ZEIT ONLINE: Wie erklären Sie sich dann eigentlich, dass Ihrem Partner überhaupt USB-Sticks abgenommen wurden? Und wie ist es zu erklären, dass bei Ihren Kollegen beim Guardian Festplatten zerstört wurden? Wenn das ohnehin alles verschlüsselt ist und in mehrfacher Kopie an verschiedenen Orten vorliegt, bringt so etwas ja nichts.

Greenwald: So haben sie ja auch beim Guardian argumentiert. Dass dort Festplatten mit Kopien der geheimen Unterlagen zerstört wurden, hat überhaupt nichts geändert. Es gibt Kopien davon an vielen Orten auf der ganzen Welt. Die Zerstörung oder Beschlagnahmung ist also, neben allem anderen, auch noch eine recht dumme Aktion.

ZEIT ONLINE: Haben Sie eine Erklärung dafür, warum es trotzdem gemacht wird?

Greenwald: Ja, Einschüchterung. Beim Guardian genauso wie bei der Festnahme von David. Die wussten, dass das Zerstören von Festplatten nichts ausrichtet, aber das wahre Ziel war Einschüchterung. Und im Fall Davids sagen sie: Wir mussten das tun, um an die Dateien heranzukommen. Aber das hätte sie neun Minuten gekostet, nicht neun Stunden! Sie haben ihn neun Stunden lang dort behalten, weil es in Wirklichkeit um Einschüchterung ging.

ZEIT ONLINE: Ihr Vorgehen ist gerade in Ihrem Heimatland USA extrem umstritten. Sie haben leidenschaftliche Anhänger – und erbitterte Gegner, die sie als Feind der Vereinigten Staaten beschimpfen. Wie gehen Sie mit dieser Polarisierung um?

Greenwald: Es gibt in den USA einen sehr starken autoritären Diskurs, der sich seit 9/11 verstärkt hat. Das Ziel der amerikanischen und britischen Regierung ist es, immer lauter "Terrorismus" zu brüllen, damit die Staatsbürger ihnen immer weitere, unkontrollierte Macht überlassen. Aber das wird nun immer weniger akzeptiert. Es gibt derzeit große Unterstützung für Edward Snowden und für den Journalismus in der ganzen Welt. Es gab zuletzt mehrere Regierungen, die auf diese Ereignisse reagiert haben, indem sie die USA kritisieren. Und die öffentliche Meinung, weltweit gesehen, ist klar auf der Seite von Transparenz und Pflicht zur Rechenschaft.

ZEIT ONLINE: Sie haben einmal gesagt, dass es eine gute Sache sei, dass Edward Snowden sich nicht viel zu Wort melde, damit die Aufmerksamkeit nicht von der eigentlichen Geschichte abgelenkt werde – bei der es um die NSA und die Geheimdienste geht. Jetzt stehen aber Ihre Person und die Ihres Partners im Mittelpunkt. Ist das eine gute Entwicklung?

Greenwald: Man hat nicht auf alles Einfluss. Es ist ja nicht meine Schuld, dass sie meinen Partner verhört haben. Und es ist durchaus Teil der Geschichte, wie gegen den Journalismus und gegen Journalisten vorgegangen wird. Das ist inzwischen ein durchaus sehr wichtiger Teil des Ganzen.

ZEIT ONLINE: Führt aber alles dazu, dass man jetzt umso polarisierter über die Sache redet, und dass einige Ihrer Gegner geradezu eine Kampagne gegen Ihre Person führen.

Greenwald: Jeder, der gegen die größten Mächte auf der Welt aufsteht, wird angegriffen werden. Entweder von diesen Mächten selbst oder von Leuten, die loyal zu ihnen sind. Das lässt sich gar nicht verhindern. Ich werde aber die gleiche Art von Berichterstattung fortsetzen, die ich in den vergangenen Monaten gemacht habe. Am Ende wird das es sein, woran sich die Leute erinnern.

ZEIT ONLINE: Wann werden Sie die nächsten Informationen aus den Unterlagen von Edward Snowden veröffentlichen?

Greenwald: Bald. Wir haben eine Reihe von Dingen fast fertig zum Abdruck.

Mehr zum NSA-Skandal lesen Sie in der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der ZEIT.