Xbox OneBig Brother im Wohnzimmer

Die Xbox One beobachtet über die Bewegungssteuerung Kinect bis zu sechs Spieler. Wer lacht, wer schläft, wer spielt was? Die Daten könnte sie auch an Microsoft senden. von Peter Steinlechner

Ein Besucher der Microsoft-PR-Show fotografiert die neue Xbox, die ihrerseits Nutzer beobachten kann.

Ein Besucher der Microsoft-PR-Show fotografiert die neue Xbox, die ihrerseits Nutzer beobachten kann.  |  © GLENN CHAPMAN/AFP/Getty Images

Mit der Xbox One hat Microsoft deutlich mehr als eine simple Daddelkiste vorgestellt: Bei dem Gerät handelt es sich um ein System, das eng mit sozialen Netzwerken verknüpft ist und nebenbei mit Kinect beobachtet, was im Wohnzimmer los ist. 

Nach derzeitigem Wissensstand läuft die Xbox One nur, wenn auch die Kinect angeschlossen und aktiviert ist. Das bedeutet: Selbst im Standby-Modus lauscht das Gerät immer ins Wohnzimmer hinein, um auf den Sprachbefehl zur Aktivierung zu warten.

Wenn Xbox One und Kinect dann laufen, kann das System einiges an persönlichen Daten erfassen: Es kann die Menschen vor der Kinect-Linse zuverlässig unterscheiden und sogar erkennen, ob die Personen einen gut gelaunten Gesichtsausdruck haben oder nicht und womit sie sich beschäftigen, also welches Spiel sie spielen oder welches Fernsehprogramm sie wie aufmerksam verfolgen. Die neue Kinect kann laut Microsoft bis zu sechs Personen gleichzeitig beobachten. 



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Angeblich laufen die meisten dieser Vorgänge nur auf dem Gerät selbst ab, also nicht auf den Servern von Microsoft – was verständlich ist, weil laut Hersteller pro Sekunde rund zwei Gigabit an Video- und Audiodaten anfallen.

Bislang lässt sich nur hoffen, dass Microsoft noch im Detail erklärt, welche Daten gesammelt und weitergeleitet werden. Völlig unklar ist auch, wie das System vor Zugriffen durch Dritte gesichert ist, die etwa versuchen, per Hack in die Zimmer von Minderjährigen zu blicken. 



Interessant in diesem Zusammenhang: Im November 2012 hatte Microsoft einen Patentantrag eingereicht. Der beschreibt die Idee, per Kamera- und Sensortechnik das Einhalten von Lizenz- und Jugendschutzbestimmungen sicherzustellen. Was im Zweifel bedeuten könnte, dass das Gerät bei illegal kopierter Software Alarm schlägt – falls die irgendwie auf der Xbox One lauffähig sein sollte. Oder dass sie den Betrieb eines altersbeschränkten Programms stoppt, sobald eine minderjährige Person das Wohnzimmer betritt. Diese Szenarien sind derzeit nicht sehr wahrscheinlich, aber sie sind vorstellbar.

Wahrscheinlich hingegen ist, dass Microsoft über die Kinect versucht, exakte Daten für die Werbeindustrie zu erfassen. Zumal sich diese dank der Einbindung des Gerätes in soziale Netzwerke mit anderen Daten verknüpfen lassen, etwa mit denen von Facebook.

Hier kommt der Datenschutz ins Spiel: Wahrscheinlich darf Microsoft Daten etwa über die Verwendung von Spielen oder Games erfassen, aber nicht über das Verhalten der Nutzer. Es wird spannend zu sehen, ob der Konzern dabei für ausreichend Transparenz sorgt.

Leserkommentare
  1. 1. Stasi

    Viel Spaß mit dem Spion im Haus. Da wird Mielkes Traum posthum noch wahr, und die Leute tun es auch noch FREIWILLIG!

    5 Leserempfehlungen
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    ...da ist die XBOXone wirklich nur ein Tropfen auf dem heissen Stein.

    Ich glaube aber nicht das die Idee hinter der XBOXone erfolgreich sein wird, weil mein PC alles kann was die Konsole verspricht und das auch noch besser.
    Der Hauptgrund sich eine Konsole zu kaufen bleibt immer noch die Spiele die es dafür gibt und wenn MS es da verhaut wirds auch mit der XBOXone nichts.
    Mal sehen was die PS4 wirklich bringt. Wenn die sich daran erinnern das Konsolen zu allererst zum spielen gedacht sind gewinnen sie diese Runde des Console Wars.

  2. ...da ist die XBOXone wirklich nur ein Tropfen auf dem heissen Stein.

    Ich glaube aber nicht das die Idee hinter der XBOXone erfolgreich sein wird, weil mein PC alles kann was die Konsole verspricht und das auch noch besser.
    Der Hauptgrund sich eine Konsole zu kaufen bleibt immer noch die Spiele die es dafür gibt und wenn MS es da verhaut wirds auch mit der XBOXone nichts.
    Mal sehen was die PS4 wirklich bringt. Wenn die sich daran erinnern das Konsolen zu allererst zum spielen gedacht sind gewinnen sie diese Runde des Console Wars.

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    Antwort auf "Stasi"
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    Und die, die es nicht freiwillig tun, werden einem subtilen Zwang ausgesetzt. Schauen Sie sich doch einfach die Morgenmagazine oder Diskussionsforen in den öffentlich-rechtlichen Medien an. Ohne Preisgabe Ihrer persönlichen Daten an private Datenkraken (Facebook, Twitter) werden Sie von solchen Angeboten regelrecht ausgesperrt.

    Ich möchte gar nicht zuendedenken, was passiert, wenn grundsätzlich gesellschaftliche Diskussionen nur noch über private Kommunikationskanäle möglich sind.

  3. Was waren das doch für verschrobene Leutchen die gegen die Volkszählung 1987 wegen "Datenschutz" bis vor das Verfassungsgericht gingen.

    Ob deren Kinder sich heute eine solche Konsole zulegen?

    Nennt man das dann einen "Treppenwitz"?

    3 Leserempfehlungen
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    ... ein Expressliftwitz.

    • malox
    • 23. Mai 2013 14:45 Uhr

    Nein, die selben Leute sind heute selbstverständlich bei Facebook angemeldet, twittern sich durch die Landschaft, vernetzen ihre Android-Konto lustig mit alledem und nutzen Evernote, weil es ach-so-praktisch ist.

    Da ist so eine XBox für deren Kinder noch harmlos...

  4. da brauch ich auch kein dummes Kinect. Aber selbst wenn ich das haben wollen würde, dann ließe sich selbst das über Umwege nutzen.
    Mein HTPC ist für mich Medienplayer, Konsole (wobei sich hier im Bereich Modding & Co. deutliche Vorteile ergeben), Arbeitsgerät (wobei ich da doch den Laptop bevorzuge zugegebenermaßen), Kommunikationsplattform.
    Dazu steht er nicht einmal in meinem Wohnzimmer/Heimkino (seine Lautstärke ist also im Gegensatz zu so manchem Staubsauger unter den Konsolen gleich null und nimmt obendrein keinen Platz weg) und käuft komplett über die Steuerung meiner wireless Logitech-Peripherie.
    Wenn ich ein oder mehrere Gamepadw brauche, nutze ich die Wireless XBox 360-Pads.
    Sollten aktuelle Spiele mal nicht mehr in Full HD, maximalen Details und sontigem Grafik-Schnickschnack laufen, lässt er sich für moderate Kosten wieder auf den annähernd neuesten Stand der Technik bringen.

    Gegen dieses Rundumpaket wird niemals eine Konsole anstinken können.

    2 Leserempfehlungen
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    Oh mann, nach solch kindischem "Ätsch, mein System ist aber besser als deins!"-Fanboy-Geplärre kann man wirklich die Uhr stellen, sobald es irgendwo um Spielekonsolen geht. Ich kann's echt nicht mehr hören...

    Zum Thema: Das hier beschriebene BigBrother-Szenario einer dauerhaften Überwachung durch Kinect wird doch höchstens diejenigen betreffen, welche die Kamera dauerhaft (d.h. nicht nur zum Spielen) eingeschaltet haben. Das halte ich für nicht sehr realistisch.

  5. Und die, die es nicht freiwillig tun, werden einem subtilen Zwang ausgesetzt. Schauen Sie sich doch einfach die Morgenmagazine oder Diskussionsforen in den öffentlich-rechtlichen Medien an. Ohne Preisgabe Ihrer persönlichen Daten an private Datenkraken (Facebook, Twitter) werden Sie von solchen Angeboten regelrecht ausgesperrt.

    Ich möchte gar nicht zuendedenken, was passiert, wenn grundsätzlich gesellschaftliche Diskussionen nur noch über private Kommunikationskanäle möglich sind.

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    ...ist die Kamera im Haus eigentlich der "normalste" Schritt der Welt.
    Ich gehe davon aus das MS Spieler Dank patentierte Face Recognition in Spiele integrieren wird. Der Spieler wird eine Figur in FIFA14 oder Call of Duty oder....
    Was spielt der evt. Verlust der Privatssphere da für eine Rolle :-)

    Aber vielleicht überrascht uns MS ja und hält sich an den Datenschutz.
    Könnte ja sein...

  6. Oh mann, nach solch kindischem "Ätsch, mein System ist aber besser als deins!"-Fanboy-Geplärre kann man wirklich die Uhr stellen, sobald es irgendwo um Spielekonsolen geht. Ich kann's echt nicht mehr hören...

    Zum Thema: Das hier beschriebene BigBrother-Szenario einer dauerhaften Überwachung durch Kinect wird doch höchstens diejenigen betreffen, welche die Kamera dauerhaft (d.h. nicht nur zum Spielen) eingeschaltet haben. Das halte ich für nicht sehr realistisch.

    4 Leserempfehlungen
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    die Vorzüge des PCs aufzuzeigen, die er nun einmal immer allen Konsolen voraushaben wird. Und wo glauben Sie wohl habe ich meine XBox Gamepads her? Zufällig besitze ich auch eine XBox 360. Die One werd ich mir jedoch sicher nicht holen.

    Zum Thema: Das hier beschriebene BigBrother-Szenario einer dauerhaften Überwachung durch Kinect wird doch höchstens diejenigen betreffen, welche die Kamera dauerhaft (d.h. nicht nur zum Spielen) eingeschaltet haben. Das halte ich für nicht sehr realistisch.
    Leider ist das sehr wohl realistisch, denn wie bereits im Artikel steht: Sie können die Kamera nicht einfach abklemmen, wie das bei der Xbox 360 beispielsweise war - ohne angeschlossenes Kinect verweigert Xbox One schlicht den Dienst.

    Wobei ich skeptisch bin, ob Microsoft das letztlich tatsächlich durchziehen wird. Anders als für den zwar verhassten, aber aus Sicht Microsofts irgendwo nachvollziehbaren Online-Zwang gibt es für einen strengen Kinect-Zwang keine klar nachvollziehbaren Gründe. Da so vielen potentiellen Käufern die Idee einer Kamera-/Mikrofon-Kombination unheimlich ist, die völlig unter Microsoft-Kontrolle steht und mindestens täglich mit deren Servern nicht nachvollziehbare Informationen austauscht, müsste es schon sehr gute Gründe für Microsoft geben, dieses unbeliebte "Feature" zu erzwingen.

    • b4w3f
    • 22. Mai 2013 21:20 Uhr

    Das Mikrofon ist übrigens immer an! Das muss sein, um die Box per Sprachsteuerung mit dem Befehl "Xbox - Go on" einzuschalten. Aber wahrnehmen muss die Konsole alles an Wörter, wie sonst soll sie den Befehl "Xbox" wahrnehmen.

    "Zum Thema: Das hier beschriebene BigBrother-Szenario einer dauerhaften Überwachung durch Kinect wird doch höchstens diejenigen betreffen, welche die Kamera dauerhaft (d.h. nicht nur zum Spielen) eingeschaltet haben."
    ------------------
    Sie glauben tatsächlich, das liegt in Ihrer Hand, ob die Kamera eingeschaltet ist, oder nicht?

    Die Kamera kann man zur Not sicher auch ferngesteuert einschalten, Paranoia ist leider im Zusammenhang mit unseren modernen Geräten ab und an doch angebracht.

  7. ...ist die Kamera im Haus eigentlich der "normalste" Schritt der Welt.
    Ich gehe davon aus das MS Spieler Dank patentierte Face Recognition in Spiele integrieren wird. Der Spieler wird eine Figur in FIFA14 oder Call of Duty oder....
    Was spielt der evt. Verlust der Privatssphere da für eine Rolle :-)

    Aber vielleicht überrascht uns MS ja und hält sich an den Datenschutz.
    Könnte ja sein...

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    Antwort auf "Leider haben Sie recht"
  8. die Vorzüge des PCs aufzuzeigen, die er nun einmal immer allen Konsolen voraushaben wird. Und wo glauben Sie wohl habe ich meine XBox Gamepads her? Zufällig besitze ich auch eine XBox 360. Die One werd ich mir jedoch sicher nicht holen.

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