Eigentlich haben sie alles richtig gemacht bei dieser Cryptoparty: Auf den Tischen stehen Flaschen mit Club Mate und liegen Zettel mit den Zugangsdaten zum WLAN. Das Passwort lautet angemessen ironisch "jimmy-verschenkt-internet". Und doch ist das Ganze irgendwie falsch, denn die Veranstaltung, bei der es darum geht, wie man im Netz sicher kommunizieren kann, findet im Bundestag statt.

Es ist die erste Cryptoparty im deutschen Parlament. Der Name kommt wie die Bewegung aus den USA. Ziel der Veranstaltungen, die jeder ausrichten kann, ist es, sich gegenseitig beizubringen, wie man Festplatten vor Zugriff schützt und E-Mails verschlüsselt. Die im Bundestag hat der FDP-Abgeordnete Jimmy Schulz ausgerichtet, Netzpolitiker und IT-Unternehmer.

Das ist eine schöne Geste, gleichzeitig aber auch ein Widerspruch in sich: Die Nachhilfestunde für Computersicherheit passt nicht ins Parlament. Denn die Hilfe zur Selbsthilfe wird an dem Ort angeboten, an dem die Bewohner viel wirksamere Möglichkeiten hätten, sich und viele andere vor Ausspähung zu schützen – Gesetze.

Für Kritiker ist die Cryptoparty im Bundestag ein falsches Signal, die Bankrotterklärung einer politischen Klasse, die einsehen muss, dass sie den Spitzeleien fremder Geheimdienste wie der amerikanischen NSA nicht beikommt.

Schulz sieht die Veranstaltung nicht als Kapitulation. Für ihn ist sie ein Angebot an Internetnutzer, die sich seit den Berichten über internationale Spähaktionen um ihre Privatsphäre sorgen und diese besser schützen möchten. "Das ist keine Entschuldigung und kein Ersatz für die Politik, die wir in dem Bereich machen müssen", sagt er. Trotzdem müsse jeder Bürger für seine Daten Verantwortung übernehmen. 

Jeder ist für seine Daten mitverantwortlich

"Wir können das Ausspähen von Deutschen gesetzlich verbieten sooft wir wollen. Aber neben der Verantwortung des Staates bleibt immer eine Restverantwortung jedes Einzelnen", sagt der FDP-Abgeordnete. Selbst wenn die NSA-Affäre komplett vom Tisch wäre, gäbe es immer noch Probleme wie Wirtschaftsspionage, so Schulz. Auch Hacker und andere Kriminelle ließen sich nicht durch Gesetze davon abhalten, die Privatsphäre von Deutschen zu missachten. "Spionage lässt sich nicht komplett verbieten."

Den technischen Sachverstand, um sich zu schützen, will er auf der Cryptoparty vermitteln. Das ist natürlich eine Werbung für den technischen Sachverstand des Netzpolitikers Jimmy Schulz, und es ist natürlich kein Angebot, das sich an Jedermann richtet. Die eigentlichen Adressaten, die Abgeordneten des Bundestages und ihre Mitarbeiter, zeigen nur mäßiges Interesse. Sechs Abgeordnete sind gekommen, dazu ein paar Mitarbeiter aus verschiedenen Fraktionen und mindestens ein Dutzend Journalisten.

Schulz gibt sich alle Mühe, den steifen parlamentarischen Betrieb in Einklang zu bringen mit dem Grundgedanken von Cryptoparties. Seit den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden über staatliche Spähprogramme stoßen solche unkonventionellen Lehrgänge auf großes Interesse.