Xbox One : Big Brother im Wohnzimmer

Die Xbox One beobachtet über die Bewegungssteuerung Kinect bis zu sechs Spieler. Wer lacht, wer schläft, wer spielt was? Die Daten könnte sie auch an Microsoft senden.
Ein Besucher der Microsoft-PR-Show fotografiert die neue Xbox, die ihrerseits Nutzer beobachten kann. © GLENN CHAPMAN/AFP/Getty Images

Mit der Xbox One hat Microsoft deutlich mehr als eine simple Daddelkiste vorgestellt: Bei dem Gerät handelt es sich um ein System, das eng mit sozialen Netzwerken verknüpft ist und nebenbei mit Kinect beobachtet, was im Wohnzimmer los ist. 

Nach derzeitigem Wissensstand läuft die Xbox One nur, wenn auch die Kinect angeschlossen und aktiviert ist. Das bedeutet: Selbst im Standby-Modus lauscht das Gerät immer ins Wohnzimmer hinein, um auf den Sprachbefehl zur Aktivierung zu warten.

Wenn Xbox One und Kinect dann laufen, kann das System einiges an persönlichen Daten erfassen: Es kann die Menschen vor der Kinect-Linse zuverlässig unterscheiden und sogar erkennen, ob die Personen einen gut gelaunten Gesichtsausdruck haben oder nicht und womit sie sich beschäftigen, also welches Spiel sie spielen oder welches Fernsehprogramm sie wie aufmerksam verfolgen. Die neue Kinect kann laut Microsoft bis zu sechs Personen gleichzeitig beobachten. 



Angeblich laufen die meisten dieser Vorgänge nur auf dem Gerät selbst ab, also nicht auf den Servern von Microsoft – was verständlich ist, weil laut Hersteller pro Sekunde rund zwei Gigabit an Video- und Audiodaten anfallen.

Bislang lässt sich nur hoffen, dass Microsoft noch im Detail erklärt, welche Daten gesammelt und weitergeleitet werden. Völlig unklar ist auch, wie das System vor Zugriffen durch Dritte gesichert ist, die etwa versuchen, per Hack in die Zimmer von Minderjährigen zu blicken. 



Interessant in diesem Zusammenhang: Im November 2012 hatte Microsoft einen Patentantrag eingereicht. Der beschreibt die Idee, per Kamera- und Sensortechnik das Einhalten von Lizenz- und Jugendschutzbestimmungen sicherzustellen. Was im Zweifel bedeuten könnte, dass das Gerät bei illegal kopierter Software Alarm schlägt – falls die irgendwie auf der Xbox One lauffähig sein sollte. Oder dass sie den Betrieb eines altersbeschränkten Programms stoppt, sobald eine minderjährige Person das Wohnzimmer betritt. Diese Szenarien sind derzeit nicht sehr wahrscheinlich, aber sie sind vorstellbar.

Wahrscheinlich hingegen ist, dass Microsoft über die Kinect versucht, exakte Daten für die Werbeindustrie zu erfassen. Zumal sich diese dank der Einbindung des Gerätes in soziale Netzwerke mit anderen Daten verknüpfen lassen, etwa mit denen von Facebook.

Hier kommt der Datenschutz ins Spiel: Wahrscheinlich darf Microsoft Daten etwa über die Verwendung von Spielen oder Games erfassen, aber nicht über das Verhalten der Nutzer. Es wird spannend zu sehen, ob der Konzern dabei für ausreichend Transparenz sorgt.

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Kommentare

39 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Die Leute machen soviel Blödsinn freiwillig...

...da ist die XBOXone wirklich nur ein Tropfen auf dem heissen Stein.

Ich glaube aber nicht das die Idee hinter der XBOXone erfolgreich sein wird, weil mein PC alles kann was die Konsole verspricht und das auch noch besser.
Der Hauptgrund sich eine Konsole zu kaufen bleibt immer noch die Spiele die es dafür gibt und wenn MS es da verhaut wirds auch mit der XBOXone nichts.
Mal sehen was die PS4 wirklich bringt. Wenn die sich daran erinnern das Konsolen zu allererst zum spielen gedacht sind gewinnen sie diese Runde des Console Wars.

Gesellschaftlicher Zwang

"Gruselig wird es, wie bereits geschrieben, wenn ein gesellschaftlicher Zwang zur Selbstentblößung ausgeübt wird."

Eben. Manchmal höre ich, wenn es z.B. um fragwürdige soziale Normen verbreitende TV-Sendungen geht, das Argument: Aber Du musst das doch nicht anschauen! Muss ich natürlich nicht, aber ich habe spätestens dann auch ein Problem, wenn diese Entwicklung dazu geführt hat, dass diese Normen allgemeine Gültigkeit haben, und ich laufend Menschen begegne, die so denken und handeln. Deshalb funktioniert die "Geht mich nichts an"-Haltung nur begrenzt.