Zehn Jahre lang hat der US-Geheimdienst NSA im großen Stil sogenannte Metadaten aus dem internationalen E-Mail-Verkehr gesammelt und analysiert. Das Programm endete erst 2011, als US-Präsident Barack Obama bereits seit zwei Jahren im Amt war. Gänzlich beendet ist die Datensammlung aber nicht. Das geht aus Dokumenten hervor, die der britische Guardian am heutigen Donnerstag veröffentlicht hat.

Nicht alles an der Enthüllung ist wirklich neu. Dass die NSA im Rahmen des groß angelegten Überwachungsprogramms "Stellarwind" sowohl Metadaten als auch Inhalte aus E-Mails wie Telefongesprächen gesammelt und ausgewertet hat, ist bekannt. Zuletzt hatte die Washington Post ausführlich über Stellarwind und seine Teilprogramme Mainway, Marina, Nucleon und Prism berichtet.

Wie die Überwachung im Laufe der Jahre ausgebaut wurde, wie die richterliche Aufsicht zu einem alle 90 Tage vollzogenen Abnicken durch einen Richter am geheim tagenden Fisa-Gericht verkümmerte und welche Datenmengen allein bei der E-Mail-Überwachung anfallen – all das enthüllt nun aber der Guardian.

Ein Berichtsentwurf aus dem Büro des NSA-Generalinspekteurs aus dem Jahr 2009 und ein Memo aus dem US-Justizministerium von 2007 verdeutlichen demnach, wie sich die E-Mail-Überwachung seit 2001 verändert hat. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sollte die NSA zunächst nur solche E-Mails analysieren, deren Absender oder Empfänger sich nicht in den USA aufhielten oder wenn nicht klar war, ob sie US-Bürger sind. Später wurden die Befugnisse zur Überwachung ausgeweitet, die NSA durfte dann auch Metadaten aus dem E-Mail-Verkehr von US-Bürgern speichern und auswerten.    

Metadaten sind vor allem Absender, Empfänger, Zeitstempel und IP-Adressen, nicht jedoch die Betreffzeile oder der Inhalt einer Mail. Mit Metadaten lassen sich Kommunikationsmuster erkennen – also wer wann mit wem und möglicherweise von wo kommuniziert hat.

Im Jahr 2004 hatte der damalige US-Präsident George W. Bush die Massenüberwachung kurzzeitig gestoppt, weil führende Personen der Bundespolizei FBI und des Justizministeriums mit Rücktritt gedroht hatten. Sie hielten das System für illegal, weil es keinerlei richterliche Aufsicht beinhaltete. Die wurde deshalb innerhalb weniger Wochen eingeführt. Seitdem nickt ein Richter im umstrittenen, weil völlig intransparenten Fisa-Court alle 90 Tage die Sammlung der E-Mail-Metadaten ab.

Ein Sprecher der Obama-Regierung bestätigte die Existenz des Überwachungsprogramms, sagte aber, dass es im Jahr 2011 beendet wurde. Der Guardian will jedoch weitere geheime Dokumente eingesehen haben, laut denen E-Mail-Metadaten weiterhin in großem Umfang erfasst werden. So habe die NSA 2012 intern verkündet, ihre E-Mail-Überwachungskapazitäten mit einem neuen Programm erheblich ausweiten zu können. Codename dieses Programm: EvilOlive – die böse Olive.

Aus internen Berichten über ein anderes Programm namens ShellTrumpet geht laut Guardian hervor, dass die NSA innerhalb von fünf Jahren eine Billion Metadatensätze verarbeitet habe. Eine Billion (engl. trillion) – das ist eine Zahl mit zwölf Nullen. Allein die Hälfte dieser Datensätze sei im Jahr 2012 angefallen. Das ist der NSA aber offenbar noch immer nicht genug, sie will angeblich weitere Kapazitäten zur Erfassung und Analyse der E-Mail-Metadaten schaffen. 

Ein Großteil der Daten stammt laut Guardian von den britischen Partnern der NSA, dem Geheimdienst GCHQ, der im großen Stil die transatlantischen Glasfaserkabel anzapft.