Laut einem Bericht des Guardian hat die NSA in großem Umfang Kurznachrichten ausgewertet: Unter dem Programmnamen Dishfire soll der US-Geheimdienst täglich weltweit 200 Millionen SMS gesammelt haben. Das Material sei in einer Datenbank gespeichert worden, über die man gezielt Informationen wie Kontakte, Reisepläne und Aufenthaltsorte ermitteln könne, berichtet die britische Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Diese Praxis soll auch auf Personen angewendet worden sein, gegen die kein Verdacht vorliegt. Ob Dishfire noch Anwendung findet, ist unklar: Die Unterlagen des Guardian basieren auf dem Stand von 2012.

In einer NSA-Präsentation von 2011 werden SMS als "Goldmine" bezeichnet, die es "auszubeuten" gelte. Demzufolge konnte der Geheimdienst beispielsweise täglich durchschnittlich fünf Millionen Benachrichtigungen zu verpassten Anrufen abgreifen, um daraus Informationen zu den Kontakten der betroffenen Personen zu gewinnen. Auch Details zu Finanztransaktionen und Aufenthaltsorten sowie Informationen zu täglich rund 1,6 Millionen Grenzgängern, die sich im Roaming-Netz aufhielten, wurden demnach von der NSA gesammelt.

Informationen zu Telefonnummern aus den USA wurden den Dokumenten zufolge entfernt oder aber "minimiert". Die Datenbank wurde auch dem britischen Geheimdienst GCHQ zu Verfügung gestellt. Dieser soll Dishfire genutzt haben, um Metadaten von Personen auszuwerten, die sich in Großbritannien aufhielten.

Obama-Rede zu Geheimdiensten

Die neuen Enthüllungen zur Reichweite der NSA-Abhörmaßnahmen fallen mit einer bevorstehenden Rede von Barack Obama zusammen, in der sich der US-Präsident am heutigen Freitag (17.00 Uhr MEZ) zu möglichen neuen Regeln für die US-Geheimdienste äußern möchte.

Im Washingtoner Justizministerium wird Obama das Ergebnis der monatelangen Überprüfung der Überwachungsprogramme präsentieren, die er angesichts der weltweiten Empörung über die Praktiken der NSA eingeleitet hatte. Im Dezember hatte ein Expertengremium dem Präsidenten dazu 46 Reformvorschläge unterbreitet – es wird allerdings erwartet, dass Obama bei seinen Reformplänen nicht allen Empfehlungen des Gremiums folgen wird.