Zu den Waffen der NSA gehört auch die Semantik. Auf Fragen von Politikern und auf Vorwürfe in den Medien reagieren die Vertreter des US-Geheimdienstes mit Spitzfindigkeiten, die wie ein Dementi klingen sollen, aber keines sind. Sie weisen Vorwürfe zurück, die so niemand erhoben hat, sie definieren zentrale Begriffe anders, als es die Allgemeinheit tut, oder verengen selbst die Fragestellung. Fünf Beispiele:

31. Oktober: Keith Alexander wird bei einem öffentlichen Auftritt mit den neuesten Enthüllungen der Washington Post konfrontiert. Der Zeitung zufolge zapft die NSA heimlich die Glasfaserleitungen von Google und Yahoo an, mit denen die Unternehmen ihre jeweiligen Rechenzentren im Ausland verbinden. Verbindungsdaten und Kommunikationsinhalte von Millionen von Menschen werden dabei gescannt.

Alexander sagt dazu: "Wir haben keinen Zugang zu den Servern von Google und denen von Yahoo."

Da die Washington Post aber gar nicht von Servern schreibt, sondern von Leitungen zwischen den Rechenzentren, ist die Aussage von Alexander irreführend.

Etwas später veröffentlicht die NSA ein offizielles Statement zu den Vorwürfen der Washington Post. Darin heißt es, die Behauptung, die NSA sammle im Ausland Daten auf der Grundlage der präsidialen Verfügung 12333, um die gesetzlichen Beschränkungen zu umgehen, die innerhalb der USA gelten, sei nicht korrekt. Ebenso wenig wie die Behauptung, die NSA bekomme "in dieser Art von Sammlung" große Mengen an Daten von US-Bürgern.

Der Vorwurf um die Verfügung 12333 stammt aber nicht von den Autoren des Artikels, sondern von einem ehemaligen NSA-Analysten, den sie dazu befragt haben. Und selbst wenn von "dieser Art von Sammlung" nur wenige US-Bürger betroffen wären, hieße das nicht, dass es diese Sammlung nicht gibt – und dass die NSA nicht auf anderen Wegen an Daten von US-Bürgern gelangt.

29. Oktober: Clapper und NSA-Direktor Keith Alexander werden in einer öffentlichen Anhörung des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus zu den Berichten über gesammelte Telefonverbindungsdaten aus Spanien, Italien und Frankreich befragt. Alexander sagt: "Die Vorwürfe der Reporter in Frankreich, Spanien und Italien, die NSA habe zig Millionen Telefongespräche gesammelt, sind komplett falsch. Als Beweis führen sie Screenshots eines Tools an … aber sie haben nicht verstanden, was sie da sahen. Dieses Tool zählt Aufzeichnungen von Metadaten in aller Welt."

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In den jeweiligen Zeitungsartikeln heißt es aber völlig korrekt, die NSA speichere die Metadaten. Alexander weist also einen Vorwurf zurück, den niemand erhoben hat.

21. August: Clappers Büro und die NSA reagieren mit einem offiziellen Statement auf Berichte des Wall Street Journals,  nach denen der Geheimdienst "die Kapazitäten hat, um bis zu 75 Prozent des gesamten Internetverkehrs in den USA zu erreichen". Im Statement heißt es: "Die NSA hat keinen uneingeschränkten Zugang zu 75 Prozent aller US-Kommunikationsvorgänge und durchsiebt diese auch nicht."

Im Klartext: Die NSA durchwühlt den Internetverkehr in den USA durchaus, aber eben nicht 75 Prozent davon. Der Geheimdienst verdreht einfach die Angaben der Journalisten, um sie dann zurückzuweisen.