GeodatenBewegungsprofile sind individueller als gedacht

Anonymisierte Standortdaten sind unter Umständen weniger anonym als gedacht: Forscher können Smartphone-Besitzer anhand ihrer Bewegungsprofile problemlos wiedererkennen.

Nur weil eine Datenbank keine Namen enthält, sind die darin aufgeführten Menschen noch lange nicht anonym. Das jedenfalls sagen Forscher vom Massachussetts Institute of Technology und der Harvard University.

Sie haben anonymisierte Nutzungsdaten von Smartphone-Besitzern untersucht und daraus Bewegungsprofile erstellt. Diese Bewegungsmuster, stellten die Forscher fest, sind so individuell, dass Individuen sehr einfach wiederzuerkennen sind. Was sie damit beschreiben, ist der erste Schritt zur De-Anonymisierung.

Anzeige

In der Studie, die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde, haben die Wissenschaftler die anonymisierten Daten aus den Jahren 2006 und 2007 eines europäischen Mobilfunkanbieters untersucht. Anonymisiert heißt: Aufgezeichnet wurden nur, in welche Funkzelle ein Kunde bei einem Anruf oder dem Versenden von SMS eingebucht war. Namen enthielt die Datenbank nicht. Den Forschern lagen die Daten von 1,5 Millionen Kunden aus einem Zeitraum von 15 Monaten vor. Im Schnitt waren es 114 Datenpunkte pro Nutzer und Monat – also 114 Kombinationen aus Standort und Zeitpunkt.

Diese Daten haben die Wissenschaftler als Bewegungsmuster der Testpersonen dargestellt. Dabei fanden sie heraus, dass das Profil einer Person X über den Beobachtungszeitraum von 15 Monaten eindeutig aus der Masse der 1,5 Millionen Kunden heraussticht. Die 1,5 Millionen Profile waren so einzigartig, dass vier willkürlich ausgewählte Datenpunkte aus einem Profil ausreichten, um 95 Prozent der Nutzer wiederzuerkennen. Zwei Informationspunkte reichten noch aus, um die Hälfte der Bewegungsmuster einer Person X zuzuordnen.

Klicken Sie auf das Bild, um zur interaktiven Karte zu gelangen

Klicken Sie auf das Bild, um zur interaktiven Karte zu gelangen

Um auch die Namen der Smartphone-Besitzer herauszufinden und das Bewegungsprofil somit einer realen Person zuzuordnen, bedarf es allerdings des Abgleichs mit einer zweiten Datenbank. Das könnten soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter sein, denn die dort veröffentlichten Fotos enthalten in der Regel auch Daten zu Ort und Zeitpunkt der Aufnahme. Eine De-Anonymisierung wäre entsprechend aufwendig.

Wie viel Geodaten in Verbindung mit frei im Netz verfügbaren Informationen über eine Person verraten können, zeigt die Visualisierung der Daten des Grünen Politikters Malte Spitz, die ZEIT ONLINE vor zwei Jahren veröffentlichte.

 
Leser-Kommentare
  1. Das Thema ist doch leider völlig uninteressant. Welcher Mensch interessiert sich schon für Data Mining? Die meisten wissen doch überhaupt nicht, wie das System funktioniert. Die denken: "Boah geil, eine neue App mit und glauben, irgendwelche netten Start-Up-Geeks hätten was aus halber Gemeinnützigkeit erfunden!

    Das dahinter nur ein Gedanke steht ("Wie bekommen wir es hin, dass wir möglichst viele Daten von Menschen erhalten?") und die App nur das trojanische Pferd ist, will doch niemand wahrhaben. Gilt im übrigen auch für Internetseiten wie Zeit Online, wo in dieser Sekunde acht verschiedene Tracker "anonymisierte Daten" von meinem Browser abgreifen wollen.

    Wer an "Überwachung" denkt, der denkt an den Staat - genauer Ermittlungsbehörden. Dabei ist diese die harmloseste aller Optionen.

    Was ich meine?

    Der Fingerabdruck des Browsers ist einzigartig und wahnsinnig interessant. Deshalb schnüffeln im Auftrag von Zeit Online gerade verschiedene Firmen auf Eurem Computer rum. Diese Daten werden gesammelt und in Profile gepackt. Anhand von Cookies, einmaligen IDs, Konstellationen von Favoriten und Verläufen (u.v.m.) ist jeder von uns Einzigartig und unsere Aktivitäten daher - auch ohne Anmeldung auf irgendwelchen Websitres - wiederkehrend identifizierbar.

    Beispiel: Auf Google suchst Du nach Glivec, weil das Krebsmedikament gerade in den Medien thematisiert wird. Diese Anfrage wird gespeichert und in ein Profil ...

    12 Leser-Empfehlungen
  2. ... gepackt. Das passiert immer, wenn etwas gesucht wird, ein Link angeklickt wird usw. Man nennt dies Data Mining. Innerhalb weniger Tage wächst so ein Profil zu einer Größe heran, die atemberaubend ist. Es dauert oft nicht lange, bis die zahlosen Tracker-Provider die Profile realen Namen zuordnen können (Standortübermittlung, wie wir gerade gelernt haben ;) , aber auch Klarnamen-Anmeldungen, Lieferadressen vom Pizza-Service usw.).

    Diese Profile kann man kaufen. Jeder kann die Profile kaufen. Es gibt einen Milliardenmarkt für Daten von Privatpersonen. Alle Daten, die so wahnsinnig "unwichtig" sind, dass es uns egal ist, was damit passiert.

    Bis die Bank mal einen Kredit ablehnt, weil Sie nach einem Krebsmedikament gegoogelt haben und Ihre prognostizierte Bonität auf E herabfällt.

    Bis eine Regierung geputscht wird und Ihre Aktivitäten aus der Vergangenheit rückwirkend für illegal erklärt werden.

    Bis jemand Ihre Identität stiehlt und sie Jahre brauchen, um Ihr Leben zu beruhigen.

    Bis es Sie um den Schlaf bringt, weil Sie verstanden haben: Apple, Amazon, Google usw. sind nicht nett und hipp, sondern Sie entwickeln Süchte, Begehrlichkeiten und Verlangen, einzig um an Ihre Lebensgewohnheiten, Präferenzen und Erkrankungen verkaufen zu können.

    14 Leser-Empfehlungen
  3. 3. Ach ja

    ZON: Könnt Ihr mal eine Edit-Funktion einbauen? Irgendwie leide ich an Teilzeit-Legasthenie, wenn mein Puls steigt.

    13 Leser-Empfehlungen
    • Muhme
    • 01.04.2013 um 17:59 Uhr

    Deswegen ist mir das alles gleichgültig. Sollen die doch meine Daten speichern, wie ich tagtäglich zur Arbeit fahre, wann ich wo einkaufe, mit wem ich welche Informationen austausche. Alle Behörden geben sowieso meine Daten ständig munter weiter. Mein Konto ist meistens leer und meine Dateien auf diversen Geräten mit Speicherkapazität sind weder geheim noch gefährlich. Im Grunde bin ich ein normaler Mensch, der stets das Gesetz befolgt, der offen und ehrlich ist und somit nichts zu befürchten hat.

    ----
    Argumente der Masse. Don Quijote lässt grüßen.

    2 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... aber mit einem Synonym posten. Haben Sie schon Ihre Klotür ausgehängt und Ihren Gehaltsbrief bei Rewe an der Kunden-Wand angepinnt?

    Rechtsschaffender Bürger, wie nett. Als wenn sich Behörden für Ihre Daten interessieren würden. Es ist die Werbe, Versicherungs- und Dienstleistungswirtschaft, die Ihnen den Magen umdreht. All die, die von Intimen Kenntnissen über Sie profitieren könnten.

    ... aber mit einem Synonym posten. Haben Sie schon Ihre Klotür ausgehängt und Ihren Gehaltsbrief bei Rewe an der Kunden-Wand angepinnt?

    Rechtsschaffender Bürger, wie nett. Als wenn sich Behörden für Ihre Daten interessieren würden. Es ist die Werbe, Versicherungs- und Dienstleistungswirtschaft, die Ihnen den Magen umdreht. All die, die von Intimen Kenntnissen über Sie profitieren könnten.

  4. ... aber mit einem Synonym posten. Haben Sie schon Ihre Klotür ausgehängt und Ihren Gehaltsbrief bei Rewe an der Kunden-Wand angepinnt?

    Rechtsschaffender Bürger, wie nett. Als wenn sich Behörden für Ihre Daten interessieren würden. Es ist die Werbe, Versicherungs- und Dienstleistungswirtschaft, die Ihnen den Magen umdreht. All die, die von Intimen Kenntnissen über Sie profitieren könnten.

    4 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    verkaufen doch Adressenlisten an die Werbebranche...

    • Muhme
    • 01.04.2013 um 18:50 Uhr

    Und wer könnten diese Windmühlen sein?

    Manchmal ist nicht immer alles so deutlich formuliert, dass man darin direkt eine Meinung erkennen würde. Lesen Sie erneut. Dann wird Ihnen auffallen, dass meine Klotür da ist wo sie hingehört.

    verkaufen doch Adressenlisten an die Werbebranche...

    • Muhme
    • 01.04.2013 um 18:50 Uhr

    Und wer könnten diese Windmühlen sein?

    Manchmal ist nicht immer alles so deutlich formuliert, dass man darin direkt eine Meinung erkennen würde. Lesen Sie erneut. Dann wird Ihnen auffallen, dass meine Klotür da ist wo sie hingehört.

  5. Diese Funktion habe ich auch öfters vermisst, alles nochmal schreiben...
    Mit Tracking habe ich wohl keine Probleme da ich eine schwedische Version von Firefox verwende. Da greifen die deutschen Spionprogramme nicht, oder es liegt am Panda?

  6. verkaufen doch Adressenlisten an die Werbebranche...

    3 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... zum Webbrowser wissen Behörden vergleichsweise NICHTS über EUch.

    ... zum Webbrowser wissen Behörden vergleichsweise NICHTS über EUch.

  7. diese Individualität.

    Ich kann Bilder, auf denen was zu sehen ist, von dem ich gar nicht genau sagen kann was da eigentlich zu sehen ist, bestimmten Malern zuordnen.
    Bin ich "Forscher wider Willen" ?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, jam
  • Kommentare 29
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Datenschutz | Mobilfunk | Datensicherheit
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service