Die NSA überwacht einem Medienbericht zufolge auch Inhalte von Google und Yahoo, ohne dass die Unternehmen davon wissen. Der US-Geheimdienst hat sich Zugang zu den Verbindungen der Datenzentren der beiden Unternehmen verschafft und liest damit Daten aus, die zwischen diesen Zentren hin- und hergeschoben werden, berichtete die Washington Post unter Berufung auf Dokumente von Edward Snowden. Damit sammelt die NSA nicht nur Metadaten, sondern hat auch Zugriff auf Inhalte wie Texte, Videos oder Audiodateien. Der US-Geheimdienst arbeitet dabei eng mit dem britischen Geheimdienst GCHQ zusammen.

Die Geheimdienste haben dazu die Verbindungen zwischen den jeweiligen Datenzentren der Unternehmen angezapft, berichtete die Zeitung. Google und Yahoo verfügen über ein weitverzweigtes internes Netz dieser Zentren auf mehreren Kontinenten, in denen Inhalte von Kunden gespeichert werden. Davon sind unter anderem Daten von GoogleDocs, Gmail und GoogleMaps betroffen, die über Glasfaserkabel von einem Zentrum in ein anderes transferiert werden.

Damit können die Geheimdienste nicht nur Echtzeit-Kommunikation überwachen. Wenn etwa Yahoo ein E-Mail-Konto synchronisiert, können die Spione dieses komplett auslesen – und erhalten damit unverschlüsselt sämtliche Mails und Anhänge, die in einem Postfach gespeichert sind. Das können zum Beispiel Adressen oder der E-Mail-Verkehr von mehreren Jahren sein. Das gemeinsame Projekt der Amerikaner und Briten trägt den Namen "Muscular". Dabei fischt der britische Dienst GCHQ sämtliche Daten ab und speichern sie für drei bis fünf Tage. Die NSA durchsucht die gesammelten Datensätze mit speziellen Werkzeugen und kopiert sie bei Bedarf.

180 Millionen Datensätze in 30 Tagen

In den der Zeitung vorliegenden Dokumenten sei ein Zeitraum von 30 Tagen genannt, in dem allein mehr als 181 Millionen Datensätze ausgelesen wurden. Täglich hätten sich die Spione Millionen Datensätze verschafft. Damit könnten Hunderte Millionen Nutzerkonten betroffen sein. Zwar speichere die NSA nicht alles, aber sehr viel, schreibt die Washington Post.

Eine Folie der NSA, die der Zeitung vorliegt, zeigt, wie bei Google öffentliches Internet und die interne Cloud verbunden sind. Werden Daten übertragen, werden sie ver- oder entschlüsselt. An dieser Stelle der Folie zeichnete ein Mitarbeiter ein Smiley.  

Weil die betroffenen Rechenzentren in verschiedenen Ländern stehen, greifen die ohnehin schwachen rechtlichen Kontrollmechanismen nicht, denen die NSA in den USA unterliegt. Zwar haben die Dienste wohl nur Verbindungen außerhalb der USA angezapft. Allerdings sind wohl auch US-Bürger betroffen, die Konten bei Google oder Yahoo haben. Diese dürfen von dem Geheimdienst eigentlich nicht ohne Weiteres überwacht werden.

NSA-Chef gibt sich unwissend

NSA-Chef Keith Alexander sagte laut einem Medienbericht, dass er von dem Programm nichts wisse. Alexander fügte hinzu, dass der Geheimdienst nicht dazu autorisiert sei, die Datenzentren der Firmen anzuzapfen. Dafür müssten Gerichte angerufen werden. Die Behauptung, die NSA sammle auf diese Weise Unmengen von Daten von US-Bürgern, sei ebenfalls nicht wahr.

Eine Sprecherin von Yahoo zeigte sich von der Enthüllung überrascht. Das Unternehmen habe dem Dienst keinen Zugang gewährt. Google ließ verlauten, es sei bekannt, dass Daten auf diese Weise abgegriffen werden könnten. Man arbeite an einer Verbesserung der externen Verschlüsselung.

Bisher war lediglich bekannt, dass die Geheimdienste im Rahmen des Überwachungsprogramms Prism auf solche Daten zugreifen können, falls sie einen entsprechenden Beschluss des geheim tagenden Fisa-Gerichts vorweisen können. Dabei arbeitet der Geheimdienst aber direkt mit Unternehmen wie Facebook, Google, Yahoo und Microsoft zusammen und bekommt auch nur beschränkte Mengen an Daten ausgehändigt.