Die US-Regierung lässt nach Informationen der Washington Post in einem immer größeren Ausmaß Cyberangriffe durchführen. Das gehe aus dem geheimen Entwurf zum Budget der US-Geheimdienste hervor, das die Zeitung von dem Whistleblower Edward Snowden erhalten hat. Dem Bericht zufolge haben die Geheimdienste allein im Jahr 2011 insgesamt 231 Cyberangriffe ausgeführt. Fast drei Viertel dieser Angriffe waren demnach gegen Ziele mit höchster Priorität gerichtet: Dazu gehören Länder wie Iran, Russland, China und Nordkorea.

Solche Cyberangriffe, offiziell bezeichnet als offensive cyber operations, beinhalten die Manipulation oder Zerstörung von Informationen in Computern oder in Computernetzwerken oder der Rechner und Netzwerke selbst. Die meisten dieser Aktionen hätten unmittelbare Auswirkungen auf Daten und Funktionsfähigkeit von Computern des Gegners: Die Verbindungen würden beispielsweise langsamer.

Als bekanntestes Beispiel eines staatlichen Cyberangriffs gilt der Computerwurm Stuxnet, der vor einigen Jahren das iranische Atomprogramm sabotierte. IT-Sicherheitsexperten glauben, dass hinter Stuxnet westliche Geheimdienste stecken, auch wenn dies nie offiziell bestätigt wurde.

Spähsoftware auf 85.000 Computern

Details aus dem geheimen Budget-Entwurf der US-Nachrichtendienste waren schon vor einigen Tagen bekannt geworden. Demnach geben die Geheimdienste einen Großteil ihres Geldes für das Sammeln und Auswerten von Daten aus. Außerdem hätten sie in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, in fremde Computer und Systeme einzudringen.

Teil dieser Spähaktionen ist offenbar auch ein Projekt mit dem Code-Namen Genie: Wie die Washington Post berichtet, dringen US-Computerspezialisten im Rahmen dieses Projekts in ausländische Netzwerke ein, um sie heimlich unter ihre Kontrolle zu bringen. Bis Ende dieses Jahres solle damit auf mindestens 85.000 Computern weltweit spezielle Software platziert werden. Sie könne Daten mitschneiden und übermitteln. In großen Computernetzwerken kann demnach ein infiziertes Gerät den Zugang zu Hunderttausenden weiteren öffnen.

Die Software diene oft nur als Hintertür für mögliche spätere Zugriffe, sagte ein ehemaliger Beamter der Washington Post. Demnach wurden im Jahr 2011 von fast 69.000 kontrollierten Computern nur 8.448 voll "ausgebeutet", was auch mit personellen Kapazitäten zu tun habe. Deswegen solle in Zukunft ein System mit dem Codenamen Turbine für den automatischen Betrieb von Spionage-Programmen auf fremden Rechnern sorgen. Spezialisten der NSA arbeiteten zudem an verdeckter Software, die relevante Gespräche in Computernetzwerken ausfindig machen und mitschneiden könne.