Big Brother AwardsAnti-Awards für Google, Apple und den Rundfunkbeitrag

Die Big Brother Awards sind ein Negativpreis, verliehen für Spitzeleien und Überwacher. Den bekommen in diesem Jahr US-Firmen, aber auch die Post und die Bundespolizei. von 

Google ist Gewinner des Big Brother Awards 2013. Das Überraschende daran: Es ist das erste Mal, dass Google diesen Negativpreis für Datenkraken bekommt, und das im zwölften Jahr seiner Verleihung.

Mit dem Big Brother Award zeichnet der Verein digitalcourage, ehemals FoeBuD, Unternehmen, Behörden und Einzelpersonen für besonders dreiste Missachtung des Datenschutzes und der Privatsphäre aus. Dazu veranstaltet der Verein jedes Jahr eine Gala in Bielefeld.

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Google bekommt den Award in der Kategorie Globales Datensammeln. In der Begründung von digitalcourage heißt es: "Unter dem Deckmantel einer Suchmaschine und anderen Gratis-Diensten wie Maps, Docs und YouTube sammelt der Werbekonzern Google auf Schritt und Tritt Echtzeit-Daten über alles und jeden und kategorisiert Menschen für seinen Werbeprofit." Google missachte europäisches Recht und nutze seine marktbeherrschende Stellung, "um die technokratische Ideologie eines allwissenden Supercomputers voranzutreiben", der besser wisse, was Menschen wollen als sie selbst.

Die beiden Netzkünstler und Datenschutzaktivisten Rena Tangens und padeluun von digitalcourage forderten in ihrer Laudatio nicht weniger als die Zerschlagung des Konzerns.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Google ist in diesem Jahr nicht das einzige große US-Unternehmen, das ausgezeichnet wird. Auch Apple bekommt einen Preis, und zwar in der Kategorie "Arbeitswelt". Es ist der zweite Big Brother Award für Apple, verliehen wird er dem Unternehmen in diesem Jahr für "die umfassende Videoüberwachung von Beschäftigten".

Zwar hat sich die Situation in den deutschen Apple Stores mittlerweile verbessert, wie die zuständigen hessischen Datenschützer dem Unternehmen jüngst bescheinigten: "Apple hat nachgebessert, wir haben keine Aufnahmen gefunden, die datenschutzrechtlich zu beanstanden wären". Auch Kunden werden mittlerweile ein wenig deutlicher auf die Videoüberwachung der Läden hingewiesen als früher. Doch Apple wehrte sich monatelang gegen diese Maßnahmen und hat den Big Brother Award nach Ansicht von digitalcourage deshalb durchaus verdient.

Kontroll- und Fahndungsraster

Bereits zum dritten Mal "geehrt" wird die Deutsche Post – und zwar wie schon 2002 für ihren Umgang mit Kundenadressen beziehungsweise den Handel damit. Rechtsanwalt Sönke Hilbrans von der Deutschen Vereinigung für Datenschutz sagte in seiner Laudatio: "Es ist die Direktmarketing-Abteilung der gelben Post, die sich rühmt, 19 Millionen Gebäude, 34 Millionen Haushalte und circa eine Milliarde sonstiger Zusatzdaten erfasst zu haben, sich der Ortskenntnisse von 80.000 Zustellerinnen und Zustellern bedienen zu können und so eine Datenbank zu füttern, welche über Altersstruktur, Familienformen, Kaufkraft, Gebäudedaten, Konsumvorlieben und das Verhalten im Versandhandel exzellent Bescheid weiß."

Die Bundespolizei bekommt den Big Brother Award in der Kategorie Behörden, und zwar für die Praxis des "racial profiling", bei dem Menschen einzig wegen ihrer Hautfarbe oder anderer äußerlicher Merkmale von der Polizei überprüft werden. Rechtsanwalt und Bürgerrechtsaktivist Rolf Gössner erinnerte in seiner Laudatio an beschämende Fälle aus der Vergangenheit. Ein Award sei gerechtfertigt, denn hier gehe es "um ein rechtspolitisches, ein menschenrechtliches Problem mit unmittelbaren diskriminierenden Auswirkungen auf die informationelle Selbstbestimmung von Menschen, die aus rassistischen Gründen in ein polizeiliches Kontroll- oder Fahndungsraster geraten."

Leserkommentare
  1. - bis auf eine kleine Sache, nämlich dass die GEZ erst ab 2015 mit privaten Quellen ergänzen dürfen soll.

    Dass Leute mit dem Namen ihrer Katze an Gewinnspielen teilgenommen haben und diese daraufhin Post von der Gebühreneinzugszentrale bekommen hat, ist doch schon vor 10 Jahren vorgekommen.

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  2. Was ist eigentlich aus der Klage gegen die GEZ-Steuer geworden? Ist das ganze noch am laufen?

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  3. Sie Stellen minderwertige Produkte her, die [...] vergöttert werden. Die Firma steckt darüber Hinaus Unsummen in Marketing, erzielt immense Gewinne mit ihren Blenderprodukten, aber die Mitarbeiter und die Leute welche die eigentliche Arbeit machen werden ausspioniert und ausgebeutet. Die Berichterstattung für ein herkömmliches Elektronikunternehmen ist auch sehr merkwürdig. Es wird in vielen bedeutenden Onlineportalen eine massive Schleichwerbung für diese Marke betrieben.

    Gekürzt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

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    Sorry aber das ist nun wirklich Quatsch! Weder stellt Apple minderwertige Produkte her noch werden die Mitarbeiter ausgebeutet. Und Markenfans hast du überall! Sei es Apple, Microsoft, Google, Levi's, Samsung, etc.

    Klar gibt Apple viel Geld für Marketing aus, tun andere Firmen aber genauso! Apple gibt genauso Unmengen an Geld für Forschung, Entwicklung, Design sowie Benutzerfreundlichkeit aus.

    • minhen
    • 13. April 2013 13:46 Uhr

    Es sind wohl kaum Apple-Nutzer, die mit religiösem Eifer in ausnahmslos jeder Kommentarspalte im Internet eingebildete gegnerische Firmen bekämpfen. Ihr ganzer Beitrag ist ein Sammelsurium aus Mythen, die jeglicher Grundlage entbehren. Um nur einen Mythos herauszugreifen: Die Unsummen, die Apple angeblich für Marketing ausgibt. In der Realität gibt Microsoft und sogar HP mehr für Marketing aus. Und niemand gibt so viel für Marketing aus wie Samsung (http://www.asymco.com/wp-content/uploads/2012/11/Screen-Shot-2012-11-29-...). Auch die Berichterstattung über Apple ist kein guter Ersatz, da besonders in letzter Zeit primär negativ. Trotzdem hält sich unter leidenschaftlichen Apple-Hassern der Mythos, dass Apple wegen Unsummen für Marketing erfolgreich sei. Aber Realität und Religion geht ohnehin nie gut zusammen ;)

    (Quelle für die Marketingausgaben: http://www.asymco.com/2012/11/29/the-cost-of-selling-galaxies/)

  4. Da gab es einen Fall, wo das OL-Gericht untersagt hat, Menschen anderer hautfarbe ohne konkreten Verdachtsmoment durchsuchen zu können.

    Zuweilen wird man von der Polizei aber auch schon schief angesehen, wenn man irgendwie links aussieht. Ich kenne da jemanden, in schwarzer Gruftiemontur, und die Polizei denkt immer, er habe Rauschgift (Hashisch) dabei. Das ist diskriminierend.

    Ich selbst wurde auch schon öfters zu Fuß unterwegs von der Polizei schief angesehen, weil ich mich auffällig verhielt. Zb mein Fahrrad abgestellt und zu Fuß weiter gegangen und dabei etwas nervös wirkend (ich war zum Sozialamt unterwegs und fürchtete den Termin nicht mehr zu schaffen weil ich einen Platten hatte).

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  5. Die Polizei hatte mich bei der Geschichte mit dem Fahrrad übrigens angehalten und Personalien kontrolliert.

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    ...dein Freund und Blockwart.

    Sicher sind das immer individuelle Entscheidungen einzelner Polizisten, aber ich sehe trotzdem die Behördenleiter und Minister in der Pflicht, allen Bediensteten und Beamten mal ein paar Weiterbildungskurse in Sachen Demokratie und Bürgerrechte - oh, ach stimmt ja.

    Das war nicht zufällig in München?

  6. ...dein Freund und Blockwart.

    Sicher sind das immer individuelle Entscheidungen einzelner Polizisten, aber ich sehe trotzdem die Behördenleiter und Minister in der Pflicht, allen Bediensteten und Beamten mal ein paar Weiterbildungskurse in Sachen Demokratie und Bürgerrechte - oh, ach stimmt ja.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "ps Ergänzung"
  7. Sorry aber das ist nun wirklich Quatsch! Weder stellt Apple minderwertige Produkte her noch werden die Mitarbeiter ausgebeutet. Und Markenfans hast du überall! Sei es Apple, Microsoft, Google, Levi's, Samsung, etc.

    Klar gibt Apple viel Geld für Marketing aus, tun andere Firmen aber genauso! Apple gibt genauso Unmengen an Geld für Forschung, Entwicklung, Design sowie Benutzerfreundlichkeit aus.

    6 Leserempfehlungen
  8. 8. [...]

    Eigentlich sollte man auf solche unqualifizierten rundum Apple Basher nicht Antworten, ich tue es aber doch. Ich benutze im Büro Wintel, zu Hause Apple, kenne also beide Welten. Zudem habe ich lange Zeit im IT Bereich gearbeitet, ich denke also dass ich keinem Lager zuzurechnen bin.

    Meine Wahl: Apple. Die Liste der Gründe ist lang.
    [...]

    Gekürzt. Der Kommentar, auf den Sie sich beziehen, wurde gekürzt. Die Redaktion/ls

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