Der US-Geheimdienst NSA hat zehn Millionen Dollar an die Internetsicherheitsfirma RSA gezahlt, damit diese ein von der NSA entwickeltes Verschlüsselungssystem in ihre Sicherheitssoftware Bsafe integriert. Die Firma RSA hatte bereits im September nach den Enthüllungen über Spähaktionen der NSA eine Warnung zu ihrer Software Bsafe veröffentlicht. Darin sei ein Werkzeug für die Generierung von Zufallszahlen enthalten, die auf einer von der NSA mitentwickelten schwachen Formel basiere, erklärte das Unternehmen. Unter Umständen hat sich die NSA mit dem von ihr entwickelten Zufallsgenerator eine Möglichkeit geschaffen, um verschlüsselte Verbindungen ausspähen zu können.

Im September hatte die New York Times unter Berufung auf Dokumente des früheren NSA-Mitarbeiters Edward Snowden berichtet, dass der Geheimdienst 2006 einen öffentlichen Verschlüsselungsstandard beeinflusst habe, um dort ein leicht zu knackendes Verfahren einzuschleusen. Bislang war jedoch unbekannt, dass die Firma RSA zehn Millionen Dollar dafür erhalten haben soll, dass sie den NSA-Zufallsgenerator als bevorzugtes Instrument in der Bsafe-Software einsetzt. Diese Vereinbarung haben nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters nun zwei Informanten bestätigt, die mit dem Geschäft vertraut sind. Wie aus Bilanzunterlagen hervorgeht, entspricht die Summe mehr als einem Drittel des Umsatzes der entsprechenden RSA-Abteilung im gesamten vorigen Jahr.

RSA, ein Tochterunternehmen des Computertechnik-Konzerns EMC Corp, lehnte eine Stellungnahme zu diesen neuen Informationen ab. Die Firma erklärte, RSA handele immer im besten Interesse seiner Kunden und habe niemals irgendwelche Hintertüren in seinen Produkten entwickelt oder ermöglicht. Die NSA wollte sich nicht äußern.

US-Präsident Barack Obama hat inzwischen erklärt, er wolle als Konsequenz aus den NSA-Affären schnell die heikle Frage der Geheimdienstarbeit anpacken. Schon im Januar werde er "definitive Aussagen" zu den Ratschlägen seiner Expertengruppe machen. "Ich nehme das sehr ernst", sagte der Präsident bei seiner letzten Pressekonferenz des Jahres am Freitag in Washington. Besonders die Spionage im Ausland sei rechtlich bisher kaum eingeschränkt gewesen.