Angesichts der vielen Spähprogramme, die derzeit öffentlich werden, klingt es wie ein Scherz, dass Apples Telefone nach den Bewegungsdaten ihrer Nutzer nun auch noch Fingerabdrücke sammeln. Doch es ist nicht lustig.

Apple verspricht, dass die Fingerabdrücke des Touch ID genannten Sensors das Telefon nicht verlassen. Sie würden nur lokal und nur verschlüsselt gespeichert und nie an Server von Apple übertragen oder in der Clouddatenbank hinterlegt.

Diesem Versprechen kann man vertrauen oder nicht. Es geht um etwas anderes.

Dass Apple eine Datenbank mit Fingerabdrücken anlegt, die bald jede Sammlung von Geheimdiensten und Polizeien in den Schatten stellen würde, ist tatsächlich eine bedrohliche Möglichkeit. Aber das trauen sie sich in Cupertino dann doch nicht. Vorerst zumindest.

Viel wichtiger ist, dass das iPhone damit zum Wegbereiter der Biometrie werden wird. Dank seiner großen Verbreitung und seiner hohen Akzeptanz bei Nutzern wird es dafür sorgen, dass wir es bald als völlig normal, harmlos und sicher empfinden werden, uns mit unserem Fingerabdruck zu identifizieren oder damit zu bezahlen.

Biometrie flächendeckend, dank iPhone

Was biometrische Ausweise und Reisepässe nicht geschafft haben, weil viele Menschen dem Staat und seinen Organen misstrauen, wird Apple erreichen: Die Vermessung und Speicherung unserer Körpermerkmale ist bald Standard.

Kaum einer verwendet seinen biometrischen Ausweis, um sich im Internet damit gegenüber einer Behörde zu identifizieren. Millionen Menschen aber kaufen Apps, Bücher, Filme, Lieder bei iTunes. In naher Zukunft werden es viele von ihnen mit ihrem Fingerabdruck tun. Es gibt weltweit eine halbe Milliarde iTunes-Accounts, die mit einer Kreditkarte verknüpft sind.

Es sei doch bequem, sagte Apples Technikchef Phil Schiller bei der Vorstellung des neuen iPhone 5S. Statt umständlicher Passworte müsse nun nur noch der Finger auf die kleine Glasfläche gelegt werden, den habe man doch immer bei sich und könne ihn nie vergessen.