Seit 2009 gibt es ein europäisches Projekt namens Indect, bei dem Wissenschaftler aus acht EU-Staaten, darunter Deutschland und Frankreich, erforschen, wie sich die "Qualität bestehender Videoüberwachung" im öffentlichen Raum verbessern lässt. Videokameras, die automatisch die Gesichter von Gesuchten erkennen und verfolgen – Aktivisten fürchten, dass damit eine flächendeckende Überwachung des öffentlichen Raumes Realität wird.

Der Widerstand gegen das Projekt war bislang allerdings eher verhalten, die große Empörung blieb aus. In Deutschland gab es ein paar Demos unter dem Slogan "Stopp Indect", der Zulauf aber war gering.

Ähnlich in Frankreich: Nur wenige Politiker warnten vor den möglichen Gefahren. So alarmierte etwa Philippe Boulland, Mitglied der konservativen UMP: "Diese automatisierte Überwachung verbunden mit der Sammlung von persönlichen Informationen stellt eine Bedrohung für die persönliche Freiheit dar." Doch auch in Frankreich kamen zu den Veranstaltungen dagegen kaum Demonstranten.

Neuen Aufwind erhoffen sich französische Aktivisten nun von einer frankreichweiten Überwachungskarte. Beim Projekt Sous surveillance, zu Deutsch "Unter Überwachung", kann jeder Standorte von Videokameras eintragen. 22 Städte und mehr als 7.000 Kameras hat die Website bereits verzeichnet. Dabei wird nicht nur der Standort angezeigt, sondern auch versucht abzuschätzen, wohin die Kameralinse gerichtet ist und was sie sehen kann.

Vieoüberwachung und Verhaltensanalyse

Entwickler der Karte ist Jérôme Leignadier-Paradon, Chef der Lyoner Piratenpartei. Die meisten Menschen würden die Kameras gar nicht mehr bemerken, sagt er, das soll mit dem Angebot anders werden. Man wolle die Menschen auf Kameras hinweisen, die später mit den Erkenntnissen aus dem Programm Indect verknüpft werden könnten.

"Ziel von Indect ist die Verbindung von Daten aus der Videoüberwachung und der Verhaltensanalyse", sagt Leignadier-Paradon. Das Verhalten von Menschen solle in Berichte umgewandelt werden. "Die Gesichtsidentifikation von Facebook kombiniert mit der Geolokalisierung von GoogleMaps sind bereits Realität", Leignadier-Paradon. Das FBI beispielsweise arbeitet bereits an entsprechenden Verfahren. Für ihn stellt die Technik daher die Frage, ob die Gesellschaft das Recht auf Privatsphäre aufrechterhalten wolle. "Freie Betriebsratswahlen oder das Demonstrationsrecht könnten so gefährdet werden", sagt er.

Begründet wird die Forschung an Indect mit der Verbesserung der Sicherheit. "Der Zweck von Indect ist es, europäische Wissenschaftler und Forscher in die Entwicklung von Lösungen und Werkzeugen für eine automatische Gefahrenerkennung zu entwickeln", heißt es auf den Internetseiten der Europäischen Kommission. Man plane eine "intelligente Videoanalyse" und Möglichkeiten zur "Gefahrenerkennung im Internet".