DatenschutzRussische Geheimdienste kramen die Schreibmaschine raus

Fortschritt durch Rückschritt: Die russischen Geheimdienste schützen sich mit deutschen Schreibmaschinen vor Spionage. Ganz Geheimes wird nur noch per Hand geschrieben.

Russische Sicherheitskräfte vor dem Hauptgebäude des Inlandsgeheimdienstes FSB in Moskau

Russische Sicherheitskräfte vor dem Hauptgebäude des Inlandsgeheimdienstes FSB in Moskau  |  © Alexey Sazonov/AFP/Getty Images

Russische Geheim- und Sicherheitsdienste schützen sich vor digitaler Spionage mit dem Einsatz von Schreibmaschinen. Der Föderale Schutzdienst (FSO), der für die Sicherheit des Präsidenten und der Regierung zuständig ist, bestellte nach einem Bericht der Zeitung Iswestija 20 Schreibmaschinen.

Wichtig sei für die Sicherheitsdienste, dass jede Schreibmaschine ihre eigene Signatur habe – anders als etwa in Serienproduktion hergestellte Drucker. So könne jedes Dokument einer bestimmten Maschine zugeordnet werden. Dem Bericht zufolge ist besonders das deutsche Modell Triumph-Adler Twen 180 bei den russischen Geheimdiensten beliebt.

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Der frühere Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Nikolai Kowaljow, sagte der Zeitung, auch die handschriftliche Aufzeichnung geheimer Informationen sei üblich. Besonders heikle Dokumente würden nur auf Papier und nicht auf elektronischen Datenträgern archiviert, um sie zu schützen.

Telefonleitungen aus Sowjet-Zeiten

Üblich sei diese Praxis in Russland nicht nur bei den Geheimdiensten, sondern auch im Verteidigungs- und im Zivilschutzministerium. 

Der Sprecher des russischen Staatsschutzes FSO, Sergej Dewjatow, sagte der Agentur Itar-Tass,  auch alte abhörsichere Telefonleitungen würden weiter für vertrauliche Gespräche zwischen den Staatsführungen genutzt. Die erste Leitung zwischen der Sowjetunion und den USA sei vor gut 50 Jahren am 20. Juni 1963 eingerichtet worden, sagte er.

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Leserkommentare
  1. ..."Russland dank deutscher Hilfe Technologieführer bei neuem Super-kommunikationsmittel!" ;-)

    Bald werden die Russen China im Wirtschaftswachstum überholt haben!!! E-mail und digitale Signatur- wer hat denn noch sowas altmodisches!

    6 Leserempfehlungen
  2. Jetzt muss man noch die kleinen Männchen aus der Schreibmaschine bekommen ( die unter den tasten wohnen ) und Geheimnisse bleiben auch geheim!

    Noch besser wäre es, es würden sich alle nur noch die Sachen merken. ( So wie gute Schachspieler ) und die Geheimhaltung wäre noch geheimer.

    Russland? Daumen hoch!

    5 Leserempfehlungen
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    Mit Richtmikrofonen und Frequenz- und Dynamikanalyse der Anschlagsgeräusche ist es ein Leichtes die Texte beim Schreiben über bis zu 1 km abzuhören.

    • Mari o
    • 11. Juli 2013 12:40 Uhr

    so gibt´s auch für die print Ausgabe der Zeitungen wieder eine Perspektive.
    Wenn ich nicht will das registriert wird,wie lange ich welchen Artikel,wo lese,
    usw.

    7 Leserempfehlungen
  3. ...da haben die Russen schon recht und es ist wesentlich schwieriger ran zu kommen.
    Wer glaubt das echte Terroristen es anders machen ist entweder blauäugig oder von einem der westlichen Geheimdienste.

    Praktisch waren die Russen schon immer.
    Wer kennt die Geschichte nicht, das die Nasa Millionen ausgab, um einen Kugelschreiber zu entwicklen, der im Weltall schreibt, während die Kosmonauten einen Bleistift verwendeten...

    10 Leserempfehlungen
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    Zitat: Wer kennt die Geschichte nicht, das die Nasa Millionen ausgab, um einen Kugelschreiber zu entwicklen, der im Weltall schreibt, während die Kosmonauten einen Bleistift verwendeten ...

    Genau diese Geschichte ist mir auch eingefallen. Oder noch eine andere, die es in Vorzeiten gegeben haben soll: ein Mann läßt sich den Kopf rasieren, dort wird eine Botschaft tätowiert, dann wachsen die Haare wieder - und er überbringt die Botschaft an den Adressaten ...

    Schöne Geschichte. Nur stimmt sie nicht.

    Die NASA hat wie die Russen bei den ersten Raumflügen Bleistifte benutzt. Gegen den Bleistift sprach aber, dass die Minen leicht brechen, Graphit leitfähig ist, in der Schwerelosigkeit sonstwohin schweben konnte und einen Kurzschluss verursachen ...

    Der Space Pen wurde dann von einer privaten Firma entwickelt und nicht auf Kosten der NASA. Und später setzten dann auch die Russen den Space Pen ein.

  4. Zitat: Wer kennt die Geschichte nicht, das die Nasa Millionen ausgab, um einen Kugelschreiber zu entwicklen, der im Weltall schreibt, während die Kosmonauten einen Bleistift verwendeten ...

    Genau diese Geschichte ist mir auch eingefallen. Oder noch eine andere, die es in Vorzeiten gegeben haben soll: ein Mann läßt sich den Kopf rasieren, dort wird eine Botschaft tätowiert, dann wachsen die Haare wieder - und er überbringt die Botschaft an den Adressaten ...

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    "... ein Mann läßt sich den Kopf rasieren, dort wird eine Botschaft tätowiert, dann wachsen die Haare wieder- und er überbringt die Botschaft an den Adressaten"

    ...und vor allem kann man die Nachricht anschließend auch ganz einfach vernichten.

    • Nest
    • 12. Juli 2013 6:38 Uhr

    ...ist meines Wissens noch aus dem antiken Griechenland.
    Damals hatte man noch Zeit für sowas =)

  5. Oder Fotoaufnahmen a´la James Bond ´65 ? Ist schon interessant, was das "Neuland" für Blüten hervortreibt !

  6. Wenn die Verschlüsselung der Emails doch einfacher wäre. Plugin und Add on allein sind es ja nicht. Man muss so viel einstellen, 20 Seiten im Netz lesen , fummeln, probieren, bäh- Und das muss mein Adressat ja auch tun. So verbreitet sich die Verschlüsselung nicht!

    Aber selbst dann, sind meine alltäglichen Dinge nicht wert genug, geschützt zu werden. Tja.
    Aber wenn ich in der Lage sein würde, sind Papiere und Gespräche im Freien das MIttel der Wahl.

    3 Leserempfehlungen
  7. ...einfach das mehr oder minder unsichere Home- bzw. E-banking gegen die guten alten Überweisungen austauschen, und bei der Bank abgeben, das dient dem Datenschutz, und der Figur.

    4 Leserempfehlungen
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    Ob ich oder der Bankmitarbeiter meine Kontodaten in den Computer tippe - die NSA bekommt die Daten am Ende so oder so - und dank entsprechendem Abkommen in dem Fall sogar ganz legal...

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  • Quelle dpa, fz
  • Schlagworte Datenschutz | FSB | Geheimdienst | Spionage | Triumph-Adler | Gespräch
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