AbhörtechnikBND und Bundeswehr kennen Prism seit Jahren

Berichte setzen die Regierung unter Druck: Der BND nutze dieselbe Technik, auf der Prism basiert, und die Bundeswehr wisse von der US-Spionage schon seit 2011, heißt es.

Basis der NSA in Bad Aibling

Basis der NSA in Bad Aibling  |  © Christof Stache/AFP/Getty Images

Der Bundesnachrichtendienst (BND) besitzt und nutzt dieselbe Technik, auf der auch das US-Spionageprogramm Prism beruht. Das berichtet das ARD-Magazin Fakt. Die Technik soll von dem US-Anbieter Narus über eine Tarnfirma des BND, der Gesellschaft für technische Sonderlösungen, gekauft worden sein.

Dem Bericht zufolge verfügt der BND neben der Narus-Technik auch über die Analyse-Software Polygon. Der Auslandsgeheimdienst könne sie nutzen, um große Mengen abgefangener Daten zu analysieren und auszuwerten. Zudem habe der BND Zugriff auf Programme zur Spracherkennung. Gemeinsam ergäben diese Komponenten ein deutsches Gegenstück zur amerikanischen Prism-Technik, mit der sich die Kommunikation ganzer Länder analysieren und auswerten ließe.

Anzeige

Auch die Bundeswehr kennt Prism offenbar schon seit Jahren. Spätestens seit 2011 liefern in Afghanistan stationierte Deutsche Daten für das Spähprogramm. Das berichtet die Bild unter Berufung auf einen Nato-Befehl an das Regionalkommando Nord in Afghanistan.

Bundeswehr gab Daten an die NSA weiter

Dem Papier sei zu entnehmen, dass es sich bei Prism um ein Programm zur Erfassung und Überwachung von Daten handelt. In Einzelfällen habe das Regionalkommando, das zu der Zeit unter der Führung des Generalmajors Markus Kneip stand, Daten an den US-Geheimdienst NSA weitergegeben.

Konkret handelt es sich um eine Anordnung, die am 1. September 2011 vom Hauptquartier der Nato in Kabul an alle Regionalkommandos in Afghanistan erteilt worden sei. Den Gebietszentralen werde darin erklärt, wie sie vom 15. September 2011 an die Überwachung von Telefonverbindungen und E-Mails von mutmaßlichen Terroristen im Einsatzgebiet beantragen sollten. Alle Anträge zu Überwachung müssten über das geheime Computernetzwerk der US-Geheimdienste, JWICS, an Prism gestellt werden, heißt es. Auch der BND soll solche Telefonnummern an die Nato geliefert haben, heißt es in dem Bericht.

Die Bundesregierung beteuert, von Prism erst durch Medienberichte erfahren zu haben. Kanzlerin Angela Merkel sagte der ZEIT, sie habe von dem Spionageprogramm "durch die aktuelle Berichterstattung Kenntnis genommen".

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Die sensationellen Nachrichten überschlagen sich.

    40 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...und die Nasen wachsen, wie bei Pinocchio. Sie werden täglich länger.

    Egal, wie man's dreht und wendet: diese Regierung sollte sofort zurück treten - und zwar komplett. Denn entweder

    1. haben sie es tatsächlich nicht gewusst - dann haben sie ihre Ministerien nicht im Griff. Das bedeutet: Rücktritt wegen erwiesener Unfähigkeit

    oder

    2. haben sie alles schon lange gewusst, Volk und Parlament dagegen belogen. Das bedeutet: Rücktritt wegen Lügnerei und wegen Bruchs des Amtseids.

    Frau Merkel, es wird Zeit für den Rücktritt!

  2. Eigentlich gibt es nur eine logische Konsequenz. Weg mit der aktuellen Regierung. Aber anscheinend finden die CDU-Wähler es gut von den USA und den eigenen Souveränen ausspioiert zu werden.

    Es ist ja alles zu unserem Besten. Es geht schliesslich um Terrorismusabwehr. Genau genommen müsste der Verfassungsschutz alle involvierten Personen einkerkern. Nur leider hängen die ja höchstwarscheinlich mit drin...

    Armes Deutschland

    31 Leserempfehlungen
  3. als Erfüllungsgehilfe, der BND als Mittäter und die teilweise zuständigen Politiker haben natürlich nie etwas mitbekommen, ganz besonders Kanzlerin, Verteidigungsminister und Außenminister -sowohl jetzige, als auch ehemalige.

    Könnte man Snowden nicht als Zeugen laden, der hat doch angeblich noch viel mehr Informationen? Zum Beispiel durch eine richterliche Untersuchung, gibt es überhaupt juristische Stellen, die dazu in der Lage wären? Oder gibt es da keine irgendwie zuständigen Institutionen?

    13 Leserempfehlungen
  4. Sie wissen aber schon, wie die generelle Überwachung im dritten Reich oder in der DDR begonnen hat, und vorallem was daraus geworden ist?

    Wenn Sie wirklich glauben, dass dient der Terrorabwehr, dann glauben Sie vermutlich auch, dass Frau Merkel nicht von den Spionageprogrammen wusste (oder an den Weihnachtsmann).

    39 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...wo steht den was von genereller Überwachung im Inland nach DDR-Manier ?

    Sie müssen noch einmal genauer lesen:

    „Gemeinsam ergäben diese Komponenten ein deutsches Gegenstück zur amerikanischen Prism-Technik, mit der sich die Kommunikation ganzer Länder analysieren und auswerten ließe.“

    Da steht der Konjunktiv. Wo steht daher geschrieben, dass konkret nachgewiesen oder wenigstens glaubhaft gemacht wurde, dass die Datengewinnung unzulässig gegenüber deutschen Grundrechtsträgern erfolgt ist ?

    "ein glücklicher Schwarz-Gelb-Wähler"
    ----------------
    Ihren Versuchen zu polemisieren in allen Ehren, aber in Deutschland kann man keine Koalitionen wählen

    • 29C3
    • 17. Juli 2013 10:20 Uhr

    die ganze hießige Heuchelei hoch.

    4 Leserempfehlungen
  5. Was ist nun schockierender?

    Das deutsche Geheimdienste ihren Einkauf über eine Firma abwickeln, die sie "Gesellschaft für technische Sonderlösungen" nennen,

    oder das der Nachweis der direkten Zusammenarbeit und damit der vollen Kenntnis trotz gegenteiliger Beteuerungen so "simpel" war?

    Es ist Zeit, aus der Schockstarre zu erwachen...

    9 Leserempfehlungen
  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, cwe
  • Schlagworte Nato | Bundesnachrichtendienst | Prism | Afghanistan | Berichterstattung | Bundeswehr
Service