Radarkuppeln in Menwith Hill, einer Abhörstation des britischen Geheimdienstes © Christopher Furlong/Getty Images

Mit seiner neusten Enthüllung in der Zeitung Guardian hat der Whistleblower Edward Snowden die Existenz eines britischen Spionageprogramms namens Tempora öffentlich gemacht, mit dem britische Behörden wohl legal, aber ohne weitere Aufsicht internationale Kommunikationsleitungen abhören. Allein das ist beängstigend, richtig brisant aber wird die Lauschaktion durch die Zusammenarbeit der Geheimdienste verschiedener Länder. 

Der Trick selbst ist nicht neu: Wenn man einen bestimmten Telefonanschluss nicht abhören kann, hört man eben alle Telefonleitungen ab. So hatte der amerikanische Geheimdienst CIA 1954 einen 450 Meter langen Tunnel gegraben, um von West-Berlin aus unter der innerdeutschen Grenze hindurch die Telefonleitungen anzuzapfen, die vom Kommando der Roten Armee in die Sowjetunion liefen. 

Der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) macht etwas Ähnliches, hat es aber nicht mehr nötig, dazu Tunnel zu buddeln. Denn wie zum Beispiel die Submarine Cable Map anschaulich zeigt, ist die britische Insel eine der größten Drehscheiben für den internationalen Datenverkehr. Dort verlaufen viele Datenleitungen: nach Kanada, nach New York, nach Florida und durch den Ärmelkanal auch zum Rest von Europa. Wer aus Europa mit einem Dienst in den USA kommuniziert, muss mit gewisser Wahrscheinlichkeit diese Leitungen benutzen. 

Von der Südwestküste Großbritanniens aus verlaufen aber auch Verbindungen nach Ägypten und bis nach China. Oder auch nach Nigeria und Saudi-Arabien. Wer einen guten Teil der internationalen Kommunikation der Welt abhören will, ist in Großbritannien also an einem der wichtigsten Punkte der Welt.

650 Millionen Pfund

Wie The Guardian nun enthüllte, haben Briten und Amerikaner diese Gelegenheit genutzt. Laut Angaben der Zeitung hat sich die britische Regierung im Jahr 2010 die Aufrüstung der Spionage-Kapazitäten 650 Millionen Pfund kosten lassen – und das in Zeiten harter Budgeteinschnitte. Die Hälfte des Geldes ging an GCHQ. 

Im Cheltenham Processing Centre (CPC) wurden Kapazitäten aufgebaut, um das Internet mitzulesen. Dazu bekamen die 300 Datenanalysten des GCHQ und ihre 250 abgestellten Spezialisten von der amerikanischen NSA genug Speicherkapazität, um die Kommunikationsdaten bis zu 30 Tage lang aufzubewahren. In einer Zeit, in der Nutzer Gigabyte Daten versenden, sind dazu gewaltige Rechenzentren nötig.

Die Daten selbst kamen direkt aus den Glasfaserkabeln. Die Betreiberfirmen wurden von der Regierung verpflichtet, den Spionen Zugang zu den Kabeln zu gewähren und gleichzeitig darüber kein Wort zu verlieren. Der Guardian schreibt, dass der GCHQ 1.500 der 1.600 Datenleitungen anzapfen konnte, die über die Insel laufen, davon ungefähr 400 gleichzeitig. In 200 Glasfaserkabeln – jedes davon leitet zehn Gigabit Daten pro Sekunde durch – habe der Geheimdienst bis zum vergangenen Jahr Sonden installiert.