Der Informant der US-Überwachungsaffäre sucht weltweit Asyl. Der 29-jährige Techniker Edward Snowden bittet um Aufnahme "in jedem Land, das an Redefreiheit glaubt und dagegen eintritt, die weltweite Privatsphäre zu opfern", sagte er der Washington Post

Snowden hatte sich am Sonntag selbst enttarnt und preisgegeben, dass er geheime Informationen über die umfangreiche Internet-Überwachung der US-Geheimdienste an Medien weitergegeben hat. Er ist ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter, der zuletzt beim Abhördienst NSA im Einsatz war. Er wolle mit dem Geheimnisverrat die ausufernde Überwachung öffentlich machen, sagte Snowden dem britischen Guardian. Snowden war vor rund drei Wochen mit geheimen NSA-Dokumenten nach Hongkong geflohen.

In Washington forderten Politiker eine Auslieferung Snowdens. Der Republikaner Peter King, Mitglied im Geheimdienstausschuss des Abgeordnetenhauses, verlangte, erste Schritte für eine Überstellung in die USA einzuleiten. Er rief außerdem zu einer "Strafverfolgung mit der vollen Härte des Gesetzes" auf, sollten die anlaufenden Ermittlungen Snowden als Informanten bestätigen.

Reale Möglichkeit einer Auslieferung

Der Washington Post zufolge besteht die reale Möglichkeit einer Auslieferung. Hongkong ist ein halbautonomes Territorium Chinas. Es gebe zwar kein Auslieferungsabkommen mit China, jedoch hätten die USA seit 1998 eines mit Hongkong, schrieb die Zeitung. Ein Verfahren könne allerdings Monate oder Jahre dauern.

Das Weiße Haus lehnte zunächst eine Stellungnahme ab. Eine Sprecherin des nationalen Geheimdienstdirektors James Clapper verwies Fragen zu Snowden an das Justizministerium, das Ermittlungen eingeleitet habe. Es werde zurzeit untersucht, welcher Schaden durch die Enthüllungen entstanden sei, sagte die Sprecherin weiter.

Die US-Regierung hatte erst wenige Stunden vor Veröffentlichung der Interviews eine ausufernde Daten-Sammlung mit Hilfe eines speziellen Programms bestritten. "Prism ist kein geheimes Programm zum Sammeln oder Aufsaugen von Daten", sagte Clapper. "Es ist ein internes Computersystem der Regierung." Es diene dazu, das gesetzlich erlaubte Sammeln von Informationen bei der Auslandsaufklärung zu unterstützen.

"Infrastruktur, um fast alles abzufangen"

Snowden machte klar, dass er sich der Konsequenzen seines Handelns bewusst sei. Er gehe davon aus, dass er nie wieder mit seiner Familie oder seinen Freunden Kontakt aufnehmen könne. Seine Hoffnung sei derzeit, dass ihn Hongkong nicht ausliefern werde, auch wenn ihm das Risiko einer Gefängnisstrafe von Anfang an klar gewesen sei. "Ich glaube nicht, dass ich mein Zuhause jemals wiedersehen werde."

Snowden war nach eigenen Angaben die vergangenen vier Jahre als Mitarbeiter externer Unternehmen bei der NSA tätig. Nach den von ihm enthüllten Dokumenten sammelt der US-Geheimdienst in großem Stil Daten bei Internet-Diensten wie Google, Facebook, Microsoft, Apple und Yahoo.

"Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich mache und sage, aufgenommen wird", sagte Snowden. Er zeichnete eine noch größere Dimension der Datensammlung, als die von ihm enthüllten Dokumente andeuten: "Die NSA hat eine Infrastruktur aufgebaut, die ihr erlaubt, fast alles abzufangen." Damit werde der Großteil der menschlichen Kommunikation automatisch aufgesaugt. "Wenn ich in ihre E-Mails oder in das Telefon ihrer Frau hineinsehen wollte, müsste ich nur die abgefangenen Daten aufrufen. Ich kann ihre E-Mails, Passwörter, Gesprächsdaten, Kreditkarten-Informationen bekommen."