Der Wortzusatz smart, englisch für schlau oder intelligent, ist in Politik und Werbung beliebt, um etwas zu verkaufen, seien es Fernseher, Bomben oder Grenzüberwachungsanlagen. Nicht selten ist die Bezeichnung smart dabei irreführend bis unsinnig. Die sogenannten Smart Meter, die intelligenten Stromzähler, sind ein gutes Beispiel dafür. Denn erstens sind sie nicht sonderlich schlau. Und zweitens hat derjenige, der sie in seiner Wohnung oder seinem Haus einbaut, von ihnen keinen Vorteil.

Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das das Unternehmen Ernst & Young im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums durchgeführt hat. Demnach können Stromkunden mit den Smart Metern kein Geld sparen – im Gegenteil, sie zahlen sogar drauf.

Smart Meter haben im Vergleich zu herkömmlichen Stromzählern vor allem zwei Funktionen. Auf einem kleinen Bildschirm zeigen sie eine Kurve des aktuellen Stromverbrauchs an, und sie können Daten über diesen Stromverbrauch – alternativ auch über den Gas- oder Wasserverbrauch – an den Stromanbieter zurücksenden.

Die Idee: Stromkunden sehen damit, wann sie wie viel verbrauchen und ändern möglicherweise ihr Verhalten. Beispielsweise, indem sie die Waschmaschine nachts laufen lassen, wenn der Strombedarf insgesamt niedriger und die Kilowattstunde daher billiger ist. Gleichzeitig kann der Stromanbieter sein Netz besser auslasten und dank aktueller Daten über den Verbrauch seiner Kunden die richtige Menge Energie einspeisen und so Lastspitzen vermeiden.

Nachts Wäsche waschen?

Das Ganze hat zwei Haken: Erstens ist Strom hierzulande bislang fast immer gleich teuer. Wer nachts seine Wäsche wäscht, spart also kein Geld. Er nervt höchstens seine Nachbarn, die vom Gerumpel der Maschine aufwachen. Seit 2012 müssen zwar alle Anbieter last- und zeitabhängige Tarife bieten, Firmen wie Yello führen daher zusammen mit den Smart Metern neue Tarifmodelle ein. Um wie viel billiger es ist, die Nebenzeiten darin zu nutzen, lässt sich allerdings erst sagen, wenn sich diese Modelle etabliert haben.

Ganz zu schweigen davon, dass die Stromzähler in vielen Häusern im Keller hängen, wo sie niemand sieht. Wie angesichts dessen eine Änderung der Nutzer erreicht werden soll, ist schleierhaft. Yello immerhin nutzt dafür eine App, der Zähler schickt die Daten auf das Handy des Kunden. Das aber sorgt für neue Probleme.

Denn zweitens fürchten Datenschützer, dass der Stromanbieter und andere Unternehmen die Kunden ausspionieren können. Die Zähler sind so genau, dass sich mit ihnen problemlos messen und dank statistischer Vergleiche errechnen lässt, wie viele Menschen gerade in der Wohnung sind und was sie tun. Kein Wunder also, dass die Geräte bislang ein Flop sind, kaum jemand entscheidet sich dafür.

Für die Studie wurde nun untersucht, welche Stromeinsparungen mithilfe der Zähler möglich sind und welche Kosten der Einbau der Geräte verursacht. Die Wirtschaftsprüfer legten dabei das sogenannte EU-Szenario zugrunde. Das geht davon aus, dass bis 2020 mindestens 80 Prozent der Haushalte einen solchen Zähler haben. 

Das aber sei "für Deutschland weder wirtschaftlich noch umsetzbar", heißt es in dem Gutachten. Die 80-Prozent-Vorgabe führe "für den Großteil der Endkunden zu unverhältnismäßig hohen Kostenbelastungen", weil "auch Kleinstverbrauchergruppen weit über ihren Systemnutzen involviert und kostenmäßig belastet werden". Soll heißen: Solche Zähler lohnten sich nur für Großkunden wie Unternehmen, nicht aber für jeden Haushalt.

Denn selbst wenn die Menschen sich umstellen, sparen sie dadurch kaum. In den Berechnungen der Studie heißt es, private Haushalte mit einem Verbrauch von bis zu 6.000 Kilowattstunden könnten durch Smart Meter 1,2 bis 1,8 Prozent ihrer Stromkosten sparen. Das wären durchschnittlich 39 Euro im Jahr. Aber einen Verbrauch von 6.000 Kilowattstunden erreichen nur Haushalte mit vier und mehr Personen, die Mehrzahl der Deutschen also würde noch weniger sparen. Insgesamt geht man bei Privathaushalten von 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch aus. Deutlich weniger als 39 Euro also.