NSA-Affäre US-Geheimdienst rechnet Anteil der Netzüberwachung klein

Die NSA nimmt Stellung zu den Spähvorwürfen: Angeblich überwacht sie nur 0,00004 Prozent des Internetverkehrs. Doch der Geheimdienst scheint sich verrechnet zu haben. von Friedhelm Greis

Der US-amerikanische Geheimdienst NSA überwacht nach eigenen Angaben nur einen kleinen Bruchteil des weltweiten Internetverkehrs. In einer siebenseitigen Stellungnahme, die die NSA am 9. August 2013 auf ihrer Internetseite veröffentlichte, heißt es: "Nach Angaben eines großen Netzbetreibers werden im Internet täglich 1.826 Petabyte an Daten übertragen. Bei ihrer Auslandsaufklärung kommt die NSA mit 1,6 Prozent davon in Berührung." Das entspricht einem täglichen Datenvolumen von 29.126 Terabyte.

Allerdings werden nach NSA-Angaben davon nur 0,025 Prozent für eine Überprüfung bestimmt. Damit würden die Analysten weniger als ein Millionstel des Internetverkehrs überwachen. Um dies zu verdeutlichen, nimmt die NSA eine Größe aus dem Sport zum Vergleich: "Wenn ein Basketballfeld die gesamte globale Kommunikationsumgebung darstellte, würde die NSA-Datensammlung weniger als eine Zehn-Cent-Münze auf diesem Feld ausmachen." Allerdings scheint sich die NSA bei ihren Angaben verrechnet zu haben. Während sie behauptet, die Analysten würden nur 0,00004 Prozent des Internetverkehrs überwachen, müsste es nach den obigen Angaben zehnmal soviel sein. Außerdem wird mehr als die Hälfte des Internettraffics durch Video-Dateien verursacht. Dieser Anteil soll nach Angaben von Cisco in den kommenden Jahren auf 70 Prozent steigen.

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Der Geheimdienst beschreibt zudem in sechs Punkten, wie er bei der Ausspähung eines Verdächtigen vorgeht. Demnach wird nach der Identifizierung des möglichen Terroristen zunächst dessen "Netzwerk" untersucht. Dann wird dessen Kommunikationsverhalten analysiert und auf Schwächen hin überprüft, die bei der Überwachung ausgenutzt werden könnten. Die NSA verweist in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung von Verbindungsdaten, um die Kommunikation von Terroristen und deren Unterstützern zu ermitteln.

Lob verteilt die NSA für die Zusammenarbeit mit anderen Geheimdiensten aus mehr als 30 Ländern. Die Partnerschaften seien ein wichtiger Teil des gemeinsamen Kampfes gegen den Terrorismus, von dem beide Seiten profitierten.

Obama will Vertrauen zurückgewinnen

Am Tag der Veröffentlichung der Stellungnahme versprach US-Präsident Barack Obama mehr Transparenz für die Arbeit der Geheimdienste. In einer Pressekonferenz im Weißen Haus sagte Obama, er habe die Geheimdienste angewiesen, "so viele Informationen wie möglich über diese Programme zu veröffentlichen". Der Präsident präsentierte einen Vier-Punkte-Plan, um verloren gegangenes Vertrauen in die Geheimdienstarbeit zurückzugewinnen. Es reiche nicht, dass er selbst Vertrauen in diese Programme setze. "Das amerikanische Volk muss ebenfalls Vertrauen in sie haben", sagte Obama. Zudem kündigte er an, eine hochrangige Arbeitsgruppe einzusetzen, um insbesondere die Überwachungstechniken zu überprüfen. Dabei spielten auch die Auswirkungen auf die Außenpolitik eine Rolle. Ein Zwischenbericht soll in zwei Monaten vorliegen, der Abschlussbericht bis Ende des Jahres.

Nach Ansicht Obamas ist der Whistleblower Edward Snowden kein "Patriot". Allerdings hätten seine Veröffentlichungen eine schnelle und leidenschaftliche Debatte über die Geheimdienstarbeit ausgelöst.

Erschienen bei golem.de

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Leserkommentare
  1. Internetverkehrs aus illegalen Streams von Filmen und Musik, die die Geheimdienste vermutlich sowieso nicht besonders interessieren werden.
    http://www.heise.de/newst...

    Geschätzte weitere 0,99 Prozent bestehen aus legalen Film-/Musik-Streams.

    Schließlich besteht eine Mail aus etwa 1000 Bytes. Das ist nichts im Vergleich zu einer MP3-Datei oder gar einem mehrer hundert Megabyte großen Film.

    Da ist leicht kleinrechnen.

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    • syas
    • 10. August 2013 15:03 Uhr

    Haben Sie noch eine andere Quelle für Ihre Zahlen? Dem verlinkten Heise-Artikel von 2009 kann ich sie jedenfalls nicht entnehmen. Es heißt lediglich:

    "Der GVU-Vorstandsvorsitzende Christian Sommer schätzte indes den Anteil des illegalen Traffic am gesamten Internetverkehr auf etwa 50 Prozent. In Schweden sei der P2P-Verkehr nach Inkrafttreten eines neuen Copyright-Gesetzes mit einer Art Auskunftsanspruch stark eingebrochen."

    Zudem würde ich die Angaben des Herrn Sommer mit Vorsicht genießen und einen bezogenen 40%-Übertreibungsfaktor einrechnen.

    Trotzdem ist Ihr Grundargument sicher richtig. Nicht die Menge der Daten entscheidet ausschließlich, sondern ihre Qualität.

  2. ...vorbei, immerhin ist die amerikanische 10 Cent Dime Münze nur 17,91 Millimeter im Durchmesser, und die europäische 19,75 Millimeter, im Ernst, es wird Zeit, die Geschichte so nüchtern zu betrachten, wie Otto Schily:

    "Die größte Gefahr geht vom Terrorismus und von der Organisierten Kriminalität aus. Ich finde manches Getöse, was da im Moment zu hören ist, nicht angemessen." Die großen Parteien hätten nach seiner Einschätzung "bei diesem Thema kaum etwas zu gewinnen".Für SPD-Wähler sei die innere Sicherheit immer ein wichtiges Thema gewesen, die Partei dürfe ihre Reputation in diesem Bereich nicht aufs Spiel setzen, sagte Schily. Die Furcht vor dem Staat trage "teilweise wahnhafte Züge, auch bei manchen Politikern von FDP und Grünen", sagte Schily.. Datenschutz sei wichtig, aber man dürfe nicht überziehen. So müssten sich die Sicherheitsbehörden darum kümmern, wenn das Internet zur Verabredung oder Vorbereitung von Verbrechen genutzt werde, sagte er weiter. "Früher haben manche den BND wegen angeblicher Inkompetenz verlacht. Wenn er jetzt effizienter geworden ist, ist das doch nur zu begrüßen", so Schily.“

    http://www.zeit.de/politi...

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    wenn Herr Sch. tatsächlich solchen Unfug

    "Die größte Gefahr geht vom Terrorismus und von der Organisierten Kriminalität aus. "

    verbreitet muss über die Definition von "nüchtern" neu nachgedacht werden, oder man ist tolleranter wenn mit fortgeschrittenem Alter mancher die Umstände und Details nicht mehr so genau erinnern kann.

    Aufgrund der Mannigfaltigkeit solcher selbstdisqualifizierenden Einschätzungen zur "inneren Sicherheit" muss man schon genau überlegen, welcher Partei ham hierzu überhaupt noch Problemlösungskompetenz im Sinne des Bürgers zutrauen mag!

    Mit seinen vorausschauenden Firmenbeteiligungen war der Herr Sch. zur dringenden Einführung eines neuen Ausweisdokuments jedenfall flott.

    Bei die Terrorabwehr dagegen .....könnte man eher "Einlassungen mit wahnhaften Zügen" ausmachen...

    Peter

    "Früher haben manche den BND wegen angeblicher Inkompetenz verlacht. Wenn er jetzt effizienter geworden ist, ist das doch nur zu begrüßen"

    Wenn der BND meine Rechte brechen muss, um effizient zu werden, spricht das nicht für ihn.

    "im Ernst, es wird Zeit, die Geschichte so nüchtern zu betrachten (...) Die größte Gefahr geht vom Terrorismus und von der Organisierten Kriminalität aus."

    Organisierte Kriminalität, ja. Terrorismus nein.
    Terrorismus: Vom Krankenhauskeim über Schulunterricht bis zum Schwimmbadbesuch ist quasi jede Aktivität eine größere Gefahr für Leib und Leben, als die bei einem Anschlag umzukommen.
    Ich wette, dass das ohne BND nicht anders wäre.

    Organisierte Kriminalität: Ist eine Gefahr, aber die meisten Gruppen sind bekannt. Das heißt, man kann sich die notwendigen Befugnisse einholen und die Verdächtigen gezielt abhören. Allerdings ist den Verdächtigen meist auch bekannt, dass sie verdächtig sind, also ist nicht zu erwarten, dass sie unverschlüsselt über das Internet kommunizieren.
    Ergo sind die Einzigen, die man überwachen kann Unschuldige. Man forciert so höchstens die Entwicklung Verschlüsselungstechnik, was die Wahrscheinlichkeit weiter mindert, der organisierter Kriminalität das Handwerk legen kann.

    Nüchtern betrachtet gibt es also keinen logischen Grund für diese Überwachung. Will man sie allerdings missbrauchen, gibt es reichlich Möglichkeiten. Und nüchtern betrachtet, muss man damit rechnen.
    Also wie kann man nüchtern betrachtet dafür sein?

  3. Echt Wahnsinn - da überwacht die NSA nicht wie verlautbart nur 0,00004 Prozent des Internetverkehrs, sondern dank Zeit-Reserche 0,0004 Prozent.
    Die viel wichtigere Zahl, dass nach Angaben eines großen Netzbetreibers im Internet täglich 1.826 Petabyte an Daten übertragen werden, zeigt mehr als deutlich, dass die deutsche Überwachungsparanoia völlig idiotisch ist.
    Orwells 1984 scheitert schlicht an der Menge.

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    • fx66
    • 10. August 2013 14:49 Uhr

    > Die viel wichtigere Zahl, dass nach Angaben eines großen Netzbetreibers im
    > Internet täglich 1.826 Petabyte an Daten übertragen werden, zeigt mehr als
    > deutlich, dass die deutsche Überwachungsparanoia völlig idiotisch ist.

    Ach so, jetzt machen Sie alles an einer Zahl fest und kommen zu dem Entschluss "deutsche[r] Überwachungsparanoia". Stasi und Gestapo hätte sie wahrscheinlich auch nicht interessiert.

    Es zeigt v.a. mehr als deutlich, wie sehr sich Leute wie Sie einfach blenden lassen. Rest siehe Kommentar #1.

    Auf 1000er Basis berechnet sind dies 1.826.000 Terrabyte oder 1.826.000.000 Gigabyte. So laut wie die Rechteverwerter tagtäglich lauthals am Schreien sind, hätte ich an die letzte Zahl noch mindestens 6 Nullen drangehängt.

    Andererseits. Wenn der Traffic nur aus E-mails bestehen würde, wären dies Kommentar #1 folgend 1.826.000.000.000.000 E-Mails.

    Wenn also jeder Internetuser in den nächsten 100 Tagen, spaßeshalber jeden Tag 100 E-Mails mit jeweils 100 sinnvollen Zeilen, wie z.B. 'Obama, Merkel, Putin und Osama Bin Laden finde ich total cool.', verschicken würden, wären die Jungs jenseits des Atlantiks so am rotieren, dass sie am Ende vielleicht richtig durchdrehen würden.

    • Burmuda
    • 10. August 2013 15:17 Uhr

    Die NSA schaut sich _jede_ Verbindung an. Weiß sie, dass hinter einer URL ein bekanntes Video/Dokument/Musikstück/Stream steckt, braucht sie sich die Daten nicht weiter anschauen.
    Ist die Verbindung aber bspw. zwischen zwei Mail Servern, schaut man sich erst einmal nur den Text der Email an und nur falls der Text verdächtig ist, schaut man sich auch das 100fach größere Bild im Anhang an.

    "Anschauen" bedeutet hier: Software analysiert es und gibt es im Verdachtsfall weiter - gespeichert wird aber alles hier: http://de.wikipedia.org/w...

    • Dyratic
    • 10. August 2013 16:04 Uhr

    ...kann ja noch werden. Ich glaube es wäre naiv zu glauben, dass die Überwachung in den nächsten Jahren nicht noch weiter ausgebaut wird. Und dank Menschen wie ihnen, werden wir wohl auch nicht vereint etwas dagegen tun können.

    • fx66
    • 10. August 2013 14:49 Uhr

    > Die viel wichtigere Zahl, dass nach Angaben eines großen Netzbetreibers im
    > Internet täglich 1.826 Petabyte an Daten übertragen werden, zeigt mehr als
    > deutlich, dass die deutsche Überwachungsparanoia völlig idiotisch ist.

    Ach so, jetzt machen Sie alles an einer Zahl fest und kommen zu dem Entschluss "deutsche[r] Überwachungsparanoia". Stasi und Gestapo hätte sie wahrscheinlich auch nicht interessiert.

    9 Leserempfehlungen
  4. Es zeigt v.a. mehr als deutlich, wie sehr sich Leute wie Sie einfach blenden lassen. Rest siehe Kommentar #1.

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    • kelese
    • 10. August 2013 14:51 Uhr

    Es geht um das Prinzip was dahintersteht, den Generalverdacht , die Verletzung der Rechte .
    Wieviele Bytes genau abgeschnorchelt werden ist da bei nachrangig.

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    ...Sie schreiben:

    "Es geht um das Prinzip was dahintersteht, den Generalverdacht , die Verletzung der Rechte ."

    Für mich nicht, für mich geht es nur um den Generalverdacht, von Herrn Snowden, ohne Beweise, und die tatsächliche Verletzung von Rechten, welche noch gar nicht bewiesen ist. Bei mir hat man vermutlich nichts "ausgeschnorchelt", und es hat noch niemand angeklopt, also bin ich in meinen Rechten nicht eingeschränkt worden, oder kann es nicht beweisen, also ist es sowieso nicht justitiabel, Recht haben und Recht bekommen wie immer zwei paar Schuh, und es steht zu vermuten, wenn anlasslos sehr viel gespeichert wird, dass das in der Vergangenheit nach 9/11 ok war, und in der Zukunft wird man weitersehen, ich mache mich da jetzt nicht verrückt.

  5. wenn Herr Sch. tatsächlich solchen Unfug

    "Die größte Gefahr geht vom Terrorismus und von der Organisierten Kriminalität aus. "

    verbreitet muss über die Definition von "nüchtern" neu nachgedacht werden, oder man ist tolleranter wenn mit fortgeschrittenem Alter mancher die Umstände und Details nicht mehr so genau erinnern kann.

    Aufgrund der Mannigfaltigkeit solcher selbstdisqualifizierenden Einschätzungen zur "inneren Sicherheit" muss man schon genau überlegen, welcher Partei ham hierzu überhaupt noch Problemlösungskompetenz im Sinne des Bürgers zutrauen mag!

    Mit seinen vorausschauenden Firmenbeteiligungen war der Herr Sch. zur dringenden Einführung eines neuen Ausweisdokuments jedenfall flott.

    Bei die Terrorabwehr dagegen .....könnte man eher "Einlassungen mit wahnhaften Zügen" ausmachen...

    Peter

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    ...warum soll das wahnhaft sein, von Herrn Schily, es gibt jährlich zwischen 7000 bis 10.000 Opfer von Terroranschlägen, die einschlägige Seite von zo hierzu habe ich heute schon verlinkt, ich suche sie gerne nocheinmal heraus, es scheint mir eher wahnhaft, wenn man überhaut nur ein Terroropfer für hinnehmbar hält, das ist doch eigentlich menschenverachtend, pardon.

  6. "Überwacht" wird doch nur was eine Menge Filter durchlaufen hat und näherer Aufmerksamkeit wert scheint?

    Muss für diese Einschätzung nicht erstmal der gesammte Traffic durch eine Heuristik?

    Peter

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  • Quelle golem.de
  • Schlagworte Barack Obama | NSA | Terrorismus | US-Präsident
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