Kuppel der ehemaligen Abhörstation der NSA auf dem Berliner Teufelsberg © Maurizio Gambarini / dpa

Anfang Juni begannen die Enthüllungen über die Überwachungspraktiken der NSA und anderer Geheimdienste. Seitdem sind viele Details ans Licht gekommen. 

Die wichtigsten Fragen und Antworten über Technik, Täter, Opfer und die mangelhafte Kontrolle:

Wie funktioniert die Überwachung?

Kurze Antwort: Über Internetknotenpunkte und Untersee-Glasfaserkabel, abgefangene Satellitenkommunikation oder einfach über die Anbieter von Telefon- und Onlinediensten kommen Geheimdienste sowohl an Verbindungsdaten als auch an Inhalte heran. Diese werden vermutlich zentral in riesigen Datenbanken erfasst und dann mithilfe von einzelnen Programmen analysiert.

Lange Antwort: Der Informant Edward Snowden hat der Washington Post und dem Guardian diverse Dokumente übergeben, aus denen Einzelheiten zum Überwachungsprogramm vor allem der NSA hervorgehen. Auch der Spiegel hat einige dieser Dokumente einsehen können. Demnach trennt die NSA ihre Telekommunikationsüberwachung mit dem Programm Stellarwind in mehrere Einzelbereiche. Für jeden gibt es ein spezielles Unterprogramm.

Das bekannteste ist Prism – hier werden Online-Telekommunikationsinhalte wie E-Mails und Chats untersucht. Betroffen sind die Nutzer der Produkte und Dienstleitungen von Google, YouTube, Facebook, Microsoft, Skype, PalTalk, AOL, Yahoo und Apple. Diese Firmen müssen dem FBI und der NSA immer dann die gewünschten Daten übergeben, wenn es einen entsprechenden Beschluss des Foreign Intelligence Surveillance Court (Fisc) gibt. Laut den Berichten des Guardian und der Washington Post hat die NSA direkten Zugriff auf die Server der Unternehmen. Die weisen diese Angaben zurück.

Prism hat vier "Brüder", sie heißen Mainway, Marina, Pinwale und Nucleon. Mainway sammelt nur Telefonverbindungsdaten. Wie das abläuft, ist ebenfalls bekannt: Der Guardian hatte einen Gerichtsbeschluss veröffentlicht, nach dem der US-Mobilfunkbetreiber Verizon verpflichtet ist, der NSA die Verkehrsdaten aller seiner Kunden zu übergeben. Der Gerichtsbeschluss gilt für drei Monate und wird nach Angaben von Senatorin Dianne Feinstein seit sieben Jahren regelmäßig erneuert. Die anderen Mobilfunkbetreiber in den USA werden ebenfalls zur Kooperation gezwungen.

Marina wiederum sammelt solche Metadaten für Internetverbindungen. Es handelt sich also um Informationen darüber, wer wem wann eine E-Mail geschickt hat, oder wer wann und wie lange online war und welche Internetseiten er dabei aufgerufen hat.

Nucleon dient dazu, Inhalte von Telefongesprächen auszuwerten. Mit Pinwale werden Videos analysiert. Details zu den einzelnen Ebenen der NSA-Programme gehen aus den von der Washington Post veröffentlichten und um eigene Anmerkungen ergänzten Folien einer internen NSA-Präsentation hervor.

Ein eigenständiges, äußerst mächtiges Werkzeug der NSA heißt XKeyscore. Es existiert mindestens seit 2008 und ist in erster Linie für die Analyse von Metadaten – also wer wann mit wem kommunizierte – gedacht. Aber auch auf Inhalte von E-Mails und Chats sollen die NSA-Analysten über XKeyscore zugreifen können, mitunter sogar in Echtzeit.

Mithilfe von Suchanfragen können sie einzelne Menschen ausspionieren, ihre Log-ins und andere Online-Aktivitäten mitverfolgen, ihre Verbindungsdaten einsehen und sogar, welche Suchworte sie bei Google und welche Orte sie bei Google Maps eingegeben haben. Sie können aber auch breit gefasste Suchen starten, etwa nach allen Menschen in Pakistan, die ihre Mails mit PGP verschlüsseln. Auf diese Weise will der Geheimdienst Verdächtige finden, von denen er vorher nichts wusste – und ihre Kommunikationsnetzwerke aufdecken, um noch mehr Verdächtige zu entdecken.

Hinter XKeyscore steckt die größten Sammlung von Kommunikationsdaten der NSA. Woher die Daten kommen, ist nur zu erahnen. Eine Quelle sind die Daten, die der britische Geheimdienst GCHQ (Government Communications Headquarters) im Rahmen des Tempora-Programms an den transatlantischen Glasfaserkabeln abschöpft, die von Großbritannien in die USA führen und den größten Teil des euroäischen Internetverkehrs beinhalten. Andere Daten sammelt die NSA selbst, zum Teil aber auch in Kooperation mit der CIA.