gegen die Europäische Charta der Grundrechte  verstößt. Der Bochumer Anwalt klagt seit vielen Jahren gegen dieses europaweite Gebot, am heutigen Mittwoch wurde sein Fall vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg verhandelt.

Seit dem 1. November 2007 muss in Deutschland jeder den Abdruck beider Zeigefinger aufzeichnen lassen, wenn er einen Pass beantragt. Bereits seit 2005 sind sogenannte biometrische Fotos verpflichtend, bei denen die Geometrie des Gesichtes in Form von Daten auf dem Chip des Passes gespeichert wird. Und das gilt inzwischen auch für den Personalausweis. Seit Jahren wird über das Thema Biometrie debattiert. Spätestens seit der Chaos Computer Club (CCC) 2008 den Zeigefingerabdruck von Innenminister Wolfgang Schäuble veröffentlichte, gibt es Diskussionen darüber, wie sinnvoll und wie gefährlich biometrische Ausweise sind. Für Kritiker wie den CCC sind sie vor allem gefährlich.

An Schäubles Beispiel zeigte der Club, wie leicht sich fremde Fingerabdrücke kopieren und fälschen lassen. Er belegte, dass Fingerabdrücke nicht mehr Sicherheit bieten, wie von Befürwortern behauptet. Gleichzeitig, so eine weitere Kritik, sind biometrische Merkmale nicht ersetzbar. Wenn ein Fingerabdruck kopiert und missbraucht wurde, ist dieser Fingerabdruck für künftige Ausweise wertlos. Es bleiben dann zwar noch neun andere, im schlimmsten Fall aber irgendwann keiner mehr.

Was, wenn Fingerabdrücke kopiert werden?

Dazu kommt das Risiko, das jede große Datensammlung birgt: Sie kann verloren gehen. Wenn viele technische Systeme digital gespeicherten Fingerabdrücken vertrauen, dann werden sie zu einem begehrten Gut für Kriminelle. Werden die entsprechenden Daten auch noch zentral gespeichert, wird es Versuche geben, diese Datenbank zu knacken und zu kopieren.

Die Europäische Union hingegen findet biometrische Daten sinnvoll, um die "Sicherheit von Reisedokumenten" zu erhöhen und eine "verlässlichere Verbindung zwischen dem Inhaber und dem Pass" herzustellen, wie es in der entsprechenden Verordnung 2252/2004 heißt. Die EU hält biometrische Daten sogar für so wichtig, dass sogar von Kindern Fingerabdrücke genommen werden, obwohl sich deren biometrische Merkmale noch verändern können.

Diese Verordnung möchte Schwarz gern außer Kraft gesetzt sehen. "Ich finde es unzumutbar, mich mit Daten auszuweisen, in denen ich mich selbst nicht erkennen kann", sagt er. Bei einem Foto könne jeder selbst überprüfen, ob es das eigene Gesicht zeigt oder ein fremdes. Bei Fingerabdrücken ist das schon schwieriger. Noch dazu, wenn sie auf dem Chip des Ausweises digital gespeichert sind und für den Inhaber des Passes nicht zugänglich.

Wie groß seine Chancen dafür sind, ist nach der Verhandlung nicht absehbar. Zur Sprache kamen dabei vor allem zwei Aspekte. Zum einen eben die Technik biometrischer Daten. Werden Pässe durch Biometrie so viel sicherer, dass es gerechtfertigt ist, dafür in die Grundrechte-Charta einzugreifen? Vertreter der Bundesregierung und der EU sind davon überzeugt. Der Kläger nicht. Als Beistand in der Verhandlung hatte er Constanze Kurz berufen, eine der Sprecherinnen eben jenes Chaos Computer Clubs.