Digitales ErbeGoogle trifft Vorkehrungen für den Todesfall

Wer verfügt nach dem Tod über das digitale Erbe? Was soll mit den Daten passieren? Google bietet für dieses Problem nun eine Lösung an.

Screenshot des Google-Kontoaktivität-Managers

Screenshot des Google-Kontoaktivität-Managers  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Angehörige stehen nach dem Tod eines Menschen mittlerweile häufig vor dem Problem: Die Daten des Toten stehen weiterhin online, etwa bei Twitter, Facebook oder Google+. Doch keiner kennt die Passwörter, keiner kann über das digitale Erbe verfügen. Bislang bieten nur wenige Unternehmen eine Lösung für dieses Problem an. In den USA boomt deswegen der Beruf des digitalen Bestatters: Anbieter wie AssetLock, Deathswitch und Legacy Locker kümmern sich um die digitale Beisetzung.

Google wiederum hat nun seine eigene Lösung entwickelt. Das US-Unternehmen bietet ab sofort die Funktion des sogenannten Kontoaktivität-Managers an. Zu finden ist dieser unter den Einstellungen des Google-Kontos. Mit seiner Hilfe kann jeder Einzelne darüber verfügen, was mit den E-Mails dort und den Daten in anderen Google-Produkten passieren soll, wenn das Konto inaktiv werden sollte.

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Eine Möglichkeit ist, die Daten nach einem festgelegten Zeitraum von drei, sechs, neun oder zwölf Monaten automatisch löschen zu lassen. Oder das System übermittelt stattdessen die Login-Daten für Google-Dienste an bestimmte Vertrauenspersonen des Nutzers. Google will nach eigenen Angaben dem Kontoinhaber aber zuerst eine SMS schicken, bevor es im Fall längerer Inaktivität etwas unternimmt.

Zur Palette von Google-Diensten, für die der Kontoaktivität-Manager eingesetzt werden kann, gehören unter anderem der Mail-Dienst Gmail, die Netz-Festplatte Google Drive, der Foto-Service Picasa und das Onlinenetzwerk Google+.

Unterschiedliche Onlinedienste haben verschiedene Regelungen für den Umgang mit Todesfällen. Facebook bietet zum Beispiel die Möglichkeit, eine Seite als virtuelles Denkmal weiterzubetreiben.

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Leserkommentare
  1. Ich habe gerade aktuell das Problem, sogar MIT Passwort.

    Ich kann Konten meines verstorbenen Vaters nicht löschen, da der Anbieter von mir Unterlagen über die Sterbeurkunde hinaus verlangt, die es wegen der persönlichen Umstände nicht gibt.

    Dem Missbrauch dieser Konten ist daher Tür und Tor geöffnet, weil ich nicht kontinuierlich prüfen kann, ob die Konten gekapert wurden und in diesem Falle auch nicht mehr dran komme.

    Vielleicht brauchen wir auch eine Art digitales Erbrecht?
    Die Anbieter stricken sich das derzeit nämlich selbst zusammen, jeder anders natürlich.

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  2. Wenn jemand möchte, dass wichtige Daten und Accounts in diesem Fall von jemand anders verwaltet werden können, kann auch auf andere Art und Weise Vorsorge dafür treffen, oder eben auch nicht, dazu benötigt man Google, Facebook & Co. nicht. Möglicherweise will der Verstorbene gar nicht, dass nach dem Tode jemand auf diese Daten zugreift, diese Möglichkeit ist überhaupt nicht abgedeckt. Deshalb sollte es idealerweise lediglich das Recht geben, sofern niemand über Zugangsdaten verfügt, den Account zu löschen, wenn der Todesfall nachgewiesen wird.

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    Wenn der verstorbene solche Wünsche hat, kann er die formulieren, ansonsten gilt das Erbrecht, nachdem die Erben sehr wohl Zugriff auf die Daten haben dürfen, so wie auf alle anderen Dokumente, die im Besitz des verstorbenen waren.
    Da ist digital und analog kein Unterschied.

    Derzeit ist das Problem, dass die meisten eben keine Vorsorge treffen, weil sie gar nicht so weit denken, auch wenn sie völlig ausgefeilte Testamente zu Wege bringen.
    Und die Erben sind dann den Spielereien der Anbieter ausgesetzt, denn die lassen sich, sofern nicht in Deutschland ansässig, durch das deutsche Erbrecht zu Garnichts bewegen. Dieses Problem ist den Verstorbenen zu Lebzeiten meist nicht mal ansatzweise bewusst.

    Und jeder aktive Zugang im Internet, der nicht aktiv genutzt wird, ist ein Sicherheitsrisiko, da er jederzeit Hackern in die Hände fallen kann, ohne dass es jemand merkt. Abgesehen davon, dass sichtbare Daten (Facebook und Co) weiterhin jedem frei zur Verfügung stehen, was die Erben eben eventuell nicht wollen.

  3. 3. Wunsch

    Wenn der verstorbene solche Wünsche hat, kann er die formulieren, ansonsten gilt das Erbrecht, nachdem die Erben sehr wohl Zugriff auf die Daten haben dürfen, so wie auf alle anderen Dokumente, die im Besitz des verstorbenen waren.
    Da ist digital und analog kein Unterschied.

    Derzeit ist das Problem, dass die meisten eben keine Vorsorge treffen, weil sie gar nicht so weit denken, auch wenn sie völlig ausgefeilte Testamente zu Wege bringen.
    Und die Erben sind dann den Spielereien der Anbieter ausgesetzt, denn die lassen sich, sofern nicht in Deutschland ansässig, durch das deutsche Erbrecht zu Garnichts bewegen. Dieses Problem ist den Verstorbenen zu Lebzeiten meist nicht mal ansatzweise bewusst.

    Und jeder aktive Zugang im Internet, der nicht aktiv genutzt wird, ist ein Sicherheitsrisiko, da er jederzeit Hackern in die Hände fallen kann, ohne dass es jemand merkt. Abgesehen davon, dass sichtbare Daten (Facebook und Co) weiterhin jedem frei zur Verfügung stehen, was die Erben eben eventuell nicht wollen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, sk
  • Schlagworte Google | Denkmal | Einstellung | Erbe | Facebook | SMS
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