PrismWikiLeaks will Snowden nach Island ausfliegen

Edward Snowden erhält vielleicht bald die Chance, in Island Asyl zu beantragen. WikiLeaks stellt ein Charterflugzeug für den Enthüller der NSA-Bespitzelungsaffäre bereit.

Ein Plakat unterstützt den Whistleblower Edward Snowden in Hongkong.

Ein Plakat unterstützt den Whistleblower Edward Snowden in Hongkong.  |  © Bobby Yip/Reuters

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks will den nach Hongkong geflohenen Whistleblower des NSA-Internet-Überwachungsprogramms Prism, Edward Snowden, nach Island ausfliegen. Dort soll er die Möglichkeit haben, politisches Asyl zu beantragen. "Alles auf unserer Seite ist bereit, das Flugzeug könnte morgen abheben", sagte der Geschäftsmann Olafur Sigurvinsson, der mit WikiLeaks in Verbindung steht, dem isländischen Sender Channel2. "Wir haben getan, was wir können. Wir haben ein Flugzeug und die gesamte Logistik. Jetzt warten wir nur auf die Antwort der isländischen Regierung."

Snowden hatte in einem Interview mit dem britischen Guardian angekündigt, in Island Asyl beantragen zu wollen. Das Land tritt offensiv für die Freiheit des Internets ein. Die isländische Mitte-Rechts-Regierung hat informelle Kontakte zu dem 29-Jährigen bestätigt. Ob Island bereit ist, den US-Computerexperten aufzunehmen, ist aber unklar. Snowden müsste persönlich einen Asylantrag stellen. Die isländische Regierung hatte darauf verwiesen, dass das nur geht, wenn Snowden sich im Land befinde.

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Laut Sigurvinsson wird Snowden wahrscheinlich nur mit Zustimmung der Regierung nach Island ausreisen. "Es wäre dumm herzukommen, um dann in die USA ausgeliefert zu werden", sagte der Sigurvinsson. "In dem Fall wäre es besser, er bliebe, wo er ist."

240.000 Dollar an Spenden für Flugzeug

Sigurvinsson ist Chef von Datacell, einer Partnerfirma von WikiLeaks, die Spenden für die Enthüllungsplattform verwaltet. Das Flugzeug, das Snowden aus Hongkong ausfliegen soll, gehört laut Sigurvinsson einer chinesischen Firma und wurde mithilfe von Spenden für mehr als 240.000 Dollar (rund 181.000 Euro) gechartert. 

Snowden hatte der Presse Informationen über die Überwachung von Internetnutzern durch den US-Geheimdienst NSA zugespielt. Dadurch wurde die Existenz des Programms Prism aufgedeckt, durch das der Geheimdienst Nutzerdaten großer Internetkonzerne wie Google, Facebook und Microsoft auswertet. Die betroffenen Unternehmen bestreiten einen direkten Zugriff der Geheimdienste auf ihre Server. Die US-Bundespolizei FBI hat strafrechtliche Ermittlungen gegen Snowden eingeleitet. 

WikiLeaks-Gründer Julian Assange hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass die Organisation bemüht sei, für Snowden in Island politisches Asyl zu erhalten. Assange selbst flüchtete vor einem Jahr in die ecuadorianische Botschaft in London. Ihm wird vorgeworfen, in Schweden sexuelle Straftaten begangen zu haben. Der Australier befürchtet, dass er in die USA ausgeliefert werden würde, sollte er die Botschaft verlassen und nach Schweden reisen, um zu den Vorwürfen befragt zu werden. In den USA warte bereits eine versiegelte Anklageschrift auf ihn, sagte der WikiLeaks-Gründer.

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Leserkommentare
    • -lupo-
    • 21. Juni 2013 11:00 Uhr
    1. Oh je!

    Snowden, bleib wo du bist! Bei so einem Flug kann `ne Menge passieren.

    8 Leserempfehlungen
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    Medieninteresse? Ich denke nicht.

  1. Medieninteresse? Ich denke nicht.

    Antwort auf "Oh je!"
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    Bitte verzichten Sie auf die Verbreitung von Verschwörungstheorien. Danke, die Redaktion/fk.

    • -lupo-
    • 21. Juni 2013 16:20 Uhr

    Was hat das mit Medieninteresse zu tun? Medien verhindern keine Unglücke, versehentliche Abschüsse, oder zur Landung gezwungene Flugzeuge.

    Medienintereese verhindert oder beendet auch kein Guantanamo, Prism, Giftgaseinsätze in Bürgerkriegen, das einsperren von unliebsammen, angeblich gemeingefählichen Personen usw.

    Medien berichten, unabhängig oder nicht. Sonst nichts!

    Ob, und wie die Mächtigen darauf reagieren steht auf einem anderen Blatt.

  2. 3. [...]

    Bitte verzichten Sie auf die Verbreitung von Verschwörungstheorien. Danke, die Redaktion/fk.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Bei dem"
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    .
    Bitte diskutieren Sie in Kommentaren das Artikelthema. Fragen oder Kritik zur Moderation können Sie gerne an community@zeit.de richten. Danke, die Redaktion/fk.

  3. 4. [...]

    [...]
    Aber mal ernsthaft, hier lohnt eine Spende, um einen mutigen Menschen nicht allein zu lassen.

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/fk.

    9 Leserempfehlungen
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    • Acamat
    • 21. Juni 2013 22:18 Uhr

    …hab' mal grad etwas gespendet!

    • GDH
    • 21. Juni 2013 13:00 Uhr

    Ob dieses Flugzeug nun die beste Option für Herrn Snowden ist, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls ist es ein gutes Zeichen, dass sich Menschen ernsthaft darum bemühen, im Reisemöglichkeiten zu verschaffen.

    Schließlich gibt es sicher keine Linienflüge direkt von Honkong nach Island und jeder Umstieg geht mit zusätzlichen Risiken einher.

    6 Leserempfehlungen
    • Goa333
    • 21. Juni 2013 13:55 Uhr

    Jeweils drei Doppelgänger für Assange und Snowden finden und dann ein Verwirrspiel starten, das die Geheimdienste nicht mehr wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind.Im Ernst, wenn so eine Meldung kommt, dann sollte Snowden längst schon dort sein, wo immer er auch leben will und darf und wahrscheinlich ist er nur noch für seine Freundin erkennbar.

    Eine Leserempfehlung
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    ... dass ich diese Doppelgänger der Beihilfe zu allem Möglichen strafbar machen würden. Und Beihilfe wird nach US Bundesrecht kaum weniger stramm bestraft, wie die Tat selbst. Noch solchen Opferlämmern müsste vermutlich lange gesucht werden ...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, mpi
  • Schlagworte Edward Snowden | Google | Island | Microsoft | FBI | Asyl
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