US-GeheimdienstNSA-Agenten spionierten eigene Geliebte aus

Sie können Telefonate belauschen oder E-Mails und Facebook-Chats mitlesen. Manchmal setzen NSA-Agenten ihre Überwachungsmöglichkeiten auch für private Zwecke ein.

Ehemalige NSA-Abhöranlage in Bad Aibling

Ehemalige NSA-Abhöranlage in Bad Aibling  |  © Michaela Rehle/Reuters

NSA-Agenten haben in Einzelfällen die Überwachungsinfrastruktur des US-Geheimdienstes genutzt, um Geliebte auszuspionieren. Das berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf Offizielle. Es handele sich um "eine Handvoll" Fälle in den letzten zehn Jahren.

Die meisten dieser Verletzungen der NSA-Datenschutzregeln seien nur herausgekommen, weil die Mitarbeiter sich selbst beschuldigt hätten. Oftmals hätten sie ihre Vergehen während eines Lügendetektor-Tests gestanden. Solche Überprüfungen fänden regelmäßig bei Geheimnisträgern statt. Dass auf diese Weise tatsächlich alle Fälle herausgekommen sind, ist unwahrscheinlich, denn auch Lügendetektoren können überlistet werden.

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Die NSA habe für solche Vorfälle das Codewort "Loveint", berichtete das Wall Street Journal. Die Nachsilbe "int" werde in der Behörde für Überwachungsaktionen genutzt als Abkürzung für human intelligence, also Spionage. Die Agenten, die ihre Partner überwacht hatten, seien entweder disziplinarisch bestraft oder entlassen worden.

Letzte Woche hatte die NSA zugegeben, dass pro Jahr in etwa 3.000 Fällen die Datenschutzregeln verletzt worden seien. Meist sei das aber unbeabsichtigt geschehen. Dass gewollt dagegen verstoßen wurde, sei sehr selten. Vor allem Loveint-Fälle gehörten dazu, wie nun herauskam.

Die Senatorin Dianne Feinstein, die im Geheimdienst-Ausschuss sitzt, sprach von Einzelfällen, etwa einer pro Jahr in den letzten zehn Jahren. Von solchen missbräuchlichen Ausspäh-Aktionen sei aber in der Regel kein US-Bürger betroffen gewesen, und ihr lägen auch keine Beweise vor, dass dabei die inländischen Überwachungseinrichtungen genutzt worden sein – das würde gegen das US-Geheimdienstgesetz (Fisa) verstoßen.

Die Loveint-Fälle stellen demnach nur Verstöße gegen die Datenschutzregeln der NSA dar.

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Leserkommentare
  1. dass Gesetze für die NSA und die gesamte Weltpolitik nur Vorschläge sind. Warum gibt es die überhaupt?

    Stehen die Menschen eigentlich über den Gesetzen oder die Gesetze über den Menschen?

    4 Leserempfehlungen
  2. ZON:"NSA-Agenten haben in Einzelfällen die Überwachungs-Infrastruktur des US-Geheimdienstes genutzt, um Geliebte auszuspionieren."

    WSJ:"National Security Agency officers on several occasions have channeled their agency’s enormous eavesdropping power to spy on love interests, U.S. officials said."

    Moment. Was wurde ausspioniert ? Geliebte ? Partner ? Geliebte von Partnern ? Loveint ? Wird morgen evt. auch der Begriff Pornint eine Rolle spielen ?

    http://www.heise.de/tp/bl...

    http://jezebel.com/how-mu...

    3 Leserempfehlungen
  3. Erst zerstören sie das Vertrauen der Industrie (Cloud Dienste sind praktisch nichtmehr nutzbar), dann das der Menschen.

    Es wäre so gut wenn man den Laden einfach dicht machen könnte und per Gesetz verbietet, dass solche Institutionen überhaupt jemals wieder existieren können.

    16 Leserempfehlungen
    • Fingolf
    • 24. August 2013 11:50 Uhr
    4. Panik

    Und genau das ist es, wovor man Angst haben sollte! Es ist relativ egal ob jemand meine Emails liest oder ein Algorithmus meinen Standort analysiert! Die Gefahr ist, dass die Agenten es für eigene Zwecke ausnutzen! Stellen sie sich vor, dass ein Agent sich in ihre Frau/ Freundin verliebt und anfängt ihr nachzustellen, bzw. Seine Macht zu benutzt um sie zu diskreditieren!
    Dann werden sie einfach mal als Terrorist festgenommen, weil jemand es auf ihre Wohnung, Haus, Job, Frau ggf. Mann abgesehen hat und seine Machtposition für eigenen Zwecke missbraucht!
    Mir wird wirklich schlecht wenn ich einfach nur daran denke! Und sowas schimpft sich Geheimdienst!

    via ZEIT ONLINE plus App

    30 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hollywoodstreifen werden Realität. Das Netz oder Staatsfeind Nr, 1 wurden damals als übertriebene Fiktion belächelt. Nicht nur wegen der Korruption und Machtgeilheit, wo wir ja sowieso schon länger beobachten können, dass es sie wirklich gibt, sondern auch wegen der technischen Möglichkeiten.

    ...denn auch diese Fraktion hat was zu _verlieren_!

    Danke für dieses weiterführende Argument.

    Es ist nicht nur das, wovor man Angst haben sollte!

    Es ist die Mischung aus Faktor Mensch und Technisierung.

    Wenn irgendein Spinner eine persönliche Rechnung begleichen will, bräuchten sich ja nur die Sorgen machen, die mit jemandem zu tun haben, der für die NSA arbeitet. Das wäre ja überschaubar - und bräuchte unser (der meisten) Problem nicht sein.

    Aber es reicht irgendein Spinner, der einen wichtigen Ermittlungserfolg braucht (bspw. zur Erfüllung irgendwelcher Quoten und sei es nur, um irgendwelche Überwachungsprogramme zu rechtfertigen - welch Zufall, dass sich da der Kreis schließt) und der setzt dann irgendeinen Algorithmus in Gang. Und der wird dann durch die Maschine gejagt und am Ende plumpst dann irgendeine hübsche Anzahl Menschen heraus.

    Und dann kann man halt Pech gehabt haben, weil man mal in der Nähe von jemandem gewohnt hat, der jemanden kennt, den die NSA verdächtigt.

    Das wirklich einzig beruhigende ist, dass die Amerikaner keinen Drohnen einsetzen, wie sie es in anderen Ländern machen, wo sie die so gefundenen dann gleich abschießen, von weitem. Und wenn sie dann Unschuldige treffen oder den Nachbarn, ist das... das große Ups im Dienste der Sicherheit.

    • Fingolf
    • 24. August 2013 11:51 Uhr
    5. Panik

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung
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    zu viele schlechte Filme gesehen.

  4. Ein Skandal jagt den nächsten. Böse NSA.

    2 Leserempfehlungen
  5. Regierungsdokumente wurden vor Weiterleitung bearbeitet, Festplattenzerstörung unter Aufsicht und Androhungen von hohen Strafen in Verlagshäusern, unrechtmäßige Verhaftungen und Verhöre an Flughäfen, weltweite Verfolgung eines Menschen, Zwangsstop und Durchsuchung vom Flugzeug eines Staatsoberhaupts, Bezahlung von Firmen für Datenschutzverletzung und Eingriffe in Persönlichkeitsrechte, usw. usw. Das alles unter dem "Vorwand" der Terrorbekämpfung!

    Wenn man das mal weiter spinnt .... wie viele Politiker weltweit sind ohne Fleck auf der Weste und nicht angreifbar aufgrund irgendeines kleinen Fehltritts? Wer besitzt demnach die größte Macht? Und wer kann diese Macht überhaupt noch kontrollieren?

    16 Leserempfehlungen
  6. zu viele schlechte Filme gesehen.

    Antwort auf "Panik"
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    Guantanamo ist genauso echt wie die NSA, Edward Snoden und die ganzeGeschichte. Betrifft sie sicher nicht! Sie sind nicht im Internet unterwegs und reisen auch nie!? Dann brauchen sie sicher keine Sorgen machen.
    Nur ein Beisspiel ....
    http://www.abendblatt.de/...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, rav
  • Schlagworte US-Geheimdienst | Agent | NSA | Spionage
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