Während sich Google derzeit alle Mühe gibt, Google Glass als cooles, spaßiges und sogar modisches  Accessoire zu positionieren, formiert sich unter Datenschutzbewussten ein gewisser Widerstand gegen die Datenbrille. Kritisiert wird vor allem die Möglichkeit, mit Glass andere Menschen zu fotografieren oder zu filmen, ohne dass diese es merken.

Ausgelöst hat die Debatte der Computerwissenschaftler, Berater und Blogger Mark Hurst. Vor zwei Wochen veröffentlichte er einen langen Blogbeitrag, in dem er sich beklagte, dass niemand die denkbare heimliche Überwachung beachte. Er geht davon aus, dass früher oder später alle Videos, die mit Glass aufgenommen wurden, auf den Servern des Unternehmens landen, wo Google sie für seine Zwecke mit anderen Daten verknüpfen und auswerten oder auch an staatliche Stellen aushändigen könnte. 

Einige Medien und Journalisten  haben seine Gedanken bereits aufgenommen, darunter der Guardian, Martin Weigert von netzwertig.com  und Lorenz Matzat in einem Beitrag für netzpolitik.org. Ein Kneipenbesitzer in Seattle hat sogar schon angekündigt, seinen Gästen das Tragen der Google-Brille zu untersagen, um die Privatsphäre der anderen Anwesenden zu schützen. Es war zwar ein PR-Gag, aber einer mit ernst gemeintem Hintergrund.

Fakt ist: Die Behauptung von Mark Hurst, dass bislang niemand über das Datenschutzproblem von Glass geredet habe, ist falsch. Noch bevor das Projekt offiziell verkündet wurde, schrieb die New York Times: "Intern hat das Google-Team aktiv über die Privatsphären-Thematik diskutiert. Das Unternehmen will sicherstellen, dass die Menschen wissen, ob sie gerade mit der Kamera der Brille aufgenommen werden."

Fakt ist aber auch: Bislang hat Google den Diskussionen keine Taten folgen lassen. Joshua Topolsky vom Technik-Blog The Verge durfte Glass bereits ausprobieren. Er schreibt, nur wer direkt in die Linse sehe, könne am Licht im Prisma erkennen, dass die Kamera läuft. 

Rein rechtlich hat Google nichts zu befürchten. Das Menschenrecht auf Privatsphäre, hierzulande abgeleitet aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht samt dem spezielleren Recht am eigenen Bild gilt unabhängig von irgendeiner Technik. Das heimliche Aufnehmen von anderen Menschen in Bild und Ton ist demnach insbesondere dann untersagt, wenn die Aufnahmen veröffentlicht werden. Ausnahmen bestehen nur bei öffentlichen Versammlungen oder wenn Menschen im Hintergrund eines Bildes als Beiwerk auftauchen.  

Das weiß auch Google. Immerhin hat das Unternehmen bei seiner Videoplattform YouTube ein Werkzeug installiert, das in hochgeladenen Filmen automatisch Gesichter unkenntlich macht.

Auch die Geschichte spricht für Googles Ansatz, zunächst nicht über die denkbare Bedrohung der Privatsphäre zu sprechen. Als die ersten Handyfotos verkauft wurden, gab es die ganze Debatte schon einmal. Sie gipfelte in Gesetzesvorschlägen wie dem des US-Kongressabgeordneten Pete King. Der wollte im Jahr 2009 erreichen, dass Fotohandys immer ein vernehmbares Tonsignal von sich geben, wenn mit ihnen ein Bild gemacht wird. Der Vorschlag verschwand wie alle anderen schnell wieder in der Versenkung.