Amerikanische und europäische Nachrichtendienste haben ihre Zusammenarbeit nach den Anschlägen am 11. September 2001 verstärkt. Der damalige Chef des US-Geheimdienstes NSA und spätere Chef der CIA, General Michael Hayden, sagte in einem Interview mit dem ZDF am Rande des Sicherheitsforums in Aspen, Colorado, man habe Informationen gebündelt und mit den Europäern in einer Art Pool-System kooperiert. "Es gibt eine breite Zusammenarbeit zwischen befreundeten Nachrichtendiensten", sagte er weiter.

Die Kooperation sei bei einem geheimen Treffen der US-Dienste mit den Chefs der europäischen Nachrichtendienste kurz nach den Anschlägen vom 11. September vereinbart worden. "Wir waren sehr offen zu unseren Freunden", sagte Hayden in Aspen zu einem Zeitpunkt, zu dem sich in Deutschland viele Regierungs- und Oppositionspolitiker ahnungslos geben. Zu geheimen Absprachen habe man sich sogar in Deutschland getroffen, sagte Hayden. "Wir haben ihnen dargelegt, wie die Bedrohung aussah. Wir waren sehr klar darüber, was wir vorhatten in Bezug auf die Ziele, und wir baten sie um ihre Kooperation." 

Diese sei dann auch zugesagt worden – auf der Grundlage einer "politischen Anleitung", nach der man die Terrorgefahr als gemeinsame Bedrohung ansah. Die Dienste sollten "so weit wie nach bestehenden Gesetzen möglich" kooperieren. "Natürlich hatten die anderen Dienste ihre jeweils eigenen Kapazitäten und eigene Expertise", sagte Hayden. "Wir fanden einfach: Je mehr wir unsere Anstrengungen poolen, desto besser können wir unsere Länder schützen." 

Die Ausspäh- und Überwachungsprogramme des US-Geheimdienstes NSA, mit denen auch in Deutschland Daten von Telefon- und Internetnutzern gesammelt worden sein sollen, haben weltweit für Empörung gesorgt. Einzelheiten und Umfang der Ausspähung sind seit Wochen unklar. Die Bundesregierung hat in Washington Auskünfte zum Programm Prism angefordert. Die Opposition dringt auf schnelle Aufklärung.

Überraschung deutscher Politiker unglaubwürdig

Sollten Haydens Angaben zutreffen, wäre die Kooperation schon in der Zeit der rot-grünen Bundesregierung (bis 2005) ausgeweitet worden. Hayden war von 1999 bis 2005 NSA-Chef und von 2006 bis 2009 Direktor der CIA.

Hayden sagte, dass er die Überraschung deutscher Politiker über die Enthüllungen des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden für unglaubwürdig hält: "Ich bin da mal sehr respektlos, okay? Das ist wie in dieser Filmszene aus Casablanca, in der Polizeichef Renault informiert wird, dass in Rick's Café Glücksspiel stattfindet", sagte er.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die USA erneut aufgerufen, auf deutschem Boden deutsches Recht einzuhalten. Man habe den Amerikanern einen umfangreichen Fragenkatalog übermittelt und warte nun auf Antworten, sagte sie. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) forderte im ZDF, dass alle Fakten auf den Tisch müssten.

Ein geheimes US-Gericht hat die Genehmigung zum Sammeln von Telefonverbindungsdaten durch die US-Behörden inzwischen verlängert.