Nach Aussage von Edward Snowden, dem Enthüller des US-Überwachungsprogramms Prism, haben Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA seit 2009 Hunderte Male Computer in  Hongkong und auf dem chinesischen Festland angegriffen. Die Hongkonger Zeitung South China Morning Post veröffentlichte Teile eines Interviews mit Snowden, das am heutigen Donnerstag erscheinen soll.

Ziel der Attacken sollen eine chinesische Universität, Beamte, Unternehmen und Studenten gewesen sein. Sie hätten sich nicht gegen das Militär gerichtet, sagte Snowden. Die Informationen sind deshalb brisant, weil die US-Regierung ihrerseits China immer wieder Hackerangriffe gegen amerikanische Einrichtungen vorgeworfen hatte.

Der 29-jährige Computerexperte Snowden war in den vergangenen vier Jahren NSA-Mitarbeiter. Er hatte Zugang zu vertraulichen Dokumenten über die systematische Überwachung von Internetnutzern. Die Informationen darüber hatte Snowden an die Washington Post und den Guardian weitergegeben. Die Zeitungen berichteten über eine millionenfache Überwachung von Telefonanschlüssen und eine riesige Datensammlung über Internetkommunikation der NSA.

Die Datenspionage-Programme haben nach Ansicht von NSA-Geheimdienstchef Keith Alexander geholfen, Dutzende Terrorattacken zu verhindern. Alexander hatte vor einem Senatsausschuss ausgesagt.

Snowden sieht sich akut gefährdet. In dem Interview sagte er, er traue sich nicht, seine Familie und seine Freundin zu kontaktieren und mache sich Sorgen, dass das FBI sie unter Druck setzen könnte.

Wegen der Enthüllung geheimer Informationen muss Snowden mit Strafverfolgung in den USA rechnen. Er hatte sich im Mai über Hawaii nach Hongkong abgesetzt. Das Interview gab er an einem geheimen Ort. 

"Ich bin nicht hier, um mich der Justiz zu entziehen, sondern um Verbrechen aufzudecken", sagte Snowden. Er wolle die "Gerichte und Menschen in Hongkong" über sein Schicksal entscheiden lassen. "Ich bin weder Verräter noch Held. Ich bin ein Amerikaner."

Hongkong hat ein Auslieferungsabkommen mit den Vereinigten Staaten. Allerdings gibt es davon Ausnahmen in Fällen politischer Verfolgung. Die USA haben bisher keinen Auslieferungsantrag gestellt.