Fingerabdruckscanner des iPhone 5S © GLENN CHAPMAN/AFP/Getty Images

ZEIT ONLINE: Du hast den Fingerabdruckscanner des iPhone 5S gehackt, warum?

Jan Krissler: Ich beschäftige mich seit mehr als zehn Jahren mit der Sicherheit von biometrischen Systemen, insbesondere mit deren Überwindung. Ab und zu, wenn ein neues Produkt auf den Markt kommt, guck ich mir das an, schaue, ob die alten Techniken zur Überwindung noch funktionieren, oder ob es neue Herausforderungen gibt. Beim TouchID Sensor ging ich von einer Herausforderung aus, wurde aber leider enttäuscht.

ZEIT ONLINE: Eignen sich Fingerabdrücke überhaupt, um ein Telefon, eine Tür oder andere Dinge zu sichern?

Krissler: Wie bei allen biometrischen Systemen muss man sich die Frage stellen, welche Daten oder Dinge man damit schützen will. Wenn deren Wert den Aufwand übersteigt, ein System zu knacken, ist die einfach zu überwindende Biometrie vielleicht nicht die beste Wahl.

ZEIT ONLINE: Das heißt, Biometrie ist einfacher zu überwinden als beispielsweise ein Passwort?

Krissler: Das hängt vom Passwort und vom Umgang des Benutzers damit ab, und natürlich auch vom biometrischen System. Meine Passworte halte ich zumindest für sicherer als meinen Fingerabdruck. Das Problem ist, dass man Fingerabdrücke überall hinterlässt, dass Gesichter unbemerkt fotografiert werden können. Mein Passwort ist in meinem Kopf, und wenn ich bei der Eingabe vorsichtig bin, bleibe ich auch der einzige, der es kennt.

ZEIT ONLINE: Welche biometrischen Daten wären geeignet, um eine Zugangskontrolle einzurichten?

Krissler: Es gibt Merkmale, die besser und Merkmale, die schlechter geeignet sind. Zu den besseren gehören solche, die man nicht überall hinterlässt, beziehungsweise die nicht einfach und unbemerkt abgenommen werden können. Also Merkmale, die man tatsächlich nur an dem passenden Sensor auslesen kann. Das Venenmuster ist dafür ein gutes Beispiel. Ich hatte auch angenommen, dass Apple so etwas einsetzt. Immerhin wurde bei der Vorstellung des iPhones erklärt, der Scanner habe eine sub-epidermale Fingererkennung, also eine, die nicht allein auf Fingerlinien an der Oberfläche setzt. Ehrlich gesagt, war ich schockiert, dass es so einfach war, ihn zu überwinden.

Aber auch bei anderen Verfahren wie Venenmustern muss klar sein: Kommt jemand an ein solches Merkmal, wird er eine Möglichkeit finden, es nachzubilden und so das System zu überwinden.