Der Enthüller britischer und US-amerikanischer Internetspionage, Edward Snowden, hat Asyl in Ecuador beantragt. Das twitterte der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patiño. Zunächst hielt sich Snowden im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf; die Enthüllungsplattform WikiLeaks teilte am Sonntagabend mit, dass sich Snowden bereits auf dem Weg nach Ecudaor befände.

Über Snowdens Ziel hatte es zunächst mehrere Spekulationen gegeben. Interfax berichtete, Snowden wolle weiter in die kubanische Hauptstadt Havanna reisen, auch der britische Guardian schrieb, dass Snowden einen Flug nach Havanna gebucht habe. Russische Medien berichteten, der US-Bürger wolle von Havanna aus weiter in die venezolanische Hauptstadt Caracas reisen und dort Asyl beantragen. Allerdings starte der nächste Linienflug der Airline nach Havanna erst am Montagnachmittag.

Ein BBC-Journalist twitterte schon zuvor, dass der Aufenthalt des ecuadorianischen Botschafters Patricio Chavez, im Flughafengebäude ein Hinweis darauf sein könnte, dass Snowden nach Ecuador fliegen möchte. Chavez sagte, er gehe davon aus, Snowden am Abend in einem Hotel in Moskau zu treffen. Dem Guardian sagte Chavez, er sei zum Flughafen gekommen, "weil wir ein Interesse haben zu wissen, was mit ihm passiert".

Das russische Außenministerium teilte mit, dass Snowdens Pläne unbekannt seien. "Wir klären die Situation. Nach einigen Angaben könnte Snowden Moskau als Transitpunkt benutzen", sagte ein Sprecher. Ohne eine offizielle Unterstützung Russlands gilt solch eine Fluchtaktion als nicht möglich. Führende Politiker und Menschenrechtler in Moskau boten dem US-Bürger Asyl an.

Am Vormittag war bekannt geworden, dass Snowden Honkong verlassen habe und auf dem Weg nach Moskau sei. Das hatte zuerst die Zeitung South China Morning Post berichtet. Die Hongkonger Regierung bestätigte das anschließend, berichtete die BBC

WikiLeaks teilte via Twitter mit, sie habe Snowden bei seiner Ausreise aus Honkong geholfen. Bei seinem Flug werde er von Rechtsexperten der Organisation begleitet. Diese sollten Snowden helfen, dass er in einem demokratischen Land politisches Asyl bekomme.

Mit dem Asylantrag in Ecuador geht Snowden den gleichen Weg wie der WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Assange sollte in Schweden vernommen werden, weil ihm vorgeworfen wird, zwei Frauen sexuell belästigt und in einem Fall vergewaltigt zu haben. Weil er fürchtet, von Schweden in die USA abgeschoben zu werden, flüchtete Assange vor einem Jahr in London in die ecuadorianische Botschaft und beantragte Asyl. Er kann aber die britische Hauptstadt bislang nicht verlassen, da die britische Regierung angekündigt hat, Assange werde verhaftet, sobald er die ecuadorianische Botschaft verlässt. In den USA ist Assange wegen Spionage und Geheimnisverrats angeklagt.

Snowden hatte die Spähprogramme Prism der USA und Tempora von Großbritannien öffentlich gemacht. Am Freitag hatte die US-Justiz ihn offiziell der Spionage beschuldigt und einen Haftbefehl ausgestellt.

Die Honkonger Regierung teilte laut dem Radiosender RTHK mit, es habe "keine rechtliche Grundlage" gegeben, Snowden an der Ausreise zu hindern. Die USA hatten zwar seine Festnahme in Hongkong beantragt. Da die vorgelegten Dokumente "nicht vollständig" die rechtlichen Anforderungen in Hongkong erfüllt hätten, seien die USA um zusätzliche Angaben gebeten worden. Bislang fehlten "ausreichende Informationen".  

Die South China Morning Post hatte zuvor unter Berufung auf Snowden berichtet, die US-Behörden zapften chinesische Mobilfunkanbieter an und hätten schon Millionen SMS-Daten gesammelt. US-Spione seien überdies ins System der renommierten Tsinghua Universität in Peking eingedrungen, über das ein Großteil der chinesischen Internetkommunikation läuft. Auch der asiatisch-pazifische Glaskabelnetzbetreiber Pacnet sei gehackt worden.