Verschlüsselung : Die halbsichere "E-Mail made in Germany"

Telekom, GMX und Web.de verkünden, sie würden E-Mails künftig verschlüsselt verschicken. Doch sicher wird die Kommunikation so nicht, es ist vor allem PR.
Telekom-Chef Rene Obermann (links) und Ralf Dommermuth von United Internet bei der Vorstellung des neuen E-Mail-Standards. © Thomas Peter/Reuters

Deutsche E-Mailprovider haben eine Marktlücke entdeckt: Sicherheit. "Die jüngsten Berichte über mögliche Zugriffe auf Kommunikationsdaten haben die Deutschen stark verunsichert", sagt Telekom-Chef René Obermann. Sein Kollege Jan Oetjen, Vorstandsmitglied der United Internet und dort zuständig für die E-Mail-Anbieter GMX und Web.de, stimmt mit ein: "In den letzten Wochen verzeichnen wir bereits einen Anstieg der Nutzer-Zahlen, der sich saisonal nicht erklären lässt."

Nach mehr als acht Wochen ständig neuer Enthüllungen durch den NSA-Whistleblower Edward Snowden haben amerikanische Anbieter rapide an Ansehen verloren. Die US-Politik tut ein Übriges. Die wenigen Anbieter, die sich konsequent den Überwachungsprogrammen entziehen, werden gar zur Aufgabe gebracht und zum Schweigen verdammt, wie das Beispiel Lavabit zeigt, der nun auf Druck der US-Regierung die Segel gestrichen hat. 

Offenbar löschen daher viele Kunden ihre Postfächer bei Google, Microsoft und Co. und verlagern ihre Kommunikation auf deutsche Anbieter. United Internet verzeichnet nach eigenen Angaben einen sechsstelligen Zuwachs an E-Mail-Konten.  

Diesen Trend will man offensichtlich nutzen. Am Freitag verkündeten Telekom, GMX und Web.de gemeinsam und voll stolz, es gebe nun "E-Mail made in Germany". Die seien besonders sicher, denn ab sofort werde der E-Mail-Verkehr zwischen den Servern von Web.de, GMX und Telekom verschlüsselt. Damit ist er zumindest auf dem Weg zwischen den Providern nicht mehr problemlos mitlesbar. E-Mails, die bisher auf ihrer Reise durchs Netz wie Postkarten für jeden einsehbar waren, bekommen nun wenigstens einen Umschlag.    

Neuer Sicherheitsstandard?

Zumindest auf Teilen der Strecke. Und auch nur, falls die E-Mail den richtigen Empfänger erreicht. Denn wirklich sicher ist das nicht. Einen "neuen Sicherheitsstandard", wie United Internet und Telekom verkünden, haben sie auf keinen Fall geschaffen. Im Gegenteil, sie haben endlich einen umgesetzt, der schon lange gefordert wird.

Denn die Verschlüsselung von Server zu Server ist keineswegs neu, wie Oetjen von United Internet im Gespräch mit ZEIT ONLINE einräumt – bei Konzernen oder Behörden ist sie längst gängige Praxis. Allein bei den Massenprovidern, die sich an Privatkunden richten, ist die Umsetzung bisher mangelhaft, wie die Techniknachrichtenseite Golem vor Kurzem berichtete. Provider wie Freenet bestanden den Test auf Serververschlüsselung tadellos, während Branchengrößen wie AOL, Microsoft oder auch Web.de die Post ihrer Kunden völlig offen durch das Internet schickten und damit auch anfällig für Spionageprogramme wie Tempora machten. Zumindest Web.de hat das nun geändert.

Dass sich die deutschen Provider mit der Umsetzung der Mailverschlüsselung so viel Zeit ließen, begründet Oetjen eben mit der schleppenden Einführung bei anderen Anbietern: "Das schwächste Glied der Kette bestimmt ihre Reißfestigkeit", sagt er. Nur 15 Prozent des deutschen Mailverkehres seien bisher auf diese Weise verschlüsselt übertragen worden, schätzt Oetjen.    

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

63 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

ohje....

hm, also:

Von Google ist Android, bei dem die NSA mitentwickelt, folglich ist davon auszugehen, dass sich die beiden Google und NSA gegenseitig puschen!

Exteren Email programme,.nur wenn sie selbst geschrieben sind inkl eigenem Betriebsystem und verschlüsselungstechnik alles andere ist Augenwischerei!

Microsoft, Apple, IBM, Oracle (Java) müssen den amerikanischen Sicherheitsbehörden den Quellcode offenlegen, weil sich die Behörden vor Spionage durch diese Unternehmen schützen wollen / müssen, folglich kennen sie die Wege und Verschlüsselungen der Browser, Emailprogramme etc.

Dies ist eine Diskussion die seit Win 3.11 / Win 95 auf dem Markt ist, nur die EU und auch deutsche Behörden waren nicht in der Lage die IT in die Knie zu zwingen! Hier hat man zwar die Unternehmen teilweise zu Straffen in millionen Höhe vernackt aber mehr ist nicht geschehen!

Oracle wirbt sogar in veranstaltungen damit, dass sie hier mechanismen haben, Daten in der Datenbank für unbefugte zu verbergen...sie haben dies extra für amerikansiche Sicherheitsbehöreden einbauen müssen!

Mehr muss man nicht mehr sagen: Snowden hat nur bestätigt in China fallen Säckeweise der Reis um, und da keiner etwas dagegen tun kann, versuchen die anderen mit der Naivität der Mediden Geld zu machen....

[...]
@ticktacktuck hat Recht jeder sollte sich selber um seine Verschlüsslung kümmern, ist nicht so schwer wie vielen Experten gerne weismachen und dafür braucht man keine eigene Domain.

Sowie ein privatwirtschaftliches Unternehmen involviert ist, wird es immer irgendwann proprietär und eine Hintertür wird eingebaut sein.

Also 20 Minuten investieren sich um GnuPG und Jitsi (mit XMMP) schlaumachen und ein Großteil der Probleme dürften sich relativieren.


Gekürzt. Bitte bleiben Sie beim Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/jk

und Steinmeier kommt vor den Untersuchungsausschus`?

das meldet die FAZ..schon lustig, wenn eine Skandal ,den man gegen die Regierung bemüht nun zurückschlägt..die FAZ spricht schon vom
Oppermangate.

Ich halte die Übetreibung völlig unverhältnismäßig. Die deutsche PAranoia zielt gegen den STaat und wird von einer Partei lanciert ,die eigentlich nur für den überstarken Staat steht, wie die SPD und die GRünINNEn.
Ein itneressanter Widerspruch.

Bescheidenhei scheint ihre Sache nicht zu sein

naja..wenn man immer nach dem starken regulativen STaat schreit ,der die bösen Reichen enteignen soll und dann den starken Staat in allen Bereichen misstraut ,ist das ja schon ansatzweise lächerlich.
Dies darf ein böser Reicher ja auch durchaus kosntatieren.

Dass die Kampagne der SPD mit ihrer Urheberschaft des skandals ins Leere lief, dann wohl auch

,aber lustig, dass sie immer noch denken, dass die GRünen eine "Linke" PArtei seien. Zeigt dann ja einiges über die angebliche geistig überlegene grüne Avantgarde.
Hut ab

Weltsicht von Konservativen^^

Dir ist wohl entgangen, dass Konservative und Liberale nur dann für einen schlanken Staat sind, wenn es nicht um Militär und Überwachung geht.
Das Verlangen nach beidem geht von Konservativen aus, die ihre irrationalen Ängste nicht im Griff haben.
Wenn SPD und Democrats nicht selbst so konservativ und populistisch wären, dann würden sie auch unsere diesbezüglichen Freiheitsrechte entsprechend achten.