Videoüberwachung : Apple will alles sehen

In Apple Stores werden Kunden und Mitarbeiter von Kameras beobachtet. Datenschützer haben erreicht, dass die Überwachung zumindest nicht mehr gegen Gesetze verstößt.
Wachmann in einem Apple-Store in China © PETER PARKS/AFP/Getty Images

Es geht in dieser Geschichte um Apple. Nicht um die Computer des amerikanischen Unternehmens, sondern um die hellen, transparenten Läden, in denen es weltweit seine Produkte anbietet. Denn die Angestellten dort haben es offenbar nicht so gut wie die iPhones und die Kunden.

Die Angestellten der Apple Retail GmbH, die die Läden betreibt, verdienen im Vergleich zu anderen Handelsketten schlecht. Der Lärmpegel und der Stress in den Läden sind hoch, genauso wie der Druck, Überstunden zu machen. Vor allem aber werden die Mitarbeiter auf Schritt und Tritt überwacht.

Transparenz wird bei Apple ernst genommen. Keine Nischen, keine dunklen Ecken, riesige Fenster – die Läden sollen von außen komplett einsehbar sein. Sie sind es auch von innen. Jeder Bereich der Apple-Stores wird mit Videokameras beobachtet. Ausgenommen sind nur die Toiletten.

Wegen dieser umfassenden Videoüberwachung ist der Konzern mit deutschen Datenschützern aneinander geraten. Viele Monate prüften sie die Apple-Stores, forderten Belege und drohten mit Klagen. Es geht dabei um zwei Vorwürfe.

Warnschilder nur "in Dackelhöhe"

Wenn Kameras im Laden die Kunden beobachten, müssen nach deutschem Recht gut sichtbar Schilder aufgehängt werden, die darüber informieren. Heimliches Überwachen ist verboten. Apple weigerte sich lange, diese Schilder gut sichtbar zu platzieren. Sie verstießen gegen das Designkonzept der Shops, war die Antwort, die die Datenschützer erhielten. Es gab zwar Schilder, aber sie waren eher "in Dackelhöhe" angebracht, wie Bernd Groh sagt, der beim hessischen Datenschutzbeauftragten für Videoüberwachung zuständig ist.

Kai Biermann

Kai Biermann ist Redakteur im Team Investigativ/Daten bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Frankfurt ist der Sitz von Apple Retail, deshalb sind die hessischen Datenschützer für den Fall zuständig und damit für alle Filialen in Deutschland. Groh und seine Kollegen blieben hart, verlangten andere Schilder in Augenhöhe. Es dauerte, bis Apple sich beugte. Inzwischen ist der Streit beigelegt. Zwar sind die Aufkleber transparent und nicht wie sonst üblich blau unterlegt, aber sie sind nach Meinung der Datenschutzbehörden nun groß genug und einigermaßen gut sichtbar angebracht. "Sie sind auf eine Höhe angehoben worden, die uns ausreichend erscheint", sagt Groh. Es ist eher die Augenhöhe von Kindern, aber immerhin.

Es gab noch einen zweiten Vorwurf. "Im Genius-Raum [in dem die Techniker arbeiten, Anm. d. Red] war eine Kuppel an der Decke mit einer Videokamera, eine zweite war über dem Eingangsweg zum Managerraum, die konnte auch die Spinde überblicken, wo die Mitarbeiter sich umziehen. Auch der Managerraum selbst wurde überwacht." Das sagte ein früherer Apple-Mitarbeiter ZEIT ONLINE. Sein Name ist der Redaktion bekannt, er möchte aber anonym bleiben.

Bei einer Begehung der Hamburger Filiale fanden Datenschützer im Frühjahr 2012 tatsächlich eine Kamera in einem Pausenraum. Auch in Frankfurt soll eine gehangen haben. Beide waren nach Aussage von Apple nicht mehr aktiv. Doch auch durch Attrappen können sich Menschen beobachtet fühlen. Sie seien daher inzwischen entfernt worden, sagt Groh.

"Das ist weltweit Praxis in Retail Stores"

Schon in seiner Zeit bei Apple hatte sich der anonym bleiben wollende Mitarbeiter über die Videokameras beschwert. Zuerst im Unternehmen selbst. Ein internes Memo eines Treffens der Retailpartner Italiens, der Schweiz und Deutschlands aus dem Jahr 2009 belegt, dass die Videoüberwachung kurz Thema war. Auf die Frage, ob es legal sei, dass in Deutschland der Mitarbeiterbereich (Back Office) durch Kameras überwacht werde, war die Antwort Apples an seine Mitarbeiter: "Ja." Man habe sich bei der deutschen Niederlassung erkundigt, die habe versichert, es sei legal. Im Übrigen sei es "in line with Apples Retail's practice in all stores globally", also international in allen Appleläden so üblich.

Doch so einfach ist das mit der Videoüberwachung hierzulande nicht. Zwar dürfen Arbeitgeber filmen, um ihre Interessen zu schützen. Aber ohne konkreten Verdacht darf niemand bei seiner Arbeit die ganze Zeit im Fokus einer Kamera sitzen. Dem Mitarbeiter, der sich durch die Kameras überwacht fühlte, genügte die Antwort Apples daher nicht. Er wandte er sich an Datenschützer und schließlich an die Presse. Über den anonymen Briefkasten von ZEIT ONLINE schickte er Dokumente an die Redaktion, die belegen, dass Apple seine Mitarbeiter filmt.

Auch in diesem Punkt hat Apple sich nun bewegt, sagt Datenschützer Groh. Er und seine Kollegen haben sich die Bilder angeschaut, die die Videokameras in allen deutschen Läden machen. "Apple hat nachgebessert, wir haben keine Aufnahmen gefunden, die datenschutzrechtlich zu beanstanden wären", sagt Groh.

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