Spieler mit ''World of Warcraft'' auf der Spielemesse Gamescom 2011 in Köln © Ina Fassbender/Reuters

Britische und US-Geheimdienste haben Medienberichten zufolge millionenfach genutzte Online-Rollenspiele ausgespäht. Die US-Dienste CIA und NSA sowie der britische GCHQ haben demnach Undercover-Agenten in die Spielwelten von World of Warcraft und Second Life geschickt, berichteten der Guardian, ProPublica und die New York Times. Sie beriefen sich auf geheime Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden. Die Geheimdienste hätten sich außerdem Zugang zu dem Netzwerk der Microsoft-Spielekonsole Xbox verschafft, das weltweit fast 50 Millionen Nutzer hat.

Danach waren in dem Online-Spiel Second Life so viele Agenten unterschiedlicher US-Geheimdienste unterwegs, dass eine gesonderte Koordinierungsstelle eingerichtet werden musste. Sie sollte verhindern, dass sich die Dienste gegenseitig in die Quere kommen.   

World of Warcraft ist eines der größten virtuellen Rollenspiele. Millionen Spieler ziehen hier als Gnome, Trolle, Orks oder Zwerge ins Feld. Auch die Agenten haben sich den Berichten zufolge virtuelle Charaktere erschaffen, um unerkannt spionieren zu können.

Das Spiel wird von einer kalifornischen Firma, Blizzard Entertainment, hergestellt. Ein Sprecher sagte dem Guardian, man wisse nichts von einer Überwachung. "Wenn das stattfand, war es ohne unser Wissen oder unsere Erlaubnis."

Die Geheimdienste gingen offenbar davon aus, dass mögliche Terroristen über die Onlinespiele Nachrichten und Geld austauschen könnten. Die Unterlagen gäben jedoch keinen Hinweis darauf, dass die Überwachung der Spielewelten Informationen über Terrorgruppen zu Tage gefördert habe, schrieben die Medien. Die Bemühungen sind offenbar also ohne Erfolg geblieben.

Onlinespiele zeichneten die Aktivitäten ihrer Nutzer auf, sagte Peter Singer vom Thinktank Brookings Institution zur New York Times. Daher eigneten sie sich nicht zum heimlichen Austausch in Terrorgruppen. Auch das amerikanische Militär nutzt Online- und Computerspiele zum Training seiner Soldaten.