ÜberwachungNSA kann drei von vier E-Mails mitlesen

Mit Unterstützung von US-Firmen kann die NSA bis zu 75 Prozent des Internetverkehrs überwachen, der durch die USA läuft. Das bringt die Bundesregierung in Erklärungsnot. von 

Die NSA kann bis zu 75 Prozent des Internetverkehrs überwachen, der durch die USA läuft. Das berichtet das Wall Street Journal, es beruft sich auf Aussagen von aktuellen und ehemaligen Geheimdienstlern, Regierungsmitarbeitern und Angestellten jener Unternehmen, die bei der Überwachung behilflich sind.

Die Zahl passt nicht zu den offiziellen Angaben der NSA. Der Geheimdienst hatte Anfang August eine siebenseitige Stellungnahme veröffentlicht, in der er angibt, bei der Auslandsaufklärung nur mit 1,6 Prozent aller im Internet übertragenen Daten in Berührung zu kommen. Davon wiederum würden nur 0,025 Prozent genauer analysiert.

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Dass diese Zahlen schöngerechnet sind, war schnell klar. So besteht ein Großteil des Datenvolumens im Internet aus Videos, die für die NSA unbedeutend sind. Aber es ging der NSA darum, eine möglichst kleine Zahl nennen zu können. Und so heißt es in der Stellungnahme schließlich, man überwache weniger als ein Millionstel des gesamten Internetverkehrs. 

Die Angaben des Wall Street Journal widersprechen dem. Demnach könne die NSA große Teile jeder Kommunikation über das Internet durchleuchten lassen. Dabei geht es nicht nur um Metadaten, also wer wann mit wem kommuniziert hat. Auch die Inhalte von E-Mails und Internettelefonaten können, sofern sie nicht verschlüsselt sind, mitgelesen und mitgehört werden. Die Zeitung schreibt allerdings nur, dass die NSA die "Kapazitäten" habe, bis zu 75 Prozent zu überwachen. Ob dieses Ausmaß tatsächlich erreicht wird, ist unklar. Allerdings dementiert die NSA die Angaben auch nicht, sondern verteidigt ihr Vorgehen als legal.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Umgesetzt werden die Überwachungsprogramme mit Codenamen wie Blarney, Fairview, Oakstar, Lithium und Stormbrew von Telekommunikationsunternehmen wie AT&T, die Filter an mehr als einem Dutzend der große Internetknoten in den USA installiert haben. Diese suchen jede Kommunikation heraus, die außerhalb der USA beginnt oder endet oder schlicht an irgendeinem Punkt durch US-Infrastruktur läuft. Das wiederum bedeutet: Deutsche Internetnutzer werden in den USA überwacht. Jede Google-Anfrage, jede Mail über Yahoo oder Outlook.com, jeder Facebook-Chat – all das fällt unter die Definition "in die USA, aus den USA oder durch die USA".

Das sollte auch die Bundesregierung bedenken. Immer wieder betont Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU), die NSA greife in Deutschland keine Daten ab. Er will damit den Eindruck vermitteln, Deutsche seien von der ganzen Überwachungsaffäre überhaupt nicht betroffen.

Doch nach den Berichten des Guardian über die umfangreiche Überwachung der transatlantischen Glasfaserkabel durch NSA und den britischen Geheimdienst GCHQ in Großbritannien ist der Artikel des Wall Street Journal nun ein weiterer Beleg dafür, dass die NSA "in Deutschland" kaum tätig werden muss. Die Netzüberwachung der Deutschen findet woanders statt – und darauf hat die Bundesregierung weiterhin keine Antwort.

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Leserkommentare
  1. Bei uns ist ja alles in bester Ordnung.
    Hier liest keiner mit, oder Herr Pofalla?

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    Demos zum Tag der Privatsphäre. Termine und Orte:

    http://demonstrare.de/

    oder Twitter: #stopwatchingus

  2. Deutschland ist der größte europäische Markt. Ich weiß nicht, warum wir nicht einfach ein Gesetz für Freemail-Anbieter machen, dass Sie Server in Deutschland oder innerhalb der EU aufstellen müssen.

    Google, Yahoo, Facebook und Microsoft würden sehr schnell reagieren und hier eine entsprechende Infrastruktur aufbauen. Ich bin kein Freund von Protektionismus, aber an dieser Stelle ist geboten, deutsche Bürger vor der Abhörung fremder Dienste zu schützen. Und das ist durchaus möglich.

    14 Leserempfehlungen
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    Niemand zwingt sie Anbieter zu nutzen, die Ihre Server nicht in Deutschland zu stehen haben. Nutzen Sie gmx oder die Services der Telekom wenn der Serverstandort Ihrer Meinung nach ein Kriterium für Sicherheit ist.

    Captian Obvious merkt allerdings an, dass damit nicht allzu viel gewonnen ist. Selbst wenn keines Ihrer versandten Datenpakete die Grenzen unseres Landes überschreitet, hilft Ihnen das kaum weiter.

    Letztlich ist es doch egal welcher Geheimdienst den Traffic mitschneidet, die aktuelle Sachlage legt den Schluß nahe, dass am Ende alles in den Datenbanken der US-Geheimdienste landet.

    Ein Gesetz wie vorgeschlagen hilft da wenig bis gar nicht. Was wir brauchen ist ein Umdenken in der sogenannten Geheimdienst-Community (ein seltsamer Begriff übrigens) und bei den gesellschaftlichen Eliten allgemein.

    Das wird leider noch dauern und vermutlich nicht schmerzfrei vollzogen werden können...

    An sich finde ich die Idee ja gut, aber das wird wenig bis keinen Nutzen hab. Viele der Server die jetzt schon hier sind, dürften im Rhein Main Gebiet sein und hier im Rhein-Main Gebiet hat die NSA auch bestätigter Weise Ihre Hauptschnüffelstelle, die ordentlich vom deutschen Staat beschützt wird. Einfach mal "dagger complex" googlen.

    • Panic
    • 21. August 2013 12:55 Uhr

    Ich fühle mich aufs Tiefste verarscht. Diese Regierung, allen voran Pofalla, beleidigt meine Intelligenz. Und das in einem Maße, dass ich Gedanken hege, die mir eigentlich zuwider sind.

    In Mittelaltermanier werden wir für dumm verkauft. Ich habe das Gefühl, dass die Regierung hier intellektuell selektiert, gemäß einer frühzeitlichen Bevölkerungsstruktur. Was glauben Merkel und Co. sind wir in der Lage zu erfassen, zu analysieren und meinungsbildend zu diskutieren. Wer oder was sind wir, die Wähler? Seit Snowdens Blow wird unter den Teppich gekehrt, verharmlost und ignoriert. Aber jedesmal kommen neue Details ans Licht.

    Straft diese Regierung ab. Diese politische Arroganz ist nicht mehr zu ertragen und mittlerweile verfassungswidrig, weil jeder Eid bedeutungslos geworden ist.

    Salut

    41 Leserempfehlungen
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    @ Panic,

    mein Rat:

    don't panic.

    hatte ich schon in den 80zigern auf meinem Lieblingssticker stehen.

    Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik und Provokationen. Danke, die Redaktion/fk.

    Achtung, Wähler und Wählerinnen aus dem Wahlkreis Kleve:

    Ronald "McDonald" Pofalla tritt hier als Direktkandidat an.
    http://www.abgeordnetenwa...

    Ihr habt es zumindest in der Hand, ihn nicht direkt zu wählen und ihm so eine schallende Ohrfeige zu verpassen.

    Übrigens triit er nicht an dem von abgeordnetwatch iniziierten Transparenz-Check bei und verpflichtet sich NICHT im Fall seiner Wahl in den Bundestag für folgende drei Themen einzusetzen:
    -für die Verschärfung der Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung (strafbar ist derzeit nur der Stimmenkauf und -verkauf vor Abstimmungen mehr...)
    -für die komplette Offenlegung von Nebeneinkünften auf Euro und Cent
    für die unverzügliche Veröffentlichung aller Parteispenden über 10.000 € (gilt bisher nur für Spenden über 50.000 €)

    eher allen voran die Regierungschefin Merkel aus Neuland. Die gibt die Lügen, die Friedrich und Pofalla dann verbreiten doch vor. Sie selbst hat sich nur einmal mit einer der armselig sten Erklärungen, die ich selbst von ihr (und das heisst was) gehört habe, zusammen mit Obama He aus seit und verharmlost u d gelogen.

  3. Filtern ist etwas anderes als mitlesen, liebe Zeit-Redakteure.
    Dass die NSA den Datenverkehr filtert ist doch längst bekannt, allenfalls dass es nur 75% sind überrascht. Dass 1,6% davon im Filter hängen bleiben scheint durchaus logisch und das am Ende nur 0,025% genauer analysiert werden dürfte einfach an der dafür nötigen Menpower liegen.
    Bei 1,7 Milliarden e-mails pro Tag wären das immerhin 425.000 mails - also etwa 10 pro Tag für jeden NSA-Mitarbeiter inclusive Hausmeister.

    2 Leserempfehlungen
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    • P_S
    • 21. August 2013 14:33 Uhr

    in dem Artikel geht es m.E. wieder um Hetze gegen die Regierung und Panik mache!

    Wie sie schreiben 10 Mail pro Mitarbeiter (inkl Hausmeister), tja und die sind ja bekanntlich alle Multilingual ausgebildet!

    Oder werden die Mails / Chats mittels Google - Übersetzer ins englische transferiert und wieder zurück ?

    Das andere ist liebe Redaktion und panische Nutzer: Wie arbeiten eigentlich Suchmaschinen? Den Service wollen wir haben!

    Der schritt von Webseit und Email ist nicht weit...

    ... ist nichts anderes als "mit technischen Möglichkeiten lesen lassen".
    Verstehen Sie das, oder muß ich Ihnen weiter aufhelfen?

    Filtern ist nichts anderes als "mit technischen Mitteln lesen lassen"!

    Tja, der Großrechner interessiert sich sicher für ihre Alltagsgeschichten!
    Oder vielleicht lacht er sie auch nur aus! Oder er erzählt es ihrer Frau!

    • arnim25
    • 21. August 2013 13:13 Uhr

    Was stimmt denn mit manchen wie Ihnen nicht? Manche checken es einfach nicht. Es geht NICHT um das gelegentliche abfischen von Emails. Was gemacht wird, ist eine komplette Speicherung von Aktionen, die ein Mensch im Internet macht. Prism ist nur ein Puzzleteil von vielen. Das ergibt am Ende ein personenbezogenes Profil. Das heisst der Geheimdienst muss lediglich Ihren Namen eingeben und sieht chronologisch was sie wann im Internet gemacht haben. Und das bedeutet Macht und Kontrolle.

    http://www.youtube.com/wa...

    17 Leserempfehlungen
  4. ...
    Diese Regierung kann NICHT in Erkärungsnot gebracht werden!!!

    Die Voraussetzungen sind nicht gegeben. Das dafür nötige Interesse an Auklärungswillen, an Ehrlichkeit zum Volk sind schlicht nicht gegeben.

    BASTA: hätte ich ein tibetanisches Gemüt - dann würd ich mich verbrennen wollen.

    Schönen Tach noch.

    5 Leserempfehlungen
  5. Niemand zwingt sie Anbieter zu nutzen, die Ihre Server nicht in Deutschland zu stehen haben. Nutzen Sie gmx oder die Services der Telekom wenn der Serverstandort Ihrer Meinung nach ein Kriterium für Sicherheit ist.

    Captian Obvious merkt allerdings an, dass damit nicht allzu viel gewonnen ist. Selbst wenn keines Ihrer versandten Datenpakete die Grenzen unseres Landes überschreitet, hilft Ihnen das kaum weiter.

    Letztlich ist es doch egal welcher Geheimdienst den Traffic mitschneidet, die aktuelle Sachlage legt den Schluß nahe, dass am Ende alles in den Datenbanken der US-Geheimdienste landet.

    Ein Gesetz wie vorgeschlagen hilft da wenig bis gar nicht. Was wir brauchen ist ein Umdenken in der sogenannten Geheimdienst-Community (ein seltsamer Begriff übrigens) und bei den gesellschaftlichen Eliten allgemein.

    Das wird leider noch dauern und vermutlich nicht schmerzfrei vollzogen werden können...

    4 Leserempfehlungen
    • arnim25
    • 21. August 2013 13:19 Uhr

    Es wird alles was im Internet gemacht wird abgefischt. Man macht es den Geheimdiensten lediglich etwas leichter, wenn man auf amerikanische Server zurück greift.

    Was derzeit statt findet ist lediglich ein Ablenkungsmanöver. Es wird die USA als der Sündenbock dargestellt, während hier das selbe passiert.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bundesregierung | Ronald Pofalla | USA | GCHQ | NSA | Überwachung
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