Datenschützer in sechs europäischen Ländern gehen gegen den Internetkonzern Google wegen seines Umgangs mit Nutzerinformationen vor. Die zuständigen Stellen in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien und den Niederlanden leiteten Untersuchungen zu den Unternehmenspraktiken ein, teilte die federführende französische Datenschutzbehörde CNIL mit.

Die Behörden stören sich vor allem an den seit einem Jahr geltenden Datenschutzbestimmungen des Konzerns, wonach Google Nutzerdaten aus unterschiedlichen Diensten wie dem Videoportal YouTube und dem Maildienst GMail gesammelt auswerten darf. Vor diesem Hintergrund hatten die Datenschutzbeauftragten zuvor bereits repressive Maßnahmen angedroht. Die Rede war nun zunächst von weiteren Untersuchungen nach dem jeweiligen nationalen Recht.

Nach Angaben der CNIL in Paris reagieren die nationalen Datenschützer damit auf ausbleibende Änderungen bei Google. Sollten sich ihre Bedenken bestätigen, könnten die einzelnen Staaten Sanktionen aussprechen, sagte der Hamburger Beauftragte für den Datenschutz, Johannes Caspar. In Deutschland wäre das beispielsweise ein Bußgeld. Caspar ist in der Bundesrepublik für das Verfahren zuständig.

Die Datenschützer halten es nicht für akzeptabel, dass ein übergreifendes Profil der Nutzer ohne deren Einwilligung oder Widerspruchsrecht erstellt wird. Für den Nutzer sei nicht klar, wozu die Daten verarbeitet würden, sagte Caspar. Auch Art und Dauer der Speicherung von Daten stehen in der Kritik.

Google teilte dagegen mit, die Verknüpfungen erlaubten dem Unternehmen, neue Dienste für seine Kunden zu entwickeln. "Wir haben uns diesbezüglich mit allen involvierten Datenschutzbeauftragten kooperativ gezeigt und werden das auch in Zukunft tun", sagte eine Sprecherin.

Google hatte laut CNIL eine viermonatige Frist ohne wesentliche Änderungen verstreichen lassen. Auch nach einem Treffen von Google-Vertretern mit Datenschützern der sechs Länder vor zwei Wochen seien keine Veränderungen bemerkt worden.