NSA-Agenten haben in Einzelfällen die Überwachungsinfrastruktur des US-Geheimdienstes genutzt, um Geliebte auszuspionieren. Das berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf Offizielle. Es handele sich um "eine Handvoll" Fälle in den letzten zehn Jahren.

Die meisten dieser Verletzungen der NSA-Datenschutzregeln seien nur herausgekommen, weil die Mitarbeiter sich selbst beschuldigt hätten. Oftmals hätten sie ihre Vergehen während eines Lügendetektor-Tests gestanden. Solche Überprüfungen fänden regelmäßig bei Geheimnisträgern statt. Dass auf diese Weise tatsächlich alle Fälle herausgekommen sind, ist unwahrscheinlich, denn auch Lügendetektoren können überlistet werden.

Die NSA habe für solche Vorfälle das Codewort "Loveint", berichtete das Wall Street Journal. Die Nachsilbe "int" werde in der Behörde für Überwachungsaktionen genutzt als Abkürzung für human intelligence, also Spionage. Die Agenten, die ihre Partner überwacht hatten, seien entweder disziplinarisch bestraft oder entlassen worden.

Letzte Woche hatte die NSA zugegeben, dass pro Jahr in etwa 3.000 Fällen die Datenschutzregeln verletzt worden seien. Meist sei das aber unbeabsichtigt geschehen. Dass gewollt dagegen verstoßen wurde, sei sehr selten. Vor allem Loveint-Fälle gehörten dazu, wie nun herauskam.

Die Senatorin Dianne Feinstein, die im Geheimdienst-Ausschuss sitzt, sprach von Einzelfällen, etwa einer pro Jahr in den letzten zehn Jahren. Von solchen missbräuchlichen Ausspäh-Aktionen sei aber in der Regel kein US-Bürger betroffen gewesen, und ihr lägen auch keine Beweise vor, dass dabei die inländischen Überwachungseinrichtungen genutzt worden sein – das würde gegen das US-Geheimdienstgesetz (Fisa) verstoßen.

Die Loveint-Fälle stellen demnach nur Verstöße gegen die Datenschutzregeln der NSA dar.