NSA-EnthüllungenIst das Internet noch zu retten?
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Das Ziel ist die Steuerung der Gesellschaft

Viktor Mayer-Schönberger: Die dritte Internetphase

Nun also haben wir die dritte Phase erreicht. Viele Jahre lang wurde das Internet von Politik und Gesellschaft missachtet – zuerst zu Recht, weil die Konsequenzen seiner Nutzung zu klein waren, zu harmlos, in einer Zeit, die vom Kalten Krieg und dessen Ende beherrscht war. Danach folgten Jahre der Missachtung ohne guten Grund, einer dicken, zähen Ignoranz geschuldet.

Die zweite Phase begann vielleicht mit der Dotcom-Blase. Das Internet war, so wurde nun immer mehr Menschen klar, ein Platz, an dem die Dinge offenbar anders liefen. Mehr Produkte waren zu haben, und noch dazu günstiger. Man gelangte an Informationen, die bisher schwer zugänglich, sorgsam gehütet oder schlicht zu teuer waren. Das Internet etablierte sich als wundersamer Ort der Andersheit, der nicht zuletzt, aber eben auch nicht nur Freiheit suggerierte. Die Diskussion über diesen Ort blieb einem eigentümlichen Sonderweg verbunden, der sich nicht primär im Ergebnis, sondern im Zugang der Menschen und Institutionen, in ihren Versuchen, das Internet als Phänomen zu erfassen, widerspiegelte. Das Internet war dort, wo viele sein wollten.

Das Bekanntwerden von Prism markiert vielleicht die dritte Phase. Sie ist gekennzeichnet von einer zutiefst informationellen Sicht der Welt, in der Macht sich primär aus dem Zugang zu Informationen ableiten lässt, nein, noch genauer, von der Fähigkeit, Informationsflüsse zu steuern. Das Internet ist die alle Bereiche unserer Lebenswelt durchdringende Infrastruktur dieser Informationsflüsse. Der Kampf um die Vorherrschaft über die Steuerung der Informationsflüsse und um die sich daraus ergebende Deutungshoheit ist in vollem Gange.

Die Regierung Obama hat diese informationelle Macht erkannt – ganz folgerichtig will sie daraus Nutzen ziehen. Überraschen darf uns das nicht. Denn im Kern ist das die neue Aufgabe von Regierungen – die umfassende, auf Information basierende, voraussehende Steuerung der Gesellschaft. Dabei sind Regierungen Nachzügler. Sie folgen den Unternehmen wie Google und Facebook und Organisationen wie Wikipedia (und WikiLeaks!), die das längst erkannt haben. Das ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang.

Viktor Mayer-Schönberger ist Professor am Internet Institute der Oxford University, er veröffentlichte in diesem Jahr gemeinsam mit Kenneth Cukier das Buch "Big Data".

Jeff Jarvis: Das Netz muss offen bleiben

Der Kampf um die Kontrolle – und die Seele – des Internets hat gerade erst begonnen. Ich bezweifle, dass den Erfindern des Netzes bewusst war, wie subversiv es sein würde, jedermann mit jedermann zu verbinden und dabei die Institutionen zu umgehen, die traditionell für die Vermittlung solcher Verbindungen zuständig waren: angefangen von den Medien bis zum Staat, von den Universitäten bis zum Einzelhandel. Diese Institutionen haben sich nunmehr in Wagenburgen verschanzt, um ihre alten Vorrechte zu verteidigen: die Medien das Urheberrecht, der Staat die Geheimhaltung.

So sehr sie es aber auch in ihre Regie übernehmen wollen, im Internet geht es eher um Individuen als um Institutionen. Heutzutage kann sich jeder, der im Netz ist, an ein Publikum wenden, mit diesem zusammentun und gemeinsam aktiv werden. Jeder kann Informationen finden, verarbeiten, verkaufen und neue Informationen hervorbringen.

Im Dienst dieser Bedürfnisse und Chancen entstehen große neue Institutionen: Google, um uns mit den Informationen, Facebook, um uns untereinander, Twitter, um uns mit jedermann zu verbinden. Sie und wir handeln in einem voranschreitenden Prozess die Normen und die Ethik der Privatsphäre, Transparenz und Kontrolle aus. Nun aber tritt der Staat in Erscheinung. Er mag sich als Beschützer der Privatsphäre gerieren, in Wirklichkeit aber ist er ihre größte Bedrohung, denn er kann Informationen sammeln und gegen uns verwenden wie niemand sonst. Das Problem mit der NSA, das Edward Snowden enthüllt hat, ist keines der Technologie. Es geht um Transparenz. Der Fall NSA zeigt, dass Geheimhaltung zersetzend ist und absolute Geheimhaltung absolut zersetzend.

Wir müssen jetzt die Diskussion über die Grundlagen einer freien und offenen Gesellschaft führen, die duch Snowden endlich angestoßen wurden. Wie schützen wir diese Grundlagen vor den neuen technischen Möglichkeiten, "einfach alles zu sammeln", wie es NSA-Chef Keith Alexander ausgedrückt hat? Zu diesen Grundlagen gehören: 1. eine Ethik der Privatsphäre, die Staaten und Unternehmen daran hindert, heimlich unsere Daten zu überwachen; 2. das Ideal, dass der Staat im Normalfall offen ist und nur im Notfall geheim operiert; heute verhält es sich genau umgekehrt; 3. das Recht, sich online genauso zusammenzutun, zu sprechen, zu versammeln und zu handeln wie offline; 4. ein Verständnis der folgenden Tatsache: Wenn im Netz auch nur das kleinste bisschen von irgendeiner Institution aufgehalten, umgeleitet oder ausspioniert wird, dann kann nichts – auch nicht das Netz selbst – als frei gelten; 5. eine Übereinkunft dahingehend, dass das Netz offen bleiben muss und von keinem Staat kontrolliert oder zersetzt werden darf.

Jeff Jarvis ist Journalist, Blogger und Journalismus-Dozent in New York. 2012 erschien von ihm das Buch "Mehr Transparenz wagen!"

Markus Beckedahl: Rettet die Grundrechte

Seit Wochen decken immer neue Enthüllungen auf, wie unser digitales Leben anlasslos voll überwacht und gerastert wird. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern nur noch, wie oft und durch wen. Unsere Nachrichtendienste sind offensichtlich Profiteure und Beteiligte dieser globalen Überwachungsinfrastruktur, die durch Gesetze und eine Kooperation von Sicherheitsbehörden mit Unternehmen heimlich geschaffen wurde. Unsere Bundesregierung will davon nichts wissen. Dies wird jeden Tag unglaubwürdiger und einer Demokratie unwürdig.

Viele Menschen wollen nicht akzeptieren, dass unsere gesamte Kommunikation anlasslos, möglicherweise für immer, gespeichert  wird. Wir kommunizieren, arbeiten und lieben online. Wir möchten in dabei ebensowenig dauerüberwacht werden wie in unserem Schlafzimmer, im Gespräch mit Freunden oder beim Spazieren im Wald.

Technisch können wir aus den Enthüllungen lernen, dass der Schutz unserer Privatsphäre bei der Entwicklung von neuen Technologien sofort von Anfang an mitgedacht werden muss. Dezentrale Infrastrukturen bieten weniger Möglichkeiten zum Abgreifen der Daten als eine Zentralisierung bei einem großen Anbieter. Viele Ansätze gibt es in der Open-Source-Welt. Wir brauchen neue Förderinstrumente, um diese Projekte finanziell unterstützen zu können. Unabhängigkeit sollte uns das wert sein.

Politisch muss die Antwort sein, bestehende Datenaustausch-Abkommen mit den USA sofort zu kündigen und über mehr Datenschutz und eine notwendige demokratische Kontrolle neu zu verhandeln. Die aktuelle EU-Datenschutzreform muss genutzt werden, um starke Rechte gegenüber Sicherheitsbehörden und Unternehmen durchzusetzen.

Ich habe die Hoffnung, dass wir als Gesellschaft Antworten darauf finden, wie unsere Grundrechte auch online gesichert und durchgesetzt werden können – politisch wie technisch. Es geht um nichts Geringeres als unsere digitale Zukunft mit den Grundwerten und Grundrechten, die wir kennen und lieben gelernt haben. Und die für eine freie und demokratische Gesellschaft essenziell sind.

Markus Beckedahlist einer der bekanntesten deutschen Blogger. Er betreibt das Blog netzpolitik.org und hat den Verein Digitale Gesellschaft gegründet.

Leserkommentare
  1. Was ich bei Artikeln über das Internet immer wieder, und auch hier, vermisse, ist das Begreifen dessen, was das Internet eigentlich ist.

    Klar, für den Durchschnittsuser ist das die Suchmaschine Google, und alles, was man sonst noch im Browser so sieht, liest, schreibt, und was irgendwie aus dem Kabel bzw. über den Mobilfunk ankommt und wieder rausgeht.

    Für technisch versiertere Personen ist das Internet die Summe aller Protokolle, Dienste, Server und Clients, Switche und Kabel.

    An der Wurzel ist es m.E. vor allem eines: grenzenlose, uneingeschränkte und nahezu kostenfreie Kommunikation. Jeder mit jedem. Egal von und nach wo. Für fast lau.

    Die Angriffe auf diese unbegrenzten Freiheiten kann man m.E. zwar technisch erschweren, durch neue, sicherere Protokolle, mehr Dezentralisierung (lustig, wurde das ARPANET doch extra entworfen um großflächige Infrastrukturausfälle durch einen Atomkrieg zu überleben), durchweg Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, doch ist es spätestens beim Thema Netzneutralität mit Technologie alleine nicht getan.

    Ein neuer technischer Entwurf wird das, was das Internet bedroht, nicht lösen. Neue Technik wird das, was die grenzenlos freie Kommunikation bedroht, nicht lösen.

    Grenzenlos freie Kommunikation.

    Was mich immer wieder ärgert: selbst der konservativste Supergrundrechtsbürger würde beim pauschalen Abhören bzw. Kontrollieren seiner Telefonate und seiner Post sauer. Beim Internet: nichts.

    Nur private Kommunikation ist wirklich frei.

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  2. Wir müssen nicht ein "neues Netz" schaffen, sondern wir müssen - weltweit - unsere Gesellschaft grundlegend reformieren, damit die bisherigen kleinen Gruppen (wirtschaftliche und politische Eliten) ihre Macht, die sie bisher ausschließlich dazu benutzen, sich persönlich zu bereichen, verlieren.

    Wir können dabei die Möglichkeiten des weltweiten Kommunikationsnetzes nutzen, dass diese Macht Einzelner gebrochen wird und dass sich endlich demokratischere Strukturen von Entscheidungsfindung und -umsetzung etablieren.

    Das Netz hat gezeigt, dass es dazu ein gewisses subversives Potential besitzt und es zeigt auch, dass es das Potential dazu hat, die Steuerung einer "Nachegoistischen" Gesellschaft zu erleichtern bzw. überhaupt erst zu ermöglichen.

    Nachdem wir jetzt aber gesehen haben, dass das Netz dazu benutzt werden kann (bzw. wird), uns dem nächsten totalitären System einen großen Schritt näher zu bringen, ist es an der Zeit für alle, die die Freiheit des Netzes bewahren wollen, den nächsten Schritt zu tun und zwar auch außerhalb des Netzes. Der "arabische Frühling" mag mit einer durchs Internet getragenen Empörung begonnen haben, ausgefochten wurde und wird er aber auf der Straße - oder im besten Fall in den Parlamenten.

    Genau dahin muss dieser Kampf um die Freiheit des Internets jetzt verstärkt getragen werden - mit Vehemenz in die Parlamente und in die nationale Politik über alle Mittel der Kommunikation, damit auch in Berlin Neuland entdeckt werden kann.

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    Auch wenn es nicht einfach ist, sollte man doch auch nicht die Geschichte verfälschen. Ich hab hier in der Vergangenheit häufiger den Rattenfänger von Hameln zitiert. Obwohl er so alt ist er eine Parabel auf die Gegenwart.

    Es waren nicht alleine die Reichen, die die Zentralisierung und Monopoloisierung möglich gemacht haben und wie Sie das suggerieren. Es waren Lemminge, die Kapitalisten noch reicher gemacht haben und zugelassen haben, dass AGBs und immer weicher werdende Pseudo-Privacy-Statements wie die von Facebook oder Google und dem Rest nicht zum verschwinden der Dienste aufgrund mangelnder Akzeptanz geführt haben.

    Lemminge wie die, die nur in Facebook sind, weil ihre Freunde drin sind und nicht den Mumm aufgebracht haben zu sagen: "wenn ihr was von mir wollt, dann ruft mich an und verlangt nicht, dass ich irgendeinem Konzern mein Leben verrate". Und viele Lemminge der ersten Stunden waren Studenten, noch vor Schülern. Und das ist, was am meisten verwundert, denn von denen hätte man so etwas wie Menschenverstand erwarten können.

    Das ironische ist, dass man heute als unkommunikativ gilt, wenn man Telefonate statt Pinnwand-Pos(t)ings bevorzugt.

    Staatliche oder privatwirtschaftliche Überwachung ist das Eine. Im Wolkenkuckucksheim leben und immer bei jedem Hype dabei sein zu wollen ist aber das Andere. Gewalttätige Beeinflussung ist seltener als Beeinflussung durch hohles Marketing oder Social Engineering und Lemminge sind besonders anfällig für Letzteres.

  3. "Unsere Bundesregierung will davon nichts wissen. Dies wird jeden Tag unglaubwürdiger und einer Demokratie unwürdig. Viele Menschen wollen nicht akzeptieren, dass unsere gesamte Kommunikation anlasslos,..."

    Also wenn wir von Grundrechten und unserem "demokratischen Rechtsstaat" auf Deutschland bezogen reden, sollte klar sein, dass hier sozusagen "andere" Gestze herrschen.

    Die US-Überwachung in vollem Umfang basiert nach wie vor mit vollem Wissen der Bundesregierung und ihrem (vertraglich gültigem) Einverständnis. Die US-Überwachung basiert auf gültigen Sonderrechten der Alliierten und existiert seit den 50iger Jahren.

    "Adenauer ließ sie sich diktieren, am Parlament vorbei. "Ich habe die entsprechenden Akten und Quellen in Washington und London durchgeschaut", so Foschepoth, "und auch bis dahin teilweise noch geheim gehaltene Akten einsehen können und dabei den erstaunlichen Fund gemacht, dass Adenauer mit den Alliierten über diese Vorbehaltsrechte zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs und über den Geheimdienstvorbehalt, der den alliierten Geheimdiensten praktisch einen rechtsfreien Raum, ein rechtsfreies Agieren in der Bundesrepublik zusicherte, eine gemeinsame Vereinbarung getroffen hat."

    ttp://www.sueddeutsche.de/politik/historiker-foschepoth-ueber-us-ueberwachung-die-nsa-darf-in-deutschland-alles-machen-1.1717216

    Die ganze Überwachungsmaschinerie ist eben durch neue Techniken wie das Internet z. B. einfach nur noch sehr viel umfangreicher geworden.

  4. Die große Aufregug über die NSA liegt daran, daß jeder seine eigene Alpträume, seine eigene Ängste in dieser Überwachung projziert.

    In der Tat gibt es ein Konsens, daß der Homo Oeconomicus transparent zu sein hat. Die Mehrheit ist der Meinung, daß jeder oekonomischen Transaktion transparent und überwachbar sein soll. Es wir laut darüber nachgedacht, größere Banknoten aus dem Verkehr zu ziehen, um alle Geldbewegungen bargeldlos nachvollziehbar, speicherbar zu machen.

    Es gibt in der Bevölkerung Konsens, daß gegen organisierte Kriminalität alle Informationen von in Verdacht stehenden Personen und von mit ihnen irgendwie in Verbindung stehenden Personen gesammelt, gesichtet und analysiert werden sollen.

    Es besteht genauso Konsens, daß dasselbe für den Umfeld des politischen Extremismus, zur Abwehr von wirtschaftlicher Spionage etc. etc. gilt.

    Was bleibt den noch an Privacy die mit großem Elan zu verteidigen gibt? die Seelenblähungen in Facebook und Twitter?

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    Wenn es immer nur um den gegenwärtigen Zustand als Bewertungsgrundlage ginge, dann bräuchten wir überhaupt keine Überwachung, keine Geheimdienste, keine Soldaten. Warum? Weil es gegenwärtig keine akkute Gefahr für unser Land gibt. Es gibt keine nennenswerten Terroranschläge. Wo ist die grausame terroristische Bombe, vor der alle warnen? Es gibt sie nicht. Und trotz hoher Anzahl von Muslimen im Land gibt es eine auffällig geringe Anzahl Selbstmordattentäter.

    Die Totalüberwachung durch BND und NSA ist unsinnig. Gegenwärtig unsinnig.

    Aber so denken die Drahtzieher nicht. Sie denken: Es könnte in Zukunft einen Anschlag geben, den wir verhindern müssen. Zumindest sagen sie, dass sie so denken. Genau wie die Drahtzieher der Totalüberwachung muss man auch als demokratischer wacher Bürger denken: Es könnte in Zukunft einen gehörigen Missbrauch der Daten geben. Auch der von Ihnen so abfällig bezeichneten Gedankenblähungen auf Facebook (die Ihren eigenen auf Zeit-Forum im Prinzip erschreckend ähnlich sein können) können in z.B. zehn Jahren für die jetzt noch jungen Facebook-Nutzer plötzlich ein Problem werden. Und zwar dann, wenn Sie beruflich etabliert sind, wenn Sie politisch Einflussreich werden, oder gar wenn der Staat sich verändert. Sei es durch einen Zusammenbruch des Systems wie einst bei der DDR. Oder durch einen feindliche Übernahme. Vielleicht im Zuge einer Katastrophe ein Notstand oder gar ein Bürgerkrieg wie in Syrien. Wer weiß das schon. Kennen Sie die Zukunft?

    Können Sie Ihre Aussagen belegen oder ist das Ihre persönliche Meinung?

    Zudem ist das Verlangen nach Transparenz nicht gleich das Verlangen nach dem gläsernen Bürger.

    wenn ich meinen Computer ganz alleine mit truecrypt verschlüsseln kann? Wenn ich meine Nachrichten ganz allein mit torchat verschlüsselt versenden kann, an alle meine Freunde? Ganz ohne Zentrale, die die Mehrheit stürmen könnte?

    Früher hieß es mal bei einigen Völkern "my home is my castle". Heute sind alle Wohnungen für die Kontrolleure offen, das Volk entwaffnet. Aber den Computer kann jeder selbst verschlüsseln. Und daher ist der Computer my castle, die neue Heimstatt unserer Freiheit.

  5. Wenn es immer nur um den gegenwärtigen Zustand als Bewertungsgrundlage ginge, dann bräuchten wir überhaupt keine Überwachung, keine Geheimdienste, keine Soldaten. Warum? Weil es gegenwärtig keine akkute Gefahr für unser Land gibt. Es gibt keine nennenswerten Terroranschläge. Wo ist die grausame terroristische Bombe, vor der alle warnen? Es gibt sie nicht. Und trotz hoher Anzahl von Muslimen im Land gibt es eine auffällig geringe Anzahl Selbstmordattentäter.

    Die Totalüberwachung durch BND und NSA ist unsinnig. Gegenwärtig unsinnig.

    Aber so denken die Drahtzieher nicht. Sie denken: Es könnte in Zukunft einen Anschlag geben, den wir verhindern müssen. Zumindest sagen sie, dass sie so denken. Genau wie die Drahtzieher der Totalüberwachung muss man auch als demokratischer wacher Bürger denken: Es könnte in Zukunft einen gehörigen Missbrauch der Daten geben. Auch der von Ihnen so abfällig bezeichneten Gedankenblähungen auf Facebook (die Ihren eigenen auf Zeit-Forum im Prinzip erschreckend ähnlich sein können) können in z.B. zehn Jahren für die jetzt noch jungen Facebook-Nutzer plötzlich ein Problem werden. Und zwar dann, wenn Sie beruflich etabliert sind, wenn Sie politisch Einflussreich werden, oder gar wenn der Staat sich verändert. Sei es durch einen Zusammenbruch des Systems wie einst bei der DDR. Oder durch einen feindliche Übernahme. Vielleicht im Zuge einer Katastrophe ein Notstand oder gar ein Bürgerkrieg wie in Syrien. Wer weiß das schon. Kennen Sie die Zukunft?

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    wenn sich eines Tages der Wind politisch zum Bösen drehen könnte, wie Sie, Herr Becker, richtig schreiben. Man erinnere sich an die Rosa Listen, die im 19. Jhdt. von der Berliner Polizei angelegt und in Folge fortgeschrieben wurden und was die Nazis dann daraus gemacht haben

  6. Können Sie Ihre Aussagen belegen oder ist das Ihre persönliche Meinung?

    Zudem ist das Verlangen nach Transparenz nicht gleich das Verlangen nach dem gläsernen Bürger.

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  7. um ein Internet in der Form, wie es sich in den letzten Jahren entwickelt hat, ist es nicht schade: Reklame - kaufen - verkaufen - Kommerz - Onlinebanking - Online-sonstwas - eBusiness - eGovernment - eGitt !!!!!

    Der ganze Kram darf gerne im Zuge des 'Datenskandals' wieder untergehen und ein Netz zurücklassen, das dem reinen Datenaustausch und der Informationsbeschaffung dient - so wie es das auch mal gedacht war.

    Damit verschwänden auch die kriminellen Begehrlichkeiten, die Virenverseuchung, die 95% Junkinfo auf den meisten Webseiten, und die reale Welt würde wieder belebt

    Jawohl - möge sich dieses Kommerznetz rasch selber auffressen ! Keine Träne danach.

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    @mendax

    Das ist schon wirklich gewagt, was Sie sagen, und doch finde ich das angesichts der unisono verkündeten "Undenkbarkeit einer Welt ohne Internet" umso interessanter. Der Einzelhandel würde sich bestimmt freuen und auch der Verbraucher würde sein Leben vielleicht eher auf- als abwerten, schlurfte er samstags wieder ins Städtchen zum Buchhändler, der seinen Laden dann vielleicht doch nicht dicht machen muss.

    Doch ich befürchte, wir haben uns für Geschwindigkeit entschieden oder charmanter gesagt für "Effizienz". Eine unumkehrbare Entscheidung, deren Konsequenzen nun auf vielfältige Weise eskalieren. Irgendwie scheint die Geschichte immer auf dem Weg zum "Point of no return" zu sein. Der Glauben an die Vernunft des sog. Homo oeconomicus ist m. E. ein glatter Irrtum, weil, ja weil es sich bei dem, was ihn antreibt, eben nicht um Vernunft handelt, sondern um ein Kalkül, das dem Überleben (und Überholen) nicht weniger verhaftet ist, als die Treffsicherheit des Jägers der Urzeit.

    Es ist vielleicht wirklich der Beschaffenheit des Menschen geschuldet, dass jedes System über kurz oder lang eskaliert. Vermutlich kann man die Katastrophe nur verhindern, wenn man jedes gültige System rechtzeitig ersetzt, ohne sich der Hoffnung hinzugeben, dass nicht auch das Nachfolgesystem eskalieren wird. Doch das zu klären, dürfte wohl nur den Philosophen gelingen, die die Gesamtschau auf die Gedankensysteme der Vergangenheit haben bzw. haben sollten. Sie sind heute mehr gefordert denn je.

  8. Ehrlich? Ihr stellt Blogger als Internetpioniere dar? Diese gesamte Bloggerei, ist der Krebs unserer heutigen Gesellschaft. Zudem Twitter, Facebook und Google +! Warum meint man seine Anonymität aufheben zu müssen? Da wird ein Vertrag gemacht, der die weitergabe EURER Daten an dritte möglich macht! Beziehungen, Freundschaften und Arbeitsverhältnisse gehen zu Bruch, weil man sich Öffentlich hergibt. Und warum sollte das jemand freiwillig tun, nur um chatten zu können oder Sinnfreie Lebensweisheiten alá "Mit einem großem Löffel schöpft man mehr Suppe als mit einem kleinen." von sich zu geben? An die Eltern: Datenschutz fängt bei der Erziehung an, aber offensichtlich schlägt diese Fehl, Eltern fühlen sich überfordert [...]. Die Kinder wenden sich enttäuscht von ihren Eltern ab und suchen sich andere Vorbilder. Leider oft die falschen. 10% aller Jugendlichen erziehen sich selbst, 6% davon haben Erfolg, der rest bricht daran zusammen und zieht sich in die eigene Gedankenwelt zurück, lassen alles schleifen und bringen sich dann letztendlich um oder werden eingewiesen. BRAVO Deutschland! Ich bin 21 Jahre alt und bei der Frage, was ich wählen soll kommt mir sofort in den Kopf: Wählen? Die da oben? SPD? CDU? GRÜNE? LINKE? PIRATEN? NPD? FDP? Diese Menschen die sich einen Scheissdreck für uns interessieren? Für die Zukunft? Ich wähle Ungültig!

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/se

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