PrivatsphärePayPal boykottiert Anonymisierungsdienst

Der VPN-Anbieter IPredator hat Probleme, ans Geld seiner Kunden zu kommen. Liegt es an Verbindungen zu The Pirate Bay, das illegales Filesharing ermöglicht? von 

Der Anonymisierungsdienst IPredator aus Schweden hat ein Problem, das eigentlich ein finanzielles ist, aber auch ein politisches sein könnte.

Die Zahlungsdienstleister von IPredator machen Schwierigkeiten. Anders ausgedrückt: Es wird für die Nutzer zunehmend kompliziert, den Dienst zu bezahlen. Nachdem die Firma Payson vor drei Wochen die Weiterleitung von Kreditkartenzahlungen an IPredator stoppte, hat nun PayPal das Konto des schwedischen VPN-Providers gesperrt. Begründung: Fehlanzeige.

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VPN steht für Virtual Private Network. Mit einem solchen Netzwerk können Nutzer ihre IP-Adresse verschleiern, indem sie eine verschlüsselte Verbindung zum Server des VPN-Providers aufbauen, von wo aus die Anfrage nach der gewünschten Internetseite weitergeleitet wird. VPN werden zur Umgehung von Internetzensur und regionalen Zugriffsbeschränkungen – wie etwa bei YouTube – genutzt. Aber sie eignen sich auch zum Schutz der Privatsphäre im Netz und in offenen Funknetzwerken sowie als sicherer Zugangsweg von außen in ein Firmennetzwerk.

IPredator ist einst aus dem Umfeld des BitTorrent-Indizierers The Pirate Bay hervorgegangen. Bis heute existieren Verbindungen. Der legale und nützliche Anonymisierungsdienst wird womöglich in Mithaftung genommen für illegales Filesharing, das mithilfe von Pirate Bay geschieht. Immerhin könnte ein Pirate-Bay-Nutzer zur Verschleierung seiner Aktivitäten den Service von IPredator nutzen – allerdings auch einen der vielen anderen VPN-Anbieter. Warum nun ausgerechnet IPredator von PayPal und Payson ausgebremst wird, aber kein anderer VPN-Anbieter, ist unklar.  

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Peter Sunde, der sowohl The Pirate Bay als auch IPredator mitgegründet hat, hatte schon vor drei Wochen die Befürchtung geäußert, IPredator solle finanziell ausgetrocknet oder zumindest geschwächt werden, damit es für den normalen Bürger schwieriger werde, seine Spuren im Netz zu verwischen und den so den Geheimdiensten die Überwachung zu erschweren. 

Nun sagte Sunde, ein größerer europäischer Zahlungsdienstleister habe IPredator mitgeteilt, es gebe eine schwarze Liste von Diensten, an die keine Kreditkartenzahlungen weitergeleitet werden dürften. IPredator stehe auf dieser Liste. 

Die Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa haben die Existenz einer solchen Liste verneint. Außerdem weisen sie Anschuldigungen, man habe Payson unter Druck gesetzt, zurück

Die anderen Beteiligten schweigen. Payson hat sich auf wiederholte Anfrage von ZEIT ONLINE nicht geäußert.

Gleichzeitig ist es weiterhin möglich, IPredator via Payson zu bezahlen, allerdings muss man dazu einer Partnerbank das Geld erst überweisen. Ausgeschlossen sind nur Kreditkartenzahlungen.

PayPal will Fragen von ZEIT ONLINE zu den Gründen für die Kontosperrung spätestens kommenden Montag beantworten. Auf eine Anfrage von Spiegel Online hatte PayPal zuvor lediglich mit dem Verweis auf eine Liste von 30 verbotenen Aktivitäten reagiert, die zu einer Sperrung des PayPal-Kontos führen können.

IPredator hat auf Anfragen von ZEIT ONLINE ebenfalls noch nicht reagiert. Es ist also durchaus möglich, dass es der VPN-Provider selbst ist, der irgendeinen Fehler gemacht hat.

Update: Am 1. August hat IPredator mitgeteilt, dass PayPal das Konto wieder freigegeben hat.

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Leserkommentare
  1. Und da beschweren sich manche über Facebook.

    Zahlungsdienstleister, de sich erlauben, außerhalb von strafrechtlichen Feststellungen selbst über Rechtmäßigkeit von Zahlungen zu entscheiden, sind eine Gefahr für jedes Wirtschaftssystem.
    Da droht echte Zensur über wirtschaftlichen Druck.

    Speziell PayPal ist nun schon so oft durch sein eigenmächtiges und arrogantes Verhalten aufgefallen, dass man meiner Meinung nach guten Gewissen nur davon abraten kann, wenn man keine unbedingte Notwendigkeit dafür hat.

    22 Leserempfehlungen
  2. ...für den stellt Paypal ohnehin kein geeignetes Zahlungsmittel dar. Dennoch ist es schon ein starkes Stück, dass Finanzdienste sich Urteile darüber anmaßen, welche (wohlgemerkt vollkommen legalen) Unternehmen Zahlungen abwickeln dürfen und welche nicht. Paypal ist in der Beziehung schon öfter aufgefallen, z.B. als sie damals in vorauseilendem Gehorsam einem Shop in GB den Account geschlossen hatten, weil er Kaffee aus Kuba oder so verkauft hatte (der Gerichtsstand von dem Shop befand sich fernab aller Zonen, in der das USA Embargo von Kuba-Waren auch nur annähernd hätte gelten können).

    9 Leserempfehlungen
    • L.J.
    • 26. Juli 2013 17:34 Uhr

    mit Kuba boykottiere ich auch Paypal, so hat man halt was gemeinsam, paypal und ich :)

    14 Leserempfehlungen
  3. .
    ...rechtsstaatlichen "Freunde" aus dem "Land of the free" eingefroren wurden, ist dieses Paradebeispiel für politische Hörigkeit für mich gestorben.

    18 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    stärkt auch dessen Machenschaften, braucht sich hier also nicht zu echauffieren. Lernen durch Schmerz bedeutet für solche Unternehmen: Bokott!

  4. Paysafe bezahlen.
    Ueberl verfuegbar und anonym. Easy.
    Paypal boykottiere ich seit Wikileaks zeiten.

    via ZEIT ONLINE plus App

    5 Leserempfehlungen
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    Paysafe ist nicht wirklich eine Alternative.Viel zu hohe Transaktionskosten usw.

    • hairy
    • 26. Juli 2013 19:14 Uhr

    über die Praktiken dieser Firma:
    https://de.wikipedia.org/...

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das ist aber nur die Spitze des Eisberges.

    Oft genug wurden mit fadenscheinigen Begründungen private Konten gesperrt und eine Klärung war fast unmöglich. Die Betroffenen mussten teils monatelang auf viel Geld warten.

    Mir ist der Laden zu unberechenbar.
    Zahl-"Freund" - Lachhaft. Nicht umsonst heißt es: Beim Geld hört die Freundschaft auf. Da muss es stimmen, auf den Punkt.

  5. 7. Spitze

    Das ist aber nur die Spitze des Eisberges.

    Oft genug wurden mit fadenscheinigen Begründungen private Konten gesperrt und eine Klärung war fast unmöglich. Die Betroffenen mussten teils monatelang auf viel Geld warten.

    Mir ist der Laden zu unberechenbar.
    Zahl-"Freund" - Lachhaft. Nicht umsonst heißt es: Beim Geld hört die Freundschaft auf. Da muss es stimmen, auf den Punkt.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wer mehr wissen will"
  6. Was maßen sich die Onlinebezahldienste eigentlich an?
    Wenn sie eine Anfrage seitens Patentvolstrecker hätten, den Verschlüsselungsdienst zu boykottieren, könnten sie das ja ruhig sagen...
    Wenn sie aber eine Anweisung der US-Regierung oder deren Nachrichtendienste haben, weil sich die Server des Verschlüsselungsdienstes nicht auf US-Boden befindet, sollte man besser schweigen...

    Ich finde ein Fall für die Freunde von Anonymous...

    2 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Peter Sunde | Privatsphäre | Filesharing | IP-Adresse | Internetzensur | Ipredator
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