Handys sind Ortungswanzen, die jederzeit verraten, wo sie sich befinden und damit auch, wo ihr Besitzer gerade ist. Die NSA nutzt diese Funktion und sammelt nach Informationen der Washington Post jeden Tag fast fünf Milliarden Datensätze über die Standorte von Mobiltelefonen auf der ganzen Welt. Die NSA speichere und analysiere die Ortungsdaten von "mindestens Hunderten Millionen Geräten", berichtet die Zeitung und beruft sich dabei auf Snowden-Dokumente und auf Interviews mit NSA-Mitarbeitern.

Mit diesen Daten könne der Geheimdienst in einer Weise Bewegungsprofile von Menschen erstellen, die früher unvorstellbar gewesen sei, schreibt die Zeitung. Gewohnheiten lassen sich so genauso ausspähen wie die Beziehungen von Menschen . Solche Ortungsdaten enthalten keine Informationen über Gespräche, trotzdem erlauben sie, ein detailliertes Bild über den Besitzer des Gerätes zu zeichnen.

ZEIT ONLINE hat vor drei Jahren gezeigt, wie viel sich allein aufgrund solcher Bewegungsdaten über einen Menschen erfahren lässt . Anhand der Handydaten des Grünenpolitikers Malte Spitz ließ sich ein genaues Muster seines Lebens zeichnen. Die Verwendung solcher Daten gilt daher als problematisch, weswegen die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland bislang ausgesetzt war. Bei dieser sollen unter anderem genau solche Bewegungsdaten gesammelt werden.

Die USA nun zapft die Kabel an, die Mobilfunknetzwerke weltweit miteinander verbinden, und schöpft dabei "in gewaltigem Umfang" Ortungsdaten ab, berichtet die Zeitung unter Berufung auf einen Mitarbeiter des Geheimdienstes. Außerdem sammele sie Daten der Mobiltelefone von Amerikanern, die im Ausland unterwegs sind. Gesammelt werden dabei unter anderem die IMEI und die IMSI , zwei Nummern, die jedes Mobiltelefon und jede SIM-Karte darin eindeutig identifizieren.

Rechenzentren mussten erweitert werden

Mit einem "Co-Traveler" genannten Analysewerkzeug durchkämmen die Geheimdienstmitarbeiter den Angaben zufolge die Daten nach übereinstimmenden Bewegungsmustern, um Netzwerke von Terrorverdächtigen zu entdecken. Überall auf der Welt könnten sie damit Mobiltelefone finden und verfolgen.

Durch die willkürliche Handyortung sammelt die NSA einen riesigen Datenberg. Das Programm dazu wird intern FASCIA genannt. Die Zeitung zitiert aus einem internen Dokument vom Mai 2012, in dem der Geheimdienst einräumt, dass das Programm die Kapazität der NSA zur Verarbeitung und Speicherung von Daten übersteige. Die NSA habe daraufhin ihre Rechnerkapazitäten erweitert.

Die Überwachung richte sich gegen ausländische Ziele. US-Bürger nehme die NSA dagegen nicht gezielt ins Visier, argumentiert der NSA-Vertreter. Allerdings greife der Geheimdienst als Nebenprodukt der Massenüberwachung auch in bedeutendem Umfang Daten von US-Mobilfunktelefonen ab.

Seit Juni haben die Snowden-Dokumente diverse Spähaktivitäten der NSA und verbündeter Geheimdienste ans Licht gebracht. So überwachte die NSA offenbar nicht nur massenhaft E-Mails und Telefonate von Menschen rund um die Welt, sondern hörte auch Spitzenpolitiker aus befreundeten Staaten ab, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

US-Präsident Barack Obama ordnete eine Überprüfung der Geheimdienstaktivitäten an, noch im Dezember soll das Ergebnis vorliegen. Grundsätzlich verteidigt das Weiße Haus die Spähprogramme aber immer wieder als notwendiges Mittel im Kampf gegen den Terrorismus.