Blick über die ehemalige NSA-Anlage in Bad Aibling, Bayern © Michaela Rehle/Reuters

Die Überwachung Deutschlands durch den US-amerikanischen Geheimdienst NSA ist offenbar viel umfangreicher als bislang angenommen. Das berichtet Der Spiegel unter Berufung auf geheime Dokumente der NSA, die das Magazin einsehen konnte. Demnach kontrolliere und speichere die NSA systematisch einen Großteil der Telefon- und Internetverbindungsdaten in der Bundesrepublik.

Monatlich würden rund eine halbe Milliarde Kommunikationsverbindungen überwacht, darunter seien sowohl Telefonate als auch Mails, SMS oder Chat-Beiträge. Die NSA sei in Deutschland damit so aktiv wie in keinem anderen Land der Europäischen Union. Das geht aus einer internen Statistik des Geheimdienstes hervor. Die Unterlagen bestätigten, "dass die US-Geheimdienste mit Billigung des Weißen Hauses gezielt auch die Bundesregierung ausforschen, wohl bis hinauf zur Kanzlerin", schreibt der Spiegel.

Konkret würden im Hauptquartier der Organisation die Metadaten gespeichert – also Informationen darüber, wann welcher Anschluss mit welchem Anschluss verbunden war. Die Statistik weise demnach für normale Tage bis zu 20 Millionen Telefonverbindungen und um die 10 Millionen Internetdatensätze aus. An Spitzentagen seien sogar rund 60 Millionen Telefonverbindungen von den Amerikanern ausspioniert worden, so zum Beispiel am 7. Januar 2013. Im Vergleich dazu hätte die NSA in Frankreich im gleichen Zeitraum durchschnittlich etwa zwei Millionen Verbindungsdaten pro Tag verzeichnet. 

Aus den Dokumenten gehe ebenfalls hervor, dass Deutschland für den Geheimdienst zwar als Partner gelte, zugleich aber auch als Angriffsziel klassifiziert werde. Die Bundesrepublik gehöre demnach zu den sogenannten Partnern dritter Klasse. "Wir können die Signale der meisten ausländischen Partner dritter Klasse angreifen – und tun dies auch", brüste sich die NSA in einer Präsentation, die der Spiegel eingesehen hat. 

Frankfurt als Zentrum der Spionage

Eine zentrale Rolle spiele bei der Überwachung Frankfurt, den Unterlagen zufolge sei die Stadt als Basis für Deutschland aufgelistet. Von Spionageattacken ausgenommen seien hingegen lediglich Partner der zweiten Kategorie, also Kanada, Australien, Neuseeland und Großbritannien.

Bereits am Samstag hatten Meldungen für Aufsehen gesorgt, nach denen die NSA ebenfalls gezielt die Europäische Union ausspioniert haben soll. Demnach habe der Geheimdienst die diplomatische Vertretung der EU in Washington sowie bei den Vereinten Nationen in New York mit Wanzen versehen und das interne Computernetzwerk infiltriert. Somit hätten die Amerikaner Besprechungen abhören und Dokumente sowie Mails auf den Computern lesen können. In dem NSA-Dokument würden die Europäer ausdrücklich als "Angriffsziel" benannt.