Das FBI unterhält nach eigenen Angaben die größte biometrische Datenbank der Welt. Die Fingerabdrücke von mehr als 100 Millionen Menschen sind im Integrated Automated Fingerprint Identification System (Iafis) gespeichert. Dazu Fotos, Angaben über Größe und besondere Merkmale wie Tätowierungen und Narben. Diese Informationen genügen der US-Regierung aber schon lange nicht mehr, um jemanden zu identifizieren, die Technik ist längst weiter. Daher soll die Datenbank um Stimmen, Irisfotos und vor allem um Gesichtsmuster erweitert werden.

Seit Jahren arbeitet das FBI an einer Verbesserung seines Identifizierungssystems. Die amerikanische Electronic Frontier Foundation (EFF) würde gerne wissen, wie weit die Bundespolizei dabei schon gekommen ist und wie viele Daten das FBI schon gesammelt hat. Vor allem der Punkt mit der Gesichtserkennung besorgt die Bürgerrechtler. Sie haben daher vor längerer Zeit eine Anfrage nach dem Freedom of Information Act gestellt und das FBI nun auch verklagt, um der Anfrage Nachdruck zu verleihen und mehr über das System zu erfahren.

Das neue Programm, Next Generation Identification oder NGI genannt, soll es möglich machen, ein beliebiges Foto hochzuladen, um dann in der Datenbank nach dem passenden Namen dazu zu suchen. Im Sommer 2014 soll es fertig sein. Diese Gesichtserkennung gibt es prinzipiell bereits, nicht zuletzt bei Facebook.

Ein Programm identifiziert dabei auf dem Bild spezifische Punkte: die Breite der Wangenknochen, den Abstand zwischen den Augen oder den zwischen Mund und Nasenspitze oder Mund und Kinn. Diese Informationen ergeben in der Summe ein individuelles Muster, das wie ein Fingerabdruck gespeichert und mit dem Muster von anderen Fotos verglichen werden kann.

Politische Veranstaltungen überwachen

Allerdings sind die Möglichkeiten dieser Technik sehr viel größer als bei richtigen Fingerabdrücken. Wer den Fingerabdruck eines Menschen kennt, kann ihn damit noch nicht finden, da Fingerabdruckscanner nicht flächendeckend installiert sind. Videokameras jedoch gibt es inzwischen nahezu überall. Ein solches System könnte also dazu dienen, in Echtzeit Menschen aufzuspüren – und genau das soll es auch.

Als Datenbasis dienen bei NGI die Polizeifotos von Verdächtigen genauso wie die Führerscheindatenbanken der einzelnen US-Staaten oder Überwachungsvideos von Kameras auf der Straße. Letztere sollen beispielsweise genutzt werden, um einzelne Personen in einer Menschenmenge bei politischen Veranstaltungen zu identifizieren und sie bei ähnlichen Kundgebungen wiederzufinden. Dieses Ziel jedenfalls werde in einer offiziellen FBI-Präsentation angedeutet, sagen die Bürgerrechtler.

"NGI wird zu einer enormen Ausweitung der staatlichen Datensammlung führen, sowohl für kriminelle als auch für nichtkriminelle Ermittlungen", schreibt EFF-Anwältin Jennifer Lynch in einer Erklärung zu der Klage. "Biometrische Programme sind eine erhebliche Bedrohung für die Bürgerrechte und die Privatsphäre. Die Gesichtserkennung gehört dabei zu den beunruhigendsten Entwicklungen, weil niemand verhindern kann, dass Bilder von ihm heimlich aufgenommen und gespeichert werden."