Die britische Handelskette Tesco will in ihren 450 Tankstellen künftig die Kunden scannen, um ihre Werbung an Alter und Geschlecht des Betrachters anpassen zu können. Das soll mithilfe eines Flachbildschirms an der Kasse geschehen, der die Gesichter der Kunden aufnimmt und darauf abgestimmte Werbeangebote zeigt. Nach Angaben der Firma Amscreen, die das System entwickelte, wird von der personalisierten Reklame auch die jeweilige Tageszeit berücksichtigt.

Darüber hinaus erfasst das System, wie lange ein Kunde auf die Reklame schaut und was er einkauft. Vorwürfe, die Kunden würden damit ohne ihre Zustimmung überwacht, wies Tesco zurück. Eine Amscreen-Sprecherin sagte, es kämen weder sogenannte Eyeball-Scanner noch andere Identifizierungsmethoden zum Einsatz. Es gehe nur um das Geschlecht und vier verschiedene Altersstufen. Außerdem werde kein Bild gespeichert. Laut einer Studie liegt die Quote der richtigen Erkennung des Geschlechts bei über 90 Prozent.

Datenschützer reagierten dennoch empört. Nick Pickles von der Bürgerrechtsorganisation Big Brother Watch sprach im Guardian von einem "enormen Problem". Die einzige Möglichkeit für eine korrekte Verwendung der Scans sei, die Einwilligung der Kunden einzuholen.

Binnen fünf Jahren sollen alle Tesco-Tankstellen mit der Technik ausgerüstet werden. Amscreen-Chef Simon Sugar sagte, "möglichst viele Supermärkte" sollten das System ebenfalls erhalten. Die Flachbildschirme sollten außerdem in Krankenhäusern, Flughäfen, Bahnhöfen oder Banken aufgestellt werden.

Im Februar 2012 war die Technologie schon einmal in Großbritannien eingesetzt worden. Die Kinderhilfsorganisation Plan nutzte die Technik, um an Bushaltestellen je nach Geschlecht unterschiedliche Inhalte anzuzeigen.