Seit Kurzem macht auf Facebook eine Fotomontage die Runde. Sie zeigt ein Menü für die Einstellungen der Privatsphäre. So weit, so normal. Die Auswahl, wer die eigenen Statusmeldungen sehen soll, ist allerdings wenig erbaulich: "Öffentlich" – "Freunde und die NSA" – "Nur ich und die NSA" – "Nur die NSA".

Der Witz zeigt: Internet-Dienste wie Facebook oder Google haben seit den Enthüllungen über das PRISM-Programm der US-Geheimdienste ein gewaltiges Imageproblem. Auch wenn Sorgen um den Datenschutz nichts Neues sind – seit bekannt ist, dass Spione der Regierung offenbar routinemäßig weltweit E-Mails, Dokumente und Informationen über den Standort abgreifen, sorgen sich Internet-Nutzer umso mehr um ihre Privatsphäre.

Für die Konzerne ist das eine gefährliche Entwicklung, schließlich verdienen sie ihr Geld damit, dass Menschen im Internet Daten austauschen. Deshalb sind nun Google, Facebook und Microsoft nach tagelanger Schreckstarre in die PR-Offensive gegangen: Am Dienstag forderten sie die US-Regierung öffentlich zu mehr Transparenz auf. Sie baten darum, alle geheimen Anfragen der Behörden nach Nutzerdaten veröffentlichen zu dürfen. Allerdings gehen die Firmen nicht auf die Vermutung ein, dass amerikanische Geheimdienste auch direkt bei Internet-Providern Daten in unbekanntem Umfang absaugen könnten.

Mit der PR-Offensive wollen die Firmen das Image der Daten-Verräter loswerden und sich vielmehr als Beschützer der Daten positionieren. Es gilt, den zentralen Vorwurf des Informanten Edward Snowden zu erschüttern, der die Existenz von PRISM enthüllt hatte: Dass die größten Internet-Konzerne den US-Geheimdiensten freiwillig und uneingeschränkt Zugang zu Nutzerdaten gewährten.

Google und andere Internetfirmen sind bislang zum Schweigen verdammt, wenn sie auf Grundlage des Auslandsspionage-Gesetzes FISA verpflichtet werden, Daten herauszugeben. Ein spezielles Gericht muss eine derartige Anfrage freigeben.

Google bittet, Anfragenzahl veröffentlichen zu dürfen

An die Spitze der Offensive setzte sich nun am Dienstag Google, indem Chefjustiziar David Drummond einen entsprechenden Bittbrief an Justizminister Eric Holder und FBI-Chef Robert Mueller ins Internet stellte. Wenn der Konzern Zahl und Umfang der Anfragen veröffentlichen dürfe, so Drummond, könne er beweisen, dass die Behauptungen in der Presse "schlicht falsch" seien. "Google hat nichts zu verbergen", schrieb Drummond.

Aber offenbar viel zu verlieren: Der Konzern habe "in den vergangenen 15 Jahren hart daran gearbeitet, das Vertrauen unserer Nutzer zu gewinnen", so der Jurist. Bereits am Wochenende hatte Firmenchef Larry Page beteuert, noch nie zuvor von PRISM gehört zu haben. Er versicherte, Google gewähre den US-Behörden "keine Hintertür".

Ein Sprecher erklärte am Dienstag außerdem, wie die Datenweitergabe technisch funktioniert. Demnach überstelle der Konzern, wenn er rechtlich dazu verpflichtet ist, die Informationen selbst – per so genanntem "File Transfer Protocol", kurz FTP. Keinesfalls sei es so, dass die Behörden direkt die Google-Server anzapften.  

Dem Google-Brief schloss sich am Dienstag auch Microsoft an. Wenn die US-Regierung mehr Transparenz zum Umfang der Daten-Anfragen erlaube, "würde dies dabei helfen, dass die Community diese wichtigen Fragen verstehen und diskutieren kann", hieß es in einer Mitteilung.