Die NSA unterhält eine eigene, seit Jahren wachsende Hackertruppe, die jedes technische System angreift. Sie macht sich Absturzberichte von Microsoft Windows zunutze, um Zielpersonen auszuspähen. Sie schiebt Besuchern von Facebook, Yahoo und anderen populären Seiten heimlich Schadcode unter. Sie fängt Lieferungen von Computern oder anderen Geräten an Zielpersonen ab, wenn die sich etwas online bestellt haben, um Schadsoftware oder sogar Wanzen einzubauen und dann erst an den Empfänger zu schicken.

Die Spezialeinheit, die für solche Aktionen verantwortlich ist, heißt Tailored Access Operations, kurz TAO. Der Spiegel porträtiert die Hackereinheit der NSA in seiner neuen Ausgabe auf der Grundlage von Snowden-Dokumenten.

Wie der Name der Einheit schon andeutet, beschäftigt sie sich vorwiegend mit der maßgeschneiderten Überwachung einzelner Zielpersonen. Es handelt sich offenbar um einige Hundert Operationen pro Jahr. "Getting the ungettable", an das Unerreichbare herankommen, ist das Motto von TAO, zitiert der Spiegel aus den internen Unterlagen. Die technischen Mittel, die TAO entwickelt und einsetzt, erinnern "an eine zeitgemäßere Version des legendären 'Q' aus den James-Bond-Filmen".

Das Magazin nennt eine Reihe von Beispielen für die Fähigkeiten der geheimen Einheit: Die Mitarbeiter können beispielsweise E-Mails lesen, die über die eigentlich als sicher angesehenen Enterprise-Server von Blackberry verschickt werden.

Sie nutzten Absturzberichte, die Windows-Nutzer bei einem Systemcrash zu sehen bekommen und die häufig auch an Microsoft übertragen werden. TAO fängt diese Berichte ab und schließt daraus auf die Schwächen in den Computern von Zielpersonen, die sie dann in einem zweiten Schritt auszunutzen versuchen. Microsoft wird also unfreiwillig zum Hinweisgeber für die NSA.

TAO hat demnach ein eigenes Schatten-Servernetz aufgebaut, das wie ein Internet im Internet existiert und dazu dient, Zielpersonen auszuspähen und deren Onlineverhalten zu beobachten. Es schaltet sich dazwischen, wenn eine Zielperson zum Beispiel YouTube, Twitter, LinkedIn, Yahoo oder Facebook aufrufe. Im für die NSA besten Fall antworteten die eigenen Server schneller als die von Yahoo oder Facebook und leiteten den Nutzer auf eine exakt gleich aussehende, aber mit Schadcode verseuchte Seite weiter, um ihn anschließend überwachen zu können.

Quantum und Foxacid heißen diese Werkzeuge demnach. Sie sollen unter anderem beim Angriff des britischen Geheimdienstes GCHQ auf den belgischen Provider Belgacom zum Einsatz gekommen sein. Der Angriff mit der NSA-Technik führte letztlich dazu, dass der britische Geheimdienst unter anderem die Opec-Zentrale in Wien ausspähen konnte.