NSA-Skandal"Wenn du überwacht wirst, bist du politisch kastriert"

Warum protestieren die Menschen nicht in Scharen gegen die massive Überwachung? Warum sollten sie? Autor Daniel Suarez und andere Intellektuelle suchen nach Antworten.

"We are data" des Games-Publishers Ubisoft ist eine Website, die öffentlich gemachte Daten über Paris, London und Berlin zusammenstellt.

"We are data" des Games-Publishers Ubisoft ist eine Website, die öffentlich gemachte Daten über Paris, London und Berlin zusammenstellt.   |  © Ubisoft

Von Daniel Suarez, Schriftsteller

Dieses allumfassende Spionagesystem ist auf hinterlistige Art genial. Denn wir haben selbst darin investiert. Wir haben Zeit und Geld, ja sogar Liebe in unsere schicken Abhörwanzen – unsere Smartphones – gesteckt, in unsere Apps und in unsere sozialen Netzwerke. Aber wir bezahlen noch einen weiteren heftigen, unsichtbaren Preis – die massive Überwachung.

Menschen hassen es, auf handfeste Vorteile zu verzichten, nur um eine unsichtbare Schandtat zu stoppen. Besonders deutlich wird das immer dann, wenn wir irgendwelchen Nutzungsbedingungen von Apps zustimmen, die Zugriff auf unser Adressbuch, unsere Anrufliste oder unseren Standort haben wollen – nur damit wir aktuelle Restaurant-Bewertungen oder so etwas bekommen.

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Wir scheinen täglich einen solchen Pakt mit dem Teufel einzugehen. Für manche ist die Überwachung durch Geheimdienste wohl nur eine weitere skandalöse Lizenzvereinbarung, und sie sind darauf konditioniert, ihr zuzustimmen.

Zudem versagen die meisten Mainstream-Medien dabei dabei, dem Durchschnittsbürger zu erklären, warum das Thema wichtig ist. Kein Wunder, Apps und das mobile Internet sind für die Medienkonglomerate ja selbst wertvolle Einnahmequellen, weil sie dort Werbung verbreiten und Nutzerdaten erheben können.

Daniel Suarez
Daniel Suarez

Daniel Suarez, Jahrgang 1964, arbeitete zunächst als Softwareentwickler und Systemberater. 2006 erschien sein Science-Fiction-ThrillerDaemon. Darin entwirft er das Bild einer Gesellschaft, die zunehmend von Computern entmündigt wird. Im vergangenen Jahr erschien die Fortsetzung Darknet  im Rowohlt Verlag – und im April 2013 erschien Kill Decision, ein Thriller über autonome Drohnen und Cyberwar.

Deshalb dreht sich die Debatte immer nur um lächerliche Argumente wie "Wenn du nichts zu verbergen hast, sollte dir die allgegenwärtige Überwachung keine Sorgen bereiten."

Dabei gibt es keine unabhängigen Beweise dafür, dass dieses System wirklich hilft, Terroristen zu finden. Aber es ist unglaublich nützlich, um die Kritiker von Regierung und Big Business zu identifizieren und zu diskreditieren. Deshalb untergräbt permanente Überwachung den politischen Aktivismus – und damit das Herz der Demokratie.

Irgendwann wird die Öffentlichkeit erkennen, dass all diese von Unternehmen und Regierungen gesammelten Daten einen saftigen Preis haben – den Verlust politischer Macht. Es gibt einen Grund, warum diese Daten für Wirtschaft und Politik wertvoll sind: Information ist Macht. Und wenn jemand anderes deine Daten hat, du aber keine von ihm, dann hast du gerade einen großen Teil deiner politischen Macht geopfert.

Es stimmt ja, ein Großteil der Daten wird für kommerzielle Zwecke genutzt, zum Beispiel, um Werbung zielgerichtet auszuspielen. Aber diese Daten sind Dual-Use-Güter. Sie können ebenso gut verwendet werden, um das Zentrum einer sozialen Bewegung im Netz zu identifizieren, die eine Kampagne gegen Korruption bei den Mächtigen anführt.

Wenn du überwacht wirst, bist du politisch kastriert.

Leserkommentare
  1. ...."Irgendwann wird die Öffentlichkeit erkennen, dass all diese von Unternehmen und Regierungen gesammelten Daten einen saftigen Preis haben – den Verlust politischer Macht"

    Wenn mehrere europäische Regierungen auf Befehl Washingtons die Maschine eines Präsidenten eins südamerikanischen Landes das Überfiegen verweigern, stellt sich doch die Frage wieso wählen wir die wenn sie dann machen was der US Präsident verlangt und nicht was das Volk will.
    .

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    • deDude
    • 03. Juli 2013 10:42 Uhr

    ... ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Es wird dem "geliebten Führer der freien Welt" gefolgt. Notfalls auch in den Abgrund.

    "[Da] stellt sich doch die Frage wieso wählen wir die wenn sie dann machen was der US Präsident verlangt und nicht was das Volk will."

    Ich habe diese Regierung nicht gewählt. Sie etwa?

  2. Die Resultate der jüngsten US-Geschichte haben mit einer Politikgestaltung, die auf den Prinzipien von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie beruht wenig gemein.Das aggressive Vorgehen gegen Whistleblower, der evidente Krieg gegen die freie Presse und der hohe Grad der Geheimhaltung deuten auf ein erschreckendes Demokratiedefizit der mächtigsten Nation der Welt hin, dass von vielen Amerikanern in der Vergangenheit pointierter formuliert wurde:

    „I’m afraid, based on my own experience, that fascism will come to America in the name of national security.“ Jim Garrison

    „Ich weiß, dass es die Kapazitäten gibt, in Amerika eine vollkommene Tyrannei einzurichten, und wir müssen dafür sorgen, dass dieser Geheimdienst (die NSA) und alle anderen Dienste mit Zugriff auf solche Technologien im Rahmen des Gesetzes und unter ordentlicher Kontrolle handeln, so dass wir niemals diesen Abgrund überqueren.“ Frank Church

    „Ich bin besorgt, weil ein protofaschistisches Verhalten zu erkennen ist, ein Verhalten mit faschistischen Grundmustern. Sind wir deswegen jetzt also auf dem Weg in den Faschismus? Nein. Aber wir sind nicht sehr weit davon entfernt. Menschen, die davon etwas verstehen, sagen, dass der Faschismus bei uns mit einem lächelnden Antlitz auftritt und uns dazu bewegt, dort freiwillig Rechte aufzugeben, wo wir vielleicht einmal sagen werden: “Hätten wir das doch nie getan!” John Dean

    https://www.freitag.de/autoren/gsfrb/nsa-faschismus-oder-nationale-siche...

    32 Leserempfehlungen
    • deDude
    • 03. Juli 2013 10:42 Uhr
    3. dem...

    ... ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Es wird dem "geliebten Führer der freien Welt" gefolgt. Notfalls auch in den Abgrund.

    19 Leserempfehlungen
  3. 4. Macht

    "Irgendwann wird die Öffentlichkeit erkennen, dass all diese von Unternehmen und Regierungen gesammelten Daten einen saftigen Preis haben – den Verlust politischer Macht."

    Das ist durchaus richtig nur: Der Verlust von Macht setzt voraus, dass man diese überhaupt erst besitzt. Und offen gestanden halte ich diese Annahme in Bezug auf die Mehrheit der Menschen auch in den einigermassen demokratischen Staaten für eine blosse Illusion. Den allermeisten fehlt es nicht nur an Macht, sondern auch an jeglichen Voraussetzungen für den Gebrauch derselben. Sie verlieren folglich keinerlei Macht, sondern bekommen allenfalls den Zustand ihrer Machtlosigkeit vor Augen geführt.

    Insofern illustriert Prism nur den Status quo in Bezug auf die Ausdehnung der Staatsmacht und den Verlust individueller Freiheiten. Eine Tendenz, die weit mehr (und weiterreichende) historische Kontinuitäten aufweist, als der offenbar doch etwas illusorische Gedanke der Volkssouveränität, der mehr und mehr zu einer Art historischem Ausnahmefall zu degenerieren scheint.

    Dass dieser Verlust an Freiheiten seitens der Bürger zum grössten Teil akzeptiert, wenn nicht sogar unterstützt wird, mag man als eine Art Treppenwitz der Weltgeschichte sehen, ist unter Beachtung der Tatsache, dass Souveränität stets auch den Besitz und die Ausübung von Macht impliziert, weitaus konsequenter als manchem lieb sein mag.

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    Wirklich frei waren wohl nur die Menschen zu beginn der Menschheitsgeschichte.
    Als der erste verstanden hat was es heißt Macht zu haben, war es mit der freiheit vorbei.
    Traurig Traurig das Ganze.
    Lieber Frei und lebendig für eine kurze zeit. Als gefangen und unmündig für eine kleine Ewigkeit.

  4. <em>"Dieses allumfassende Spionagesystem ist auf hinterlistige Art genial. Denn wir haben selbst darin investiert. Wir haben Zeit und Geld, ja sogar Liebe in unsere schicken Abhörwanzen – unsere Smartphones – gesteckt, in unsere Apps und in unsere sozialen Netzwerke."</em>

    Die iWanze als Accessoire und Statussymbol. Facebook als vom zu überwachenden Subjekt selbst angefertigte Stasiakte. Vertrauliche Briefe mit der Verschlossenheit einer Postkarte unverschlüsselt per eMail über dutzende Internetknoten - für jeden lesbar, ganz ohne Aufdampfen.

    Honecker weint in seinem Grab Tränen der Rührung.

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    "Honecker weint in seinem Grab Tränen der Rührung."

    ist es, Herr Grabowski.
    Betrachten Sie Ihren Kommentar 10-fach von mir empfohlen.
    Ich plädiere dafür, die Namen der großen Schnüffel-Protagonisten mit dem Namenszusatz "IM" zu versehen. "IM Apple", "IM Google", "IM Facebook", etc.

    In der Bevölkerung herrscht noch immer der weit verbreitete Irrglaube, man sei bei Google, Facebook & Co. "Kunde". Was für ein dummer Irrtum!
    Der User ist dort "Ware". Die Kunden sitzen ganz woanders.

  5. Warum protestieren die Menschen nicht in Scharen gegen die massive Überwachung?

    vielleicht weil sie die Hintergründe verstehen und selber nichts zu verbergen haben.

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    Welche Hintergründe verstehe ich denn nicht?

    Und bevor Sie antworten (weil ich gewisse Antworten ahne), überlegen Sie sich schon mal, wie Sie Ihre Antwort belegen wollen.

    nicht, ob wir irgendetwas zu verbergen haben oder nicht.
    Es geht hier einfach nur um Persönlichkeitsrechte.
    Um das uneingeschränkte Recht, sich in seinen eigenen vier Wänden unbeobachtet fühlen zu können.
    Alles schimpfen immer noch über die STASI - wo sind wir denn in der Zwischenzeit hingekommen?
    Facebook und Co, 24h online und immer dabei Mr."yes I do" Obama und die Frage stellt sich doch, bei der verhaltetenen Reaktion unserer Bundeskanzlerin, was sie und ihr Innenminister letztenendes doch schon vorher gewusst haben.
    Ich habe nichts zu verbergen, das hatten die Protagonisten in 1984 auch nicht.
    Sicher, es wird überall telefoniert und auch ganz offen über alles geredet, aber ich WILL mein Recht auf meine 4Wände und wenn die Menschen es irgendwann begreifen, ist es zu spät.
    Also: Wer etwas dagegen tun will!
    Jetzt ist der richtige Zeitpunkt

    Was heute noch recht und erlaubt ist, kann morgen auf einmal ein Grund für den Gulag sein. Wer kontrolliert die Kontrolleure? Traue niemals einer Regierung.
    Es gibt nun einmal Dinge, die keine Regierung etwas angehen, die privat sind und bleiben müssen. Vielleicht kommt morgen jemand an die Macht, dem z.b. meine politischen Ansichten, welche ich z.b. hier in diesem Forum kundtue, nicht behagen.
    Wenn ich mich exponiere und unter meinem Namen öffentlich im Netz aktiv bin (eigene Webseite, Facebook..), muss ich selbst wissen, wie weit ich gehe.
    Ich kann unter Pseudonym und mit Proxyverbindung oder Tor schreiben, das erschwert die Auffindung, aber unmöglich ist sie wahrscheinlich nicht.

    Doch wenn die Industrie naiven Usern dauernd die "Cloud" so schmackhaft macht, wo man seine Privatdaten lagern soll, ist das bedenklich - ebenso wie das Erstellen von Profilen anhand von Handydaten u.ä.
    Das Auslesen fremder Festplatten gehört sich im Übrigen auch kein bißchen. Man liest auch nicht die Tagebücher anderer Menschen - außer nach einem Durchsuchungsbefehl, für den es aber einen Grund geben muss.

  6. Diese Überwachung durch Prism und Co. ist bei weitem nicht so schlimm, wie hier behauptet wird. Vergleichen wir doch mal die Situation in einem totalitären Staat wie dem Dritten Reich mit der heutigen.

    Ebenso wie früher gibt es heute eine flächendeckende Überwachung. Damals wurden menschliche Spitzel angeworben, heute läuft das Ganze elektronisch.
    Wenn man damals im Zweiten Weltkrieg etwas Kritisches gegen Hitler gesagt hat, dann hatte das ganz reale Konsequenzen. Es hat Leute gegeben, die monatelang ins Gefängnis mussten, nur weil sie einen Witz erzählten, der Hitler verulkte. Und es gab auch noch wesentlich schlimmere Dinge, die passieren konnten.

    Heute gibt es diese Konsequenzen nicht. Ich darf jederzeit kritische Dinge sagen oder schreiben, ohne dass es Folgen hat. Noch nie habe ich gehört oder gelesen, dass wegen Prism jemand verhaftet wurde, nur weil er etwas gegen Obama gesagt hat.

    Und noch einen Unterschied gibt es: Ich kann mch heute ohne weiteres der Überwachung entziehen. Ich selbst bin weder auf Facebook aktiv, und ich habe auch kein Smartphone. Jeder hat selbst die Kontrolle darüber, welche Informationen er ins Netz stellt und welche nicht. Daran ändert auch die massive Telefonüberwachung nichts. Diese Telefongespräche werden doch nur elektronisch nach Wörtern wie "Bombe" etc. durchsucht. Da ist es völlig ausgeschlossen, dass bei einem normalen Bürger sensible Daten erfasst und gespeichert werden.

    2 Leserempfehlungen
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    "Ich kann mch heute ohne weiteres der Überwachung entziehen"

    Das glauben Sie nicht wirklich, oder?

    "Diese Telefongespräche werden doch nur elektronisch nach Wörtern wie "Bombe" etc. durchsucht. Da ist es völlig ausgeschlossen, dass bei einem normalen Bürger sensible Daten erfasst und gespeichert werden."

    Ganz bestimmt!
    "...dreams are my reality..."

    Tut mir leid, aber scheinbar haben Sie nicht verstanden, um was es geht...eine totale Überwachung führt in ein totalitäres System. Die Schritte, die zu den Repressionen führen, welche Sie aufführen, sind schnell getan, wenn ein irgendwie geartetes Ereignis dies erfordert.

    Wehret den Anfängen!!!

    ist das eine gut nachvollziehbare Positionserklärung.
    Was aber ist mit dem Standrecht, also ohne der richterlichen, rechtsstaatlichen Prozedur des standrechtlichen Erschießens mittels Drohnen?

    Man kann sicherlich hier Quantitäten vergleichen. Aber qualitätiv finde ich das durchaus vergleichbar.

    • Atan
    • 03. Juli 2013 11:13 Uhr

    Verdachtskategorie angelegt wird, eben weil Sie kein Smartphone und keinen Facebook-Account nutzen?
    Was ist, wenn Ihr Arbeitgeber von einem US-Unternehmen aufgekauft wird, und dann vielleicht aus beruflichen Gründen in die USA reisen müssen?
    Vielleicht ist bis dahin für diese Art von Menschen, die ihre Daten so offensichtlich verschleiern wie Sie, die Einreise nicht mehr möglich und Ihr Arbeitgeber wird Sie dann leider entlassen müssen. Ist ja selbstverschuldet, Ihr "verdächtiger " Lebenswandel.
    Dass ein bloßer Witz, in einem Tweet geäussert, zu US-Einreiseverboten führt, ist übrigens Realität. Geschah einem jungen Briten, für den zum Glück der Beruf nicht an dieser Reise hing:
    http://www.dailymail.co.uk/news/article-2093796/Emily-Bunting-Leigh-Van-...

    Also kann man für Witze inzwischen selbstverständlich verhaftet und ausgewiesen werden, man wird möglicherweise aber noch nicht dafür getötet.

    Bei einem Pakistani wäre ich mir nicht so sicher, möglicherweise reicht ja verdächtiger Telephonverkehr, damit das Haus per Drohnenangriff zerstört wird, wir wissen es nicht, ist alles geheim.

    Wenn Sie sich allerdings erst bedroht fühlen, wenn Sie persönlich unmittelbare Nachteile erleiden, ist es für Gegenmaßnahmen viel zu spät, dann gibt es kaum noch Aussicht auf erfolgreichen Widerstand.
    Sollte unsere Demokratie aber erst geschützt werden, wenn Sie das persönlich notwendig annehmen?

    "Tut mir leid, aber scheinbar haben Sie nicht verstanden, um was es geht...eine totale Überwachung führt in ein totalitäres System. Die Schritte, die zu den Repressionen führen, welche Sie aufführen, sind schnell getan, wenn ein irgendwie geartetes Ereignis dies erfordert."

    Das ist Blödsinn. Wir leben hier in Westdeutschland seit über 60 Jahren in einer Demokratie, jeder hat sich an die Freiheit gewöhnt. Wenn Merkel oder ihr Nachfolger versuchen würden, repressive Maßnahmen gegen politische Gegner einzuleiten, dann wäre das ihr politisches Ende, der Sturm würde sie hinwegfegen. Wir zwingen ja sogar schon Politiker zum Rücktritt, nur weil sie in ihrer Doktorarbeit falsch zitieren.

    Der Schritt hin zu einem totalitären Staat ist viel, viel weiter, als sie glauben. Dieses "Wehret den Anfängen" ist nichts als Panikmache.

    Werter Garonthil,
    Sie sagen
    "Diese Überwachung durch Prism und Co. ist bei weitem nicht so schlimm, wie hier behauptet wird. Vergleichen wir doch mal die Situation in einem totalitären Staat wie dem Dritten Reich mit der heutigen."

    So sehr sich Ihnen die Demokratie genannte Timokratie der westlichen Wertegemeinschaft mit ihren unbestreitbaren persönlichen Nutzen für Leute mit systemkonformem Verhalten als selbstverständliches und niemals endendes Zeitalter von Freiheit und dem Menschenrecht auf konsumelle Selbstverwirklichung auch darstellen mag: Schon wenn man sagt, in China gibt es wohl eine vergleichbare Technik zur Datensammlung und -auswertung, werden Sie das nur noch mit dem Einwand, dass wir nicht in einem chinesischen System leben entgegnen.

    Es ist müßig zu spekulieren, in welche Richtung sich die (politischen) USA und ihre mehr oder minder willigen Verbündeten entwickeln, aber wenn man mal nur die letzten 12 Jahre betrachtet - ohne die Frage des Verhältnisses von Freiheit und Sicherheit auch nur andiskutieren zu können - hat sich das "Land of the Free" doch ganz erheblich gewandelt.

    Vor Wochen wäre noch bestritten worden, dass es eine solche Technik gibt oder zumindest, dass sie so eingesetzt wird wie nun recht offensichtlich. Wo Nutzungsgrenzen sind und wer diese verantwortet, bleibt unbeantwortet. Geschaffen sind die Voraussetzungen für ein Leben wie vielleicht in Brazil
    http://de.wikipedia.org/wiki/Brazil

    Tja, Sie und viele andere machen es sich leider zu einfach. Ich formuliere einfach 'mal ein einfaches und überspitztes Bsp. welches vielleicht im Moment "noch" nicht funktioniert: - Sie telefonieren über eine "Bomben"party und schreiben eine Email über einen "Anschlag" am schwarzen Brett --> Der Überwachungsalgorithmus kennzeichnet Sie als "weiter zu beobachten" (= Daten länger aufbewahren); noch ein wenig von solcher Kommunikation --> gelbe Karte (z.B. = auf Liste an Flughäfen immer extra zu kontrollierende Personen); dann haben Sie beim nächsten Flug vergessen Ihr Taschenmesser aus dem Handgepäck zu nehmen --> orange (z.B. = "no-fly" Liste); Leute auf der "orangenen" Liste werden automatisch an Banken gemeldet zwecks Überprüfung verdächtiger Geldströme --> der Bankalgorithmus findet bei Ihnen nichts, aber schickt Ihren Namen vorsichtshalber weiter an Schufa und Co. als "unsichere" Person; Sie wollen einen neuen Handyvertrag abschließen --> wird verweigert! ...
    Tja, kein einziger Schlapphut kennt Sie oder hat sich mit Ihnen beschäftigt; aber verschiedene Dinge sind für Sie nicht mehr möglich; Sie wissen nicht warum (andere auch nicht wirklich); und sie können es daher nicht wirklich umfassend rückgängig machen ...
    da wäre Gefängnis vielleicht einfacher
    daher finde ich das diffuse an diesen Überwachungen mit am Schlimmsten

    • siar
    • 03. Juli 2013 11:57 Uhr

    Entfernt, bitte verzichten Sie auf derartige Vergleiche. Danke, die Redaktion/se

    "Da ist es völlig ausgeschlossen, dass bei einem normalen Bürger sensible Daten erfasst und gespeichert werden."

    Ja, nee, klar ...

    Allein Ihre Wortwahl "normaler Bürger" verrät Sie als Astroturfer.

    Wem das nichts sagt, sollte hier bitte nachlesen, weil es ein sehr wichtiges Thema ist:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Astroturfing

    Werte Mitforisten, verbreiten Sie den Link auch weiter.

    Und werte Redaktion, ich bitte Sie nachdrücklich, meinen Kommentar nicht als unsachlich, vom Thema abweichend oder dergleichen zu entfernen.

    Astroturfing sollten wir alle kennen. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, die Techniken zu durchschauen, mit denen öffentlich Stimmung gemacht wird.

    Sie haben keinen Facebookeintrag, kein Handy da werden Sie ggf. durch den „Überwachungsalgorithmus“ in die Kategorie „Person versucht Ihre Identität zu verschleiern“ eingeordnet.

    Unterprogramm für Personen die Ihre Identität zu verschleiern versuchen
    -Ist Alter >75 „Alles OK verlasse Unterprogramm“
    -Hole Daten von Meldeämtern (ggf. Gebüreneinzugszentrale)
    -Hole Daten von Finanzamt
    -Scanne Kreditarten / Kontobewegung
    -Hole Bewegungsprofile vom Handprovider
    -Ermittele Personen die mehrmals Schnittmengen im Bewegungsprofil aufweisen
    -Prüfe Kategorisierung gefundene Personen
    -Hole Daten aus Flensburg und Polizeiliches Führungszeugnis
    -Hole Daten von der Schufa
    -Hole Passwörter und sämtliche weitere Daten von Internetportalen
    -Daten von bekannten/Ehefrau und Kindern scannen
    -(Sperre ggf. Person für Sicherheitsrelvante Bereiche)

    Für einen Geheimdienst der ohne nennenswerte Kontrolle agiert, ist der Aufbau eines solchen System keinen nennenswerte Aufgrabe (Mit hinreichend Budget). Der automatischen Überwachung, kann mman sich heute nicht mehr entziehen. Und nur weil man nicht von Dingen hört oder nicht hören will, heiße es nicht das es diese nicht gibt.

    Sie haben scheinbar keine Ahnung was hier so passiert. Ein Beispiel von vielen, bitte sehr.

    http://www.stern.de/panorama/polizei-posse-in-bayern-sagt-man-mollath-is...

    Diese Frau bekam Besuch von der Polizei, weil sie auf eine öffentliche Veranstaltung und den Fall Mollath hingewiesen hat.

    Erzählen Sie das mal Bradley Manning oder jetzt auch Edward Snowden.

    Naivität bietet nicht Schutz f ü r , sondern ist eine Waffe g e g e n dich.

    Da du - Gott-seis-doch-gedankt ? - nicht alleine auf der Welt lebst, liebst, arbeitest und bist, sondern - indem du etwa durch Arbeit dein Brot verdienst, unweigerlich ein Teil in den Klauen derer, die deine Arbeitswelt durchleuchten, deine Steuermoral beäugen usw.....

    Bedenk es wohl, bevor du redest!

    • CoMiMo
    • 03. Juli 2013 20:16 Uhr

    "Heute gibt es diese Konsequenzen nicht. Ich darf jederzeit kritische Dinge sagen oder schreiben, ohne dass es Folgen hat."

    Das ist so nicht ganz korrekt, was Sie schreiben. Es hat nicht die Folgen, dass man verhaftet wird, noch nicht, aber andere Folgen hat es schon.
    Als ich im Internet vor einigen Jahren verhemmt die Politik eines George W. Bush kritisiert hatte, habe ich ein Schreiben der amerikanischen Botschaft bekommen, in der ich aufgefordert worden bin meine Greencard, die meine Familie dank meiner Großmutter automatisch hat, aufzugeben um einem Menschen, der der USA patriotischer gesinnt ist, die Möglichkeit zu geben eben diese zu erhalten. Meine Antwort darauf war, dass ich durchaus ein Patriot bin, da ich unter einem Patrioten verstehe, dass er sein Volk und sein Land vor jeder Gefahr von außen wie von innen verteidigt. Nachdem meine US-amerikanischen Verwandten noch über mich ausgequetscht worden sind, durfte ich die Greencard dann behalten. (wie gnädig)
    Und auch in Deutschland muss man aufpassen was man denn nun in die Suchmaschinen für Wortkombis einsetzt, sonst bekommt man Besuch von der Polizei (im besten Fall) und muss sich rechtfertigen.
    Also so wirklich ohne Konsequenzen geht das auch bei uns nicht ab. Aber wir haben - dank unserer Geschichte - noch die Möglichkeit zu beweisen, dass wir keine Terroristen sind, während die in den USA durchaus mal eben "Urlaub" in Kuba machen dürfen.

  7. .... Leute sind es gewohnt dass der Staat eine gewisse Sicherheit bietet, zum Beispiel durch Lebensmittelkontrollen. Ich überprüfe nicht jedes Nahrungsmittel im Detail, ich verlasse mich darauf dass Kontrollen und Gesetze greifen und Lebensmittelskandale selten machen.

    Bei der Computertechnik hat der Verbraucher doch letztendlich die selbe Einstellung. Unterschied: Der Staat versagt bei der Kontrolle von zum Beispiel den Nutzungsbedingungen die man beim App-Kauf abnickt. Das liegt einerseits daran, dass wird hauptsächlich von Internetausdruckern ohne technische Vorbildung regiert werden. Und außerdem bewegt sich der Computermarkt so schnell, dass demokratische Prozesse, die ja bekanntlich Zeit brauchen, schlicht überfordert sind.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Prism | Smartphone | Überwachung | USA
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