Es ist ein exklusiver Kreis, den die USA, Großbritannien, Australien, Neuseeland und Kanada bilden. Five Eyes heißt er, fünf Augen. Die Geheimdienste der Mitgliedsländer tauschen eifrig Erkenntnisse aus und sehen sich gegenseitig als Partner erster Klasse. In einem so verschworenen Kreis hört man sich nicht gegenseitig ab – sollte man meinen.

Dieser Glauben verleitete nicht zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel zu der Aussage, man sei "ja leider nicht Teil dieser Gruppe". Nun zeigt sich: Nur weil ein Land privilegierter Partner der USA ist, heißt das noch lange nicht, dass die NSA dessen Bürger in Ruhe lässt.

Der US-Geheimdienst darf auch Internet- und Telefonverbindungsdaten unbescholtener Briten speichern und analysieren. Das berichten der Guardian und Channel 4 News unter Berufung auf Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden.

Demnach geht aus einem NSA-Memo von 2007 hervor, dass die NSA anders als zuvor auch "versehentlich" gesammelte Verbindungsdaten wie Handynummern, E-Mail-Adressen und IP-Adressen britischer Bürger in ihren Datenbanken behalten und analysieren darf. Bis dahin durfte die NSA nur im Rahmen von anderen Ermittlungen aufgeschnappte Festnetznummern von Briten aufbewahren.

"Versehentlich" (incidently) bedeutet, es handelt sich um Verbindungsdaten, die bei der Suche nach Verdächtigen anfallen. Die Betroffenen sind selbst zunächst nicht verdächtig. In der Schleppnetz-Datensammlung der NSA sind sie sozusagen der Beifang.

Solche Daten muss die NSA eigentlich in automatisierten Verfahren "maskieren", also für ihre Analysten zunächst unkenntlich machen. Doch das Memo von 2007 berechtigt die NSA-Mitarbeiter, sie wieder zu "demaskieren".

Verwendet werden die Daten zur Analyse von Kontaktnetzwerken. Ausgehend zum Beispiel von der Telefonnummer eines Verdächtigen werden dessen Kontakte, deren Kontakte und im Extremfall auch die Kontakte der Kontakte der Kontakte des Verdächtigen analysiert. Aus einem Verdächtigen werden so ziemlich schnell eine Million. Die NSA darf die Daten auch anderen US-Diensten und dem Militär zur Verfügung stellen. Das alles geschieht mit der Zustimmung des britischen Geheimdienstes GCHQ.

Ein anderes Dokument aus dem Jahr 2005 beschreibt sogar eine mögliche Vorgehensweise, um die Briten auch ohne eine solche Genehmigung auszuspionieren. Ob das tatsächlich geschehen ist, bleibt unklar. Der entsprechende Abschnitt ist mit dem Hinweis markiert, dass ausländische Behörden ihn nicht zu sehen bekommen dürfen. NoForn heißt dieser Hinweis – No Foreigners.

In einem anderen Teil dieses Dokuments von 2005, den die Briten im Gegensatz zum ersten Teil lesen dürfen, steht: Das Ausspionieren von Bürgern der Five-Eyes-Partnerländer geht in Ordnung, wenn man sich so gegenseitig bei der Jagd nach Waffenschiebern, Terroristen oder Drogenhändlern helfen kann. 

Die Bürgerrechtsorganisation EFF zeigt hier übrigens eine sortierbare Liste aller bisher veröffentlichten Snowden-Dokumente.