NSA-SpionageUS-Regierung gibt Datenüberwachung Tausender Amerikaner zu

Die NSA hat jahrelang E-Mails von US-Bürgern illegal abgeschöpft. Entsprechende Dokumente hat die US-Regierung nun veröffentlicht und spricht von einer technischen Panne.

Anti-NSA-Proteste Mitte Juni vor dem Kapitol in Washington

Anti-NSA-Proteste Mitte Juni vor dem Kapitol in Washington  |  © Win McNamee/Getty Images

Der US-Geheimdienst NSA hat die Internetkommunikation von US-Bürgern über mehrere Jahre hinweg illegal überwacht. Das geht aus bislang geheimen Gerichtsdokumenten hervor, die die US-Regierung inzwischen zur Veröffentlichung freigab – und die vorherige Medienberichte etwa der Washington Post bestätigen. Damit versucht die Regierung von Präsident Barack Obama, dessen Versprechen von mehr Transparenz in Geheimdienstfragen einzulösen, nachdem zuvor die NSA selbst in einer überraschenden Telefonkonferenz mit Journalisten Fehler zugegeben hatte.

Wie aus den Unterlagen hervorgeht, hat die NSA zwischen 2008 und 2011 Zehntausende E-Mails und andere Kommunikationsdaten widerrechtlich gesammelt. Die Überwachung endete demnach erst, als 2011 das für die Kontrolle der Geheimdienste zuständige Spezialgericht einschritt und die Praxis für verfassungswidrig erklärte.

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Die Fehler seien in der Zwischenzeit behoben worden, sagte ein Sprecher der Regierung und fügte hinzu: "Dies ist keine ungeheuerliche Überschreitung durch eine gierige Behörde, die Amerikaner ausspionieren will, sondern ein technisches Problem, das in eine unbeabsichtigte Sammlung einer geringen Zahl von Kommunikationsdaten resultierte."

Pro Jahr 56.000 E-Mails

Den Angaben zufolge hatte die National Security Agency systematisch internationale Daten abgegriffen, die durch Leitungen in den USA flossen. Ziel sei die Überwachung ausländischer Kommunikation gewesen, allerdings hätten die E-Mails von US-Bürgern nicht sauber herausgefiltert werden können. Die Washington Post hatte berichtet, dass dadurch jedes Jahr bis zu 56.000 "inländische Kommunikationen" bei den Geheimdiensten gelandet seien.

Die Regierung in Washington reagierte mit der Offenlegung des Gerichtsurteils aus dem Jahr 2011 auf die Enthüllungen des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Der Computerexperte hatte den Medien Dokumente über die weltweite Überwachung des Internets durch die NSA zugespielt. Snowden befindet sich seit Mai auf der Flucht, die US-Justiz wirft ihm Spionage vor. Derzeit hält er sich in Russland auf, das ihm vorläufig für ein Jahr Asyl gewährt hat.

Aus US-Regierungskreisen hieß es, dass die US-Bevölkerung mit dem deklassifizierten Urteil einen Einblick in die Funktionsweise der NSA-Überwachungsprogramme bekommen solle. Die Dokumente würden die "starke" rechtliche Kontrolle der Programme zeigen, sagte ein Regierungsvertreter. Laut Washington Post änderte die NSA kurz nach dem Urteil des Foreign Intelligence Surveillance Court (FISC) das Vorgehen beim Datensammeln, um die Kommunikation von US-Bürgern besser auszusortieren.

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Leserkommentare
  1. sammeln einfach wärend 3 Jahren illegal Mails von amerikanischen Staatsbürgern und der Chef General. Keith Alexander weiss nichts davon. Böse. böse Computer.

    Man könnte aber auch sagen, wenn die NSA 3 Jahre nicht merkt, dass ihre Systeme nicht sauber funktionieren, dann stellt sich die Frage, was funktioniert sonst so alles nicht sauber, ohne dass die Mitarbeiter dies mitbekommen?

    Wenn die Mitarbeiter die Fehlfunktion des Systems aber wussten und diesen "Fehler" innerhalb 3 Jahre nicht beheben konnten, trotz dieser geballten Menge an Fachpersonal, ja dann sollte man den Laden schliessen.

    Wie auch immer ist es aber ein totales Versagen von General Keith Alexander. Einer jenen 4 Sterne General, über die zur Zeit heftige Kritik innerhalb der Armee entbrannt ist, weil sie unfähig sind und eigentlich entlassen werden sollten.

    http://www.wired.com/dang...

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    Spionage vorgeworfen. Man müsste fast lachen wenns nicht zum heulen wäre.

    • Coiote
    • 22. August 2013 17:18 Uhr

    "Böse, böse Computer sammeln einfach wärend 3 Jahren illegal Mails [...]"

    Aber den Trick muss man sich merken. Man schreibt sich einfach ein Programm, dass dazu führt, dass der eigene Computer gewinnbringend ganz automatisch das Gesetz bricht (und nebenbei vielleicht auch noch einen legalen Zweck verfolgt). Dann ist man dafür offenbar nicht mehr verantwortlich, es ist dann lediglich ein "technisches Problem".

    • oshra
    • 22. August 2013 7:07 Uhr

    kann man immer vorschieben. Man frägt sich, was denn dieses ganze kompetente Fachpersonal der NSA so treibt.

    Nein, ich glaube vielmehr, dass die US Administration immer genau so viel zugibt, wie sie zugeben muss. Da sind in den letzten Wochen zu viele Ungeheuerlichkeiten ans Tageslicht gekommen, um dieser Administration noch glauben zu können und zu wollen.

    Ohne Snowden und Greenwald hätte die NSA die technischen Fehlerlein nie publik gemacht.

    Ich hoffe, The Guardian veröffentlicht bald weitere Neuigkeiten in dieser Angelegenheit.

    10 Leserempfehlungen
  2. Wenn Hans-Peter Friedrich und Ronald Pofalla sagen es wäre nichts gewesen und die Affäre sei beendet, dann ist das so, egal was die Amerikaner sagen!!

    Denn wem wollt ihr glauben, UNSERER Regierung, oder DEREN Regierung da drüben?!

    5 Leserempfehlungen
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    > Denn wem wollt ihr glauben, UNSERER Regierung, oder DEREN Regierung da drüben?! <

    Die Antwort ist ganz klar - Weder unserer noch anderen Regierungen. Die Antworten auf Fragen, wenn überhaupt solche kommen, sind immer ähnlich > wir haben nichts gewusst, technische Pannen, wenn "die" sagen das ist so dann ist es so, es wird sich an gesetzliche Bestimmungen gehalten, der Schutz des Bürgers hat oberste Priorität .....

  3. ... die Technik funktioniert schon richtig. Und glauben sollte man keinem Politiker; Glaubensbekenntnisse gehören in die Kirchen.

    5 Leserempfehlungen
  4. "...allerdings hätten die E-Mails von US-Bürgern nicht sauber herausgefiltert werden können..."

    Na klar.

    Aus diesem Grund werden auch die Daten deutscher Bürger nicht immer sauber herausgefiltert werden, wenn der BND und die NSA millionenfach Datensätze deutscher Bürger speichern.

    8 Leserempfehlungen
  5. , dass angeblich nur 56.000 mails, was durch den Überdimensionalen Druck, denn diese Regierungen aufbauen, unglaubwürding kilngt. Doch vor allem, wir, aus Deutschland wurden sorgfältig geröntgt.

    2 Leserempfehlungen
  6. > Denn wem wollt ihr glauben, UNSERER Regierung, oder DEREN Regierung da drüben?! <

    Die Antwort ist ganz klar - Weder unserer noch anderen Regierungen. Die Antworten auf Fragen, wenn überhaupt solche kommen, sind immer ähnlich > wir haben nichts gewusst, technische Pannen, wenn "die" sagen das ist so dann ist es so, es wird sich an gesetzliche Bestimmungen gehalten, der Schutz des Bürgers hat oberste Priorität .....

    Antwort auf ""Du bist Neuland!""
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    wohl jemand den Ironie-Detektor nur halbherzig angeschaltet. ;-)

  7. "Guten Morgen, General"
    "Guten Morgen, Mr. President"
    "Ich rufe an wegen dieser....Transparency-Sache, Sie wissen schon."
    "Ja, ich weiß, Sir"
    "Wir müssen da jetzt was machen, und ich hab mir schon was überlegt"
    "Ich höre, Sir"
    "Ihr habt doch im Archiv sicher irgend ein paar alten Kamellen, die Euch der FISC abgeschossen hat. Der braucht nämlich auch ein bisschen gute Presse. Die stehen derzeit wie Vollhorste da, als würden sie alles von Euch nur durchwinken"
    "Tun sie doch weitgehend auch, Sir"
    "Das haben Sie jetzt weder gesagt, noch habe ich es gehört."
    "Nein, Sir, ich meine...äh...Ja, Sir ... Viel wird es da nicht geben, Mr. President"
    "Das weiß ich selbst, aber den Jungs müsst ihr auch unter die Arme greifen, oder will Dein Verein, dass ich genötigt werde, andere Kontrollmechanismen einzusetzen?"
    "Gott behüte, Sir!"
    "Na also. Dann schick jetzt mal jemanden ins Archiv, der irgendwas nettes raussucht. Ihr verseht das dann mit einem Kommentar ....aber nicht wieder so großkotzig wie beim letzten mal von wegen.....Dann wissen sie jetzt bescheid...ja? Lass es Deine Sekretärin schreiben. Die hat ne devote Ader. Die kann das. Und alle Beteiligten sind glücklich"
    "Ja, Sir. Wird gemacht, Sir"
    "Wie kommt der Neubau in Utah voran?"
    "Alles im Plan, Sir"
    "Prima, weitermachen"
    "Sie können sich auf uns verlassen, Sir"
    "Ja, ja, ich weiß. Wo wir gerade miteinander reden. Ich hätte da eine etwas delikate Sache für Sie. Schicken sie mir alles über....."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, AP, dpa, kg
  • Schlagworte Edward Snowden | Barack Obama | US-Regierung | NSA | US-Geheimdienst | Überwachung
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