NSA-EnthüllungenElf Milliarden Dollar für die Codebrecher der USA

Bei den Geheimdiensten der USA arbeiten 35.000 Mitarbeiter daran, jede bekannte Verschlüsselung zu knacken. Sie haben dafür ein Milliardenbudget. von 

Ausgaben der US-Regierung für die drei großen Geheimdienste 2013 in Milliarden Dollar

Ausgaben der US-Regierung für die drei großen Geheimdienste 2013 in Milliarden Dollar  |  © Washington Post / Screenshot ZEIT ONLINE

Wie viel ist Verschlüsselung im Internet noch wert? Zahlen und Angaben aus den von der Washington Post veröffentlichten Budgets der US-Geheimdienste lassen erahnen, wie viel Energie die USA darauf verwenden, Verschlüsselungsmethoden zu knacken.

Die Dokumente zu den Budgets hat Edward Snowden der Zeitung zu einem unbekannten Zeitpunkt übergeben. Die Washington Post hat davon eine Reihe von Diagrammen und Tabellen veröffentlicht sowie fünf Seiten aus einem mit "streng geheim" markierten Bericht des obersten Geheimdienstdirektors James R. Clapper an den US-Kongress vom Februar 2012. Ein Satz sticht aus diesem Bericht hervor: "Wir investieren in bahnbrechende Kryptoanalyse-Fähigkeiten, um die Verschlüsselungsmethoden unserer Gegner zu überwinden und Internetverkehr auszuwerten."

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Wie diese "bahnbrechenden" (engl. groundbreaking) Fähigkeiten aussehen, geht aus den Dokumenten nicht hervor. Aber aus den Diagrammen lässt sich immerhin ablesen, dass 21 Prozent des gesamten Budgets aller US-Geheimdienste in das sogenannte "Consolidated Cryptologic Program" fließen, das Codeknackerprogramm der Regierung.

Das Gesamtbudget, das die USA für ihre Geheimdienste ausgeben, umfasst im Jahr 2013 mehr als 50 Milliarden US-Dollar – 21 Prozent davon entsprechen also rund elf Milliarden Dollar. Die Summe ist seit dem Jahr 2010 relativ stabil. 

Rund 35.000 Menschen sind dem "Consolidated Cryptologic Program" zugeordnet, auch das steht in den Dokumenten. In dem Programm arbeiten Überwachungsexperten, Kryptologen und Codeknacker von NSA sowie Army, Navy, Air Force und Marines, wie die Washington Post schreibt.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Weitere Angaben zu den Entschlüsselungsfähigkeiten und zum Consolidated Cryptologic Program macht die Zeitung nicht. Ob sie keine weiteren Informationen hat oder diese nur noch nicht veröffentlichen will, ist unklar. Im entsprechenden Artikel heißt es, man halte einige Informationen bewusst zurück. Die US-Regierung sei vorab informiert worden und habe darum gebeten, gewisse Informationen nicht zu veröffentlichen, weil sonst Geheimdienstquellen und -methoden gefährdet wären.

Die genauen Kryptoanalyse-Fähigkeiten der NSA bleiben damit ein Rätsel, das auch durch die bisherigen Snowden-Enthüllungen nicht gelöst wurde. Die spannende Frage lautet: Liegt die Antwort irgendwo in den noch nicht veröffentlichten Dokumenten, die der ehemalige NSA-Angestellte kopiert hat?

RSA-Verschlüsselung gilt schon als unsicher

Sicherheitsforscher wie Christopher Soghoian und Matt Blaze jedenfalls rätseln, welche Verschlüsselungsmethoden die US-Dienste bereits geknackt haben könnten. Für die Sicherheit von Kommunikation über das Internet ist das von großer Bedeutung.

Nach Angaben des Computerwissenschaftlers Eran Tromer von der Universität Tel Aviv dürfte die NSA zum Beispiel in der Lage sein, die weit verbreitete RSA-Verschlüsselung mit einer Schlüssellänge von bis 1.024 Bit zu knacken. Spezielle Hardware könne jeden dieser Schlüssel innerhalb eines Jahres knacken und koste in der Anschaffung weniger als eine Million Dollar, sagte Tromer im Gespräch mit CNET vor einigen Wochen.

Leserkommentare
  1. Welche Deutsche Regierung würde uns ab 22.September vielleicht vor den Codebrechern schützen?

    #Neuland in Sicht?

    Na, wer nichts zu verbergen hat, soll mal in einer Email an einen Freund schreiben:
    "Lass uns demnächst mal zusammen Berlin unsicher machen."
    und kurz danach, um einen Campingaufenthalt zu planen:
    ""Wir brauchen neues Gas."

    Danach sollte man schonmal die Zahnbürste und einige kleine wichtige Dinge packen. In der früh wird man bald abgeholt.

    7 Leserempfehlungen
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    Genau, die Regierungen werten jede einzelne EMail die geschickt wird aus... so ein Blödsinn. Und dann wird auf solche Spitzen Stichwörter wie "unsicher" und "Gas" reagiert... wenn dem so wäre könnten Sie die entsprechenden Behörden gleich schließen, also erzählen Sie bitte keinen solchen Mist.

  2. Genau, die Regierungen werten jede einzelne EMail die geschickt wird aus... so ein Blödsinn. Und dann wird auf solche Spitzen Stichwörter wie "unsicher" und "Gas" reagiert... wenn dem so wäre könnten Sie die entsprechenden Behörden gleich schließen, also erzählen Sie bitte keinen solchen Mist.

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    Antwort auf "Schutz vor USA"
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    • Kweamod
    • 30. August 2013 12:47 Uhr

    Dass die Regierung E-Mails massenweise nach Schlüsselwörtern absucht, ist nun wirklich kein Geheimnis mehr. Ob jetzt "Gas" und "unsicher machen" dabei sind, bezweifle ich. Aber der Kommentar von clear_conscience war wohl eher etwas humorvoll gedacht. ;)

  3. Wie wird denn garantiert, dass die rund 35.000 Snowden-Kollegen ihre Datenschätze nicht zu barer Münze machen? Offensichtlich gar nicht. Interessenten gibt es reichlich, die bereit wären, viel Geld dafür zu zahlen. Fast jeder Mensch ist käuflich, wenn der Betrag "stimmt".

    Es ist davon auszugehen, dass viele NSA-Mitarbeiter nicht so sorgfältig umgehen mit ihrem Datenschatz wie Herr Snowden, der – nach derzeitigem Kenntnisstand – keinen Profit aus seinem Know-how schlägt und (bislang) keine Geheimnisse zu Markte getragen hat, die ein echtes Sicherheitsrisiko darstellen.

    Bislang dienen die Enthüllungen wohl lediglich dazu, das Ausmaß der Schnüffelei zu verdeutlichen. Dafür bin ich Herrn Snowden sehr dankbar.

    7 Leserempfehlungen
  4. Interessanter Artikel. Ich musste irgendwie sofort an den U-Boot-Krieg und die ENIGMA denken. Schon damals konnten die Alliierten nur durch enormen Aufwand zur Entschlüsselung beitragen. Tja, heute herrscht eben eine andere Art von Krieg. Und Wissen ist Macht.

    "Die spannende Frage lautet: Liegt die Antwort irgendwo in den noch nicht veröffentlichten Dokumenten, die der ehemalige NSA-Angestellte kopiert hat?"

    Ich habe da immer noch diesen einen Satz von Greenwald im Hinterkopf:

    Die Mission des 46-Jährigen ist der Kampf gegen staatliche Macht generell und gegen staatliche Überwachung im Besonderen. Dabei greift er gern zu dezidierten, mitunter recht martialischen Äußerungen.

    "Die US-Regierung sollte jeden Tag auf ihren Knien beten, dass Snowden nichts passiert", sagte Greenwald kürzlich der argentinischen Tageszeitung "La Nación", "denn wenn ihm etwas passiert, werden alle seine Informationen enthüllt, und das könnte ihr schlimmster Albtraum werden."

    3 Leserempfehlungen
  5. 11 Milliarden sind die Staatsausgaben der Bulgaren. Vergleicht man das, wird klar, dass locker eine ganze Nation den Überwachungsstaat ausfüllen könnte, den die kleine NSA Organisation in den USA beansprucht.
    Dann noch die Mengen an Festplatten und Silizium.

    Und immer wird Fassadenkunst betrieben, aber nie dürfen wir hinter die Kulissen blicken, um zu analüsieren, ob denn die angebliche Zahl der verhinderten Terrorangriffe wirklich auf die flächendeckende Überwachung zurückgeht. Boston wurde ja nicht verhindert, zu einem Höhepunkt der Ausweitung der Überwachung .

    Snowden konnte man auch nicht verhindern, denn der, der hätte auch von der Mafia sein können, die NSA unterwandern, Daten anzapfen, Leute erpressen.

    8 Leserempfehlungen
    • Kweamod
    • 30. August 2013 12:47 Uhr

    Dass die Regierung E-Mails massenweise nach Schlüsselwörtern absucht, ist nun wirklich kein Geheimnis mehr. Ob jetzt "Gas" und "unsicher machen" dabei sind, bezweifle ich. Aber der Kommentar von clear_conscience war wohl eher etwas humorvoll gedacht. ;)

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    Antwort auf "Blödsinn"
    • Ninnano
    • 30. August 2013 12:47 Uhr

    Um den Eindruck von Stimmungsmache vonseiten der Zeit zu verhindern, hätte ich jetzt gerne einen passenden Artikel über die Entschlüsselungsbestrebungen von China und Russland, bei ersteren gerne auch mit einem Seitenblick auf die unzähligen deutschen Unternehmen, die tagtäglich angegriffen werden. Eine vergleichsweise Analyse von Personal und Budget wäre hier auch sehr interessant, sowie eine Übersicht über den Aufbau chinesischer und russischer Geheimdienste. Denn schließlich wollen wir ja sachlich bleiben.

    Ach, das passt gerade nicht, weil China & Russland keine "syrischen" Pläne haben und allgemein ja eher weniger böse Kriegstreiber sind?
    Soso...

    Eine Leserempfehlung
    • Uwee
    • 30. August 2013 12:50 Uhr

    Zudem müßte an den derzeitigen Internetstrukturen gearbeitet werden.
    Vodafone(GB) zieht sich aus den USA zurück, bekommt 130 Mrd., und will mehr in Netze in Europa investieren, z.B Kabel Deutschland 11 Mrd. Der Deal von Kabel BW mit Unitymedia(USA) ist geplatzt. Die Briten sind durch ihr Anzapfen von Kabeln und ihrer Zusammenarbeit mit der NSA und Vorratsdatenspeicherung bekannt geworden. Wir sollten verhindern das die Briten vorerst keine Netze in Europa kaufen dürfen, auch wenn sie viel Geld haben. Zudem sollten Internetdienstleister hier aktiv werden, Errichtung von Rechenzentren. Zudem sollte verstärkt Open Source Software in Anwendung kommen. Horchposten in Deutschland sollten überprüft bzw. geschlossen werden. Verschlüsselung sollte Standard sein.

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  • Schlagworte Edward Snowden | Facebook | NSA | US-Geheimdienst | US-Regierung | Verschlüsselung
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