Webdienste sind zum wichtigsten Mittel meiner Kommunikation geworden. Ich schicke unzählige Daten im Klartext um den Globus: schreibe und spreche darüber, wo ich mich aufhalte, was ich denke, was mich bewegt. Ich schreibe es vielen Menschen. Nicht alles davon richte ich an die Öffentlichkeit. Manches geht nur bestimmte Leute etwas an. Doch theoretisch ist alles von jedem lesbar.

Einerseits sichert mir Artikel 12 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu, dass meine Kommunikation frei ist und nicht in sie eingegriffen wird. Andererseits wusste ich vor den Enthüllungen des Prism-Projektes, dass alle meine Kommunikationsmittel von Computern ausgewertet werden können. Je mehr ich mich damit befasse, desto mehr staune ich über Details: wer was warum erfasst und inwiefern mich das betrifft.

Wie weit gehe ich, um meine Kommunikation vor Zugriffen zu schützen? Dafür bin ich selbst verantwortlich. Ich kenne eine Reihe technischer Möglichkeiten. Doch wenn ich sie einsetze, stoße ich oft auf Unverständnis.

Freunde und Bekannte schreiben mir Mails, laden mich zu Skype-Chats ein, schreiben auf ICQ, twittern mich an. Die meisten wissen nicht, dass nicht nur ich ihre Nachricht lesen kann, sondern dass sie lange beim Netzwerkanbieter gespeichert wird.

Wenn ich ihnen etwas verschlüsselt sende, wissen diese Menschen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Bitte ich sie, eine Verschlüsselung zu nutzen, reagieren sie verwirrt.

Soll ich nun mein Recht auf Privatsphäre aufgeben – oder nicht mehr mit ihnen kommunizieren?

Damit wir uns nicht gegenseitig dazu zwingen, unser Privatleben öffentlich zu leben, brauchen wir mehr Bildung in digitaler Kommunikation. Sonst begeben wir uns unwissend in die Totalüberwachung.